Volkswagen unter Druck:Tausende Jobs weg trotz Milliardenplus: Das steckt dahinter
von Klaus Weber
Volkswagen wird wohl auch dieses Jahr einen Milliardengewinn machen. Warum dennoch 100.000 Stellen und vier Werke in Deutschland auf der Kippe stehen.
Vier VW-Standorte in Deutschland stehen vor der Schließung. Die Hightech-Standorte für E-Mobilität kämpfen mit niedriger Nachfrage, nun könnte ein Sechstel der Arbeitsplätze von VW wegfallen.
09.07.2026 | 2:35 minEs ist kein normaler Donnerstag in Wolfsburg. Es ist eher eine Art Showdown, wenn sich heute der Aufsichtsrat trifft und über den Umbau des Konzerns berät. VW ist aber auch alles andere als ein normaler Autokonzern. Volkswagen hat sich als Symbol für das Wirtschaftswunder ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Doch aktuell ist VW hauptsächlich eines - ein Symbol für den Niedergang des deutschen Industriestandorts.
Werksschließungen nicht ausgeschlossen
Der Konzern kämpft um nicht weniger als seine Zukunft. Offenbar muss man in Wolfsburg noch mehr sparen als bisher bekannt. Weit mehr als die bislang offiziell bestätigten 50.000 Jobs könnten abgebaut werden. Das "Manager Magazin" spricht gar von bis zu 100.000 Stellen weltweit. Zudem scheinen auch Werksschließungen in Deutschland nicht ausgeschlossen zu sein.
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Gewinne sinken trotz Milliardenumsatz
Trotz alldem rechnet VW auch dieses Jahr wieder mit einem Milliardengewinn. Wie passt das zu den Hiobsbotschaften, die man zuletzt aus Wolfsburg hörte? Dazu muss man zunächst ein paar Zahlen aus der Vergangenheit einordnen. Von 2021 bis 2024 lag der Gewinn jeweils im zweistelligen Milliardenbereich.
Im vergangenen Jahr allerdings halbierte sich der Gewinn bereits. Im dritten Quartal 2025 verbuchte VW sogar das erste Verlustquartal seit der Corona-Pandemie.
"Ich gehe davon aus, dass Werke geschlossen werden", so Prof. Helena Wisbert, Wirtschaftswissenschaftlerin, zur VW-Aufsichtsratssitzung. "Der Markt wird sich nicht auf Vorkrisenniveau von 2019 erholen."
09.07.2026 | 5:06 minAuch dieses Jahr wird es wohl einen Milliardengewinn geben, aber eben keine Gewinnsteigerung. Kurzum: Es ist eine Entwicklung erkennbar und diese ist mehr als nur ein Schönheitsfehler, sondern ein gefährlicher Trend.
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Experte schätzt VW als nicht wettbewerbsfähig ein
Achim Kampker, Professor an der RWTH Aachen University, urteilt in aller Deutlichkeit: "VW ist im Vergleich nicht wettbewerbsfähig und schafft mit seinen Ressourcen nicht, was der Wettbewerb schafft. Weiterhin gibt es gewaltige Überkapazitäten." Salopp ausgedrückt produziert VW zu viele Autos und verkauft zu wenige. So kommen die Überkapazitäten zustande und damit die Diskussionen um Werksschließungen.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) über die anstehenden Reformen der schwarz-roten Koalition und die Krise des Autobauers VW.
28.06.2026 | 3:59 minDer Konzern ist darauf ausgelegt, zwölf Millionen Autos zu produzieren. Jahrelang war der Schlüssel zum Erfolg: Je größer die Produktionskapazitäten, desto höher die Gewinne. Davon ist VW aktuell weit entfernt. 8,98 Millionen Fahrzeuge lieferte man im vergangenen Jahr an die Kunden aus. Das ist ein großer Unterschied im Vergleich zum Rekordjahr 2019, als man knapp elf Millionen Autos verkaufte.
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VW-Konzern produziert zu teuer
Ein Blick auf das Verhältnis von Umsatz zu Gewinn zeigt, wo das Problem liegt. Volkswagen hat im vergangenen Jahr knapp 322 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Unterm Strich blieb aber nur ein Gewinn von 6,9 Milliarden Euro. "Die Werke in Deutschland sind sehr teuer für VW - teilweise alte Werke mit hohen Lohnkosten", erklärt Andreas Herrmann vom Institut für Mobilität an der Universität St. Gallen.
Der VW-Konzern kämpft mit sinkender Auslastung. Auf der Hauptversammlung kündigte das Unternehmen an, in Deutschland 50.000 Stellen zu streichen. Zudem sollen weniger Autos produziert werden.
18.06.2026 | 2:15 minDie Marge, also die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den für die Herstellung und den Vertrieb der Fahrzeuge angefallenen Kosten, ist extrem niedrig. "Die Gewinnspanne ist mittlerweile nicht mehr dem Bedarf an Investition und Polster für die Zukunft genügend", sagt auch Beatrix Keim, Branchenexpertin vom Center Automotive Research (CAR).
Die Liste der Kosten ist laut Keim lang: "Kosten der Produktion, Kosten für Vertrieb und Verwaltung, Entwicklungskosten, Beteiligungen, Zinsen für Kredite, Strafzahlungen im Dieselskandal, Steuern, Aktionärsdividende."
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VW muss dringend investieren
Zudem muss VW sich einem völlig veränderten Markt stellen. Massiv sinkende Verkäufe in China, Zölle in den USA, aggressiver Markteintritt chinesischer Konkurrenten wie BYD in Europa, kein vernünftiges Batteriekonzept. Herausforderungen, die viel Geld kosten werden. Geld, das laut Herrmann benötigt wird für massive Investitionen in den Ausbau der Elektromobilität und zunehmend in die Software (Konnektivität, automatisiertes Fahren).
Diese neuen Felder brauchen ganz neue Fähigkeiten und damit auch andere Mitarbeitende.
Prof. Dr. Andreas Herrmann, Direktor am Institut für Mobilität der Universität St. Gallen
VW beschäftigt aktuell weltweit etwa 660.000 Menschen. Neben den Materialkosten sind Löhne und Gehälter der größte Posten in der VW-Bilanz. Für Achim Kampker ist deshalb klar: "VW kann nur wieder gute Prozesse aufbauen, wenn massiv abgebaut wird. Ich halte diesen Schritt für dringend erforderlich und er wurde viel zu lange aufgeschoben."
Es sieht so aus, als käme auf die Mitarbeiter von VW ein schmerzhafter Herbst zu.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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