Nach Medienbericht:Acht VW-Werke vor dem Aus? Zweifel an McKinsey-Szenario
von Leon Müller
Volkswagen steht unter Druck. Die Unternehmensberatung McKinsey soll laut einem Bericht das Aus für acht Werke vorgeschlagen haben. "Völlig überzogen", sagt Experte Bratzel.
Der Autobauer Volkswagen hat 2025 deutlich weniger verdient. Der Betriebsgewinn sank auf rund sieben Milliarden Euro. Gründe sind unter anderem US-Zölle und schwache Geschäfte bei Porsche.
10.03.2026 | 1:55 minDer Autobauer Volkswagen befindet sich derzeit in einer der schwersten Krisen seiner Unternehmensgeschichte. Vor diesem Hintergrund soll der VW-Konzern nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung externe Unternehmensberater ins Haus geholt haben, um den Autobauer zurück aus der Krise zu führen.
Der Vorschlag der Beraterfirma McKinsey sei dabei laut "Bild" besonders radikal: Langfristig sollen in Deutschland nur noch die zwei großen Autowerke Wolfsburg und Ingolstadt bestehen bleiben. Alle anderen Werke stünden demnach zur Disposition und könnten geschlossen werden. Darunter auch das Porsche-Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen.
Die VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeigt sich offen für Aufträge aus der Rüstungsindustrie. Deutschland und Europa müssten bei der Verteidigung unabhängiger werden.
06.03.2026 | 0:26 minWarum Volkswagen sparen muss
Zu den Berichten über die McKinsey-Pläne wollte sich ein VW-Sprecher gegenüber ZDFheute nicht äußern. Doch klar ist: Der Konzern muss sparen. Im vergangenen Jahr ist der Gewinn des Unternehmens um fast die Hälfte eingebrochen. Gleichzeitig kämpft der Autobauer mit hohen Kosten, einer schwachen Nachfrage nach Elektroautos und wachsender Konkurrenz aus China.
VW-Chef Blume hatte daher zuletzt einen tiefgreifenden Umbau des gesamten Volkswagen-Konzerns angekündigt - um Kosten zu sparen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Immer wieder wird auch über mögliche Werksschließungen spekuliert.
VW-Chef Blume erklärt im Interview, warum das Geschäftsmodell seines Konzerns nicht mehr funktioniert. Und wie sein Unternehmen diese Krise überwinden will.
10.03.2026 | 7:25 minVW-Betriebsrat: Schließungen "nicht umsetzbar"
Ein Sprecher des VW-Konzernbetriebsrats sagt dazu auf ZDF-Anfrage: "Egal, von wo irgendwelche Forderungen nach VW-Fabrikschließungen aufkommen sollten, wären sie nicht umsetzbar." Die Berichterstattung zu dem radikalen McKinsey-Vorschlag habe man zur Kenntnis genommen, wolle diese "Spekulationen" aber nicht kommentieren. Zugleich verweist der Betriebsrat auf bestehende Vereinbarungen. "Wir sind hier nicht bei Wünsch-dir-was, sondern bei So ist es", so der Sprecher des VW-Betriebsrats zu ZDFheute.
Zu diesem "So ist es" gehöre auch eine bis Ende 2030 unkündbare Beschäftigungssicherung für die Belegschaften an neun VW-Standorten sowie die Zusage über eine wirtschaftliche Anschlussperspektive für den zehnten Standort in Osnabrück, wo eine Einstellung der VW-Fertigung bereits beschlossen war.
Beschlossen wurde diese Vereinbarung bereits im Tarifstreit Ende 2024 zwischen dem VW-Vorstand und der IG Metall. Eine Umsetzung des möglichen McKinsey-Plans scheint aufgrund dieser Einigung kaum möglich.
Der VW-Konzern vermeldet nach vorherigen Warnungen vor rückläufigen Zahlen überraschend ein Sechs-Milliarden-Plus in der Bilanz. Woher kommt der Geldregen und wer profitiert davon?
11.02.2026 | 1:27 minMcKinsey-Szenario "völlig überzogen"
Für nicht realistisch hält auch der Auto-Wirtschaftsexperte Prof. Stefan Bratzel das McKinsey-Szenario. "Das ist aus meiner Sicht völlig überzogen", sagt Bratzel gegenüber ZDFheute. Dass man sich überlege, wie viele Werke man noch brauche, sei vernünftig - darüber müsse man sich Gedanken machen. Denn es gebe Überkapazitäten bei Volkswagen in Europa.
Aber alle Werke bis auf zwei zu schließen, ist eine Drohkulisse, die man fährt, um mal zu gucken, was man denn noch realisieren kann.
Stefan Bratzel, Automobilexperte
Autoexperte Bratzel: "Volkswagen muss Kosten sparen"
Dass Volkswagen sparen muss, sei nicht neu, meint der Autoexperte. Aber man müsse noch schärfer vorgehen als man es vor ein, zwei Jahren gedacht habe, weil sich die Vorzeichen noch einmal verschlechtert hätten.
Trumps Zölle belasten das US-Exportgeschäft, und auch die Nachfrage in Europa ist nach wie vor schlecht. "Doch bei allen Sparbemühungen muss das Thema Innovationen eine ganz zentrale Bedeutung haben", sagt Bratzel gegenüber ZDFheute. Volkswagen werde keine Chance haben, wenn es nicht besser und innovativer werde als der Wettbewerb. "Und dann reden wir tatsächlich in fünf bis zehn Jahren von weiteren Standortschließungen."
Leon Müller berichtet aus dem ZDF-Landesstudio Hannover.
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