Arbeitsmarkt im Freistaat unter Druck:Sachsen: 15.000 Industriejobs weniger in einem Jahr
von Anja Charlet
Sachsen verliert massiv Arbeitsplätze. Die Autoindustrie steht vor einer ungewissen Zukunft. Auch manches Traditionsunternehmen musste aufgeben.
Im letzten Jahr sind in der Industrie in Sachsen 15.000 Jobs weggebrochen. Das belastet den Arbeitsmarkt Sachsens, das lange als blühendes Industrieland gegolten hatte.
27.02.2026 | 1:39 minEs war eine Meldung, die aufhorchen ließ. Die sächsische Industrie hat laut Statistischem Landesamt vergangenes Jahr 15.000 Arbeitsplätze verloren, zahlenmäßig mehr als jedes andere Bundesland. Damit setzt der Freistaat einen traurigen Trend fort: Seit 2019 sind mittlerweile 23.000 Menschen weniger in der sächsischen Industrie beschäftigt.
Im Freistaat Sachsen liegt die Arbeitslosenquote auch im Februar weiterhin bei 7,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl um 7.300.
Deutschlandweit sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Januar zwar leicht auf 6,5 Prozent. Im Vorjahresvergleich ist sie allerdings um 0,1 Prozent gestiegen und liegt weiterhin bei über drei Millionen - genau bei 3.069.940. Im monatlichen Vorjahresvergleich hat die absolute Zahl der Arbeitslosen sogar um 80.720 zugenommen.
Auch die Arbeitskräftenachfrage veränderte sich im Februar kaum. Die Bundesagentur für Arbeit meldete 638.000 Arbeitsstellen, 1.000 weniger als vor einem Jahr.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Mittelständler stark betroffen
Das wirtschaftliche Rückgrat im Freistaat Sachsen ist der Mittelstand. Hier musste manches Traditionsunternehmen aufgeben. Beispielsweise die drahtverarbeitende Firma Preißler im ostsächsischen Sebnitz. Seit 1891 war sie im Familienbesitz, hat zwei Weltkriege und die DDR überstanden. Im vergangenen Jahr kam das Aus für die 70 Beschäftigten. Die Produktion hat sich angesichts der chinesischen Billigkonkurrenz nicht mehr rentiert.
Preißlers Firma war die letzte ihrer Art in Europa. Sie hat Draht hergestellt für die Floristik-Industrie, zum Festbinden von Pflanzen, und für Bastelbedarf. Dann brach der Floristik-Markt weg. Neben der Konkurrenz aus China seien der Mindestlohn und die gestiegenen Energiepreise die entscheidenden Probleme gewesen, sagt Holger Preißler.
Ist die deutsche Industrie von einem sogenannten "China-Schock" bedroht? Wie kann sie gegen günstige Exporte geschützt werden? "WISO - Wirtschaft erklärt" mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
24.02.2026 | 8:46 min250 Arbeitsplätze bei Bosch in Gefahr
Bei Bosch in Sebnitz soll bis Jahresende Schluss sein, wenn sich nicht noch ein Investor findet. Aus Kostengründen wird die Produktion von Elektrowerkzeugen nach Ungarn verlegt.
Gleichwertige, gut bezahlte Jobs im Umkreis zu finden, wird schwer für die 250 Beschäftigten. Nach Flächentarifvertrag könne kaum einer in der Region bezahlen, sagt Jens Ehrlichmann, Betriebsratsvorsitzender im Unternehmen.
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Jobverlust zieht sich durch fast alle Branchen
Sachsen ist als Industrieland bekannt. Nun gehen genau dort dramatisch Arbeitsplätze verloren. 8.300 in der Produktion, 8.800 im verarbeitenden Gewerbe. Auch im Bau, im Handel und im Gastronomiegewerbe brachen Arbeitsplätze weg.
Im Autoland Sachsen, wo VW in Zwickau ganz auf Elektromobilität setzt, ist nicht sicher, ob die Arbeit künftig noch für alle 8.500 Beschäftigten des Standorts reichen wird. Andere große Autobauer wie Porsche fahren aufgrund der Konjunktur ein rigides Sparprogramm.
Einzig BMW hat in Leipzig im vergangenen Jahr gegen den Trend einen Produktionsrekord erzielt. Man hat sich hier nicht auf eine Antriebsart festgelegt. Es werden sowohl Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wie auch E-Autos gebaut.
In der deutschen Industrie mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende. Im Dezember erhielten die Unternehmen den vierten Monat in Folge mehr Aufträge. Die Zahl der Bestellungen stieg um 7,8 Prozent.
09.02.2026 | 3:18 minKonjunkturflaute oder strukturelle Krise?
In Deutschland überlagerten sich im Moment verschiedene Ebenen von Problemen, sagt der Ökonom Prof. Oliver Holtemöller.
Wir haben einmal den Strukturwandel, einen längerfristigen Prozess, und wir haben dann noch eine Konjunkturschwäche.
Prof. Oliver Holtemöller, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Dazu kämen noch schwierige weltwirtschaftliche Bedingungen, auch durch das erneute Zollchaos in den USA. Doch das seien gesamtdeutsche Probleme. Die Zahl der Insolvenzen, auch in Sachsen, sei dafür nicht außergewöhnlich hoch.
Trotzdem müssen immer mehr Betriebe im Freistaat schließen. Die Industrie-und Handelskammer Leipzig nennt hohe Energie- und Arbeitskosten sowie Bürokratie als Ursachen. Die Zahl der Betriebe in Sachsen sinkt: Seit 2019 gibt es acht Prozent weniger Fabriken und Werkstätten.
Während die Industrie in Süddeutschland mit der Wirtschaftsflaute kämpft, kann der Norden ein moderates Wachstum verzeichnen. Woher kommt der Erfolg in allgemeinen Krisenzeiten?
19.11.2025 | 2:52 minEin großes Problem für die Wirtschaft im Bundesland ist aber auch der demografische Wandel. Das bedeutet, immer mehr Menschen gehen in den Ruhestand, nur wenige Junge kommen nach. Vor allem im ländlichen Raum seien die Probleme groß, sagt Holtemöller, im Osten größer als im Westen.
Trend bei Dienstleistern gegenläufig
Doch es gibt auch kleine Lichtblicke: Einen Job-Zuwachs gab es in Sachsen im Gesundheitsbereich, zum Beispiel in der Pflege, oder im Dienstleistungssektor. Sachsen verfügt über die höchste Arbeitsplatzdichte in den neuen Flächenländern.
Und: Dass der Wirtschaftsstandort Sachsen Zukunft hat, zeigt sich vor den Toren Dresdens. Hier entsteht Europas größter Standort für die Chip-Industrie, der 24.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte.
Anja Charlet ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Sachsen.
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