"Macht auf den ersten Blick keinen Sinn":VW-Werk Zwickau: Droht der Zukunftsfabrik das Aus?
von Alban Löffler
Das Werk in Zwickau soll bei Volkswagen auf einer Streichliste stehen. Ein Traditionsstandort bangt um seine Zukunft - obwohl dort seit Jahren auf E-Autos gesetzt wird.
Die Belegschaft im VW-Werk Zwickau blickt auf eine unklare Zukunft. Ein Verlust der Arbeitsplätze wäre verheerend.
Quelle: action pressVor den Toren des VW-Werks in Zwickau herrscht Ratlosigkeit. "Die Belegschaft weiß gerade nicht, wo hinten und vorne ist", sagt Betriebsrat Mike Rösler über die Gerüchte, die seit Tagen um Volkswagen kursieren. Laut Medienberichten könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen, in Deutschland sollen vier Standorte auf einer Streichliste stehen - darunter auch das Werk in Zwickau.
Wenn am Donnerstag der VW-Aufsichtsrat über die Sparpläne verhandelt, dann bangt eine Wiege des Automobilbaus um ihre Zukunft. In Zwickau baut man seit über 120 Jahren Autos, hier lief zu DDR-Zeiten noch der "Trabi" über die Bänder, später folgte der Polo. Ein Traditionsstandort - der eigentlich mal als Zukunftsfabrik für E-Autos galt.
Laut Medienberichten will der Volkswagen-Konzern deutlich mehr Stellen abbauen als bisher geplant. ZDF-Korrespondent Peter Kunz ordnet das bisherige Vorgehen des Unternehmens ein.
26.06.2026 | 1:43 minKrise um VW hat sich weiter verschärft
Noch gilt für Zwickau eine Standortgarantie bis 2030, das war Ergebnis eines heftigen Tarifstreits im Jahr 2024. Seitdem habe sich die Situation um Volkswagen weiter verschärft, sagt Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg: "Diese radikalen Maßnahmen - die jetzt im Raum stehen - zeigen, wie stark Volkswagen im Krisenmodus ist."
Der Automarkt in China sei weggebrochen, so Wisbert, die Zölle in den USA belasten das Geschäft. Und auch in Europa werden nicht mehr so viele Autos gekauft. Der Markt sei "gesättigt", die Werke in Deutschland nicht mehr ausgelastet.
Wisbert geht deshalb davon aus, dass es zu Werksschließungen kommen werde - doch sie betont:
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es das Werk in Zwickau trifft.
Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft
Volkswagen will trotz Sparzwang keine Gespräche mit chinesischen Autobauern über den Verkauf von Werken in Deutschland führen. Das sagte Konzernchef Oliver Blume auf einer Betriebsversammlung.
20.05.2026 | 0:33 minSparmaßnahmen trotz wachsender E-Auto-Verkäufe
Denn Zwickau ist die größte Elektro-Auto-Fabrik von Volkswagen in Deutschland, 2022 stellte der Autobauer hier erstmals ein großes Werk komplett auf E-Autos um. Investierte dafür rund 1,2 Milliarden Euro.
Ein hochmodernes Werk zu schließen, das auf mehrere E-Modelle ausgelegt ist, macht auf den ersten Blick keinen Sinn.
Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft
Die Schließung eines Werks für Verbrenner erscheine da sinnvoller. Zumal sich die Zahlen von VW bei den E-Autos verbessert haben, Volkswagen ist in dieser Sparte inzwischen Marktführer in Europa.
Doch auf den zweiten Blick sei der Spardruck eben so enorm, dass der Konzern fast überall nach Kosteneinsparungen suche, so Wisbert. Und auch in Zwickau wurden schon in der Vergangenheit Stellen abgebaut; statt in drei Schichten wird nur noch in zwei gearbeitet. Aktuell wird hier ein Audi-Modell, der Cupra Born und der ID.3 gebaut - allerdings soll der ID.3 ab 2027 auch in Wolfsburg produziert werden.
Der Autobauer Volkswagen hat 2025 deutlich weniger verdient. Der Betriebsgewinn sank auf rund sieben Milliarden Euro. Gründe sind unter anderem US-Zölle und schwache Geschäfte bei Porsche.
10.03.2026 | 1:55 minZulieferer aus der Region warnen vor Stellenabbau
Eine Werksschließung würde nicht nur die rund 8.000 Beschäftigten im Werk treffen, sondern eine ganze Region, die stark auf den Automobilbau ausgerichtet ist. So spricht das Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) von rund 20.000 Stellen, die bei einer Werksschließung bedroht wären.
Auch deshalb kursieren schon länger Ideen, wie man den Standort retten könnte. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sprach sich für Kooperationen mit chinesischen Herstellern aus, die in Zwickau für den europäischen Markt produzieren könnten. Laut dem "Handelsblatt" prüft Volkswagen zudem, eigene Modelle - die eigentlich nur für China entwickelt wurden - nun auch in Europa herzustellen, etwa in Zwickau.
Im Zuge der Autokrise kämpfen viele Zulieferer um ihre Zukunft. Einige versuchen deshalb sich neu zu erfinden. Ein Beispiel dazu aus Baden-Württemberg.
20.11.2025 | 1:47 minZwickau leidet unter den Nachrichten
"Das Schlimmste ist, dass jeden Tag neue Meldungen kommen", sagt Miriam Günl aus Zwickau, ihre Familie führt seit 36 Jahren in der Stadt ein Sportgeschäft. Sie spürt die schlechte Stimmung an ihren Absatzzahlen: Kommt eine neue Hiobsbotschaft von Volkswagen, sparen die Zwickauer. Und schon jetzt würden sich viele Menschen aus der Autobranche bei ihr im Geschäft bewerben.
Günl fährt selbst einen Audi, der im Zwickauer Werk gebaut wurde, ist "stolz darauf, dass wir hier eine Autostadt sind." Ein Aus für den Traditionsstandort, sagt sie, wäre "katastrophal" für die Region.
Alban Löffler berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen.
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