Angespannte Lage beim Autobauer:Bericht: VW will wohl deutlich mehr Stellen abbauen
VW steht laut einem Bericht vor einem größeren Stellenabbau als bisher bekannt. Der Konzern kommentiert das bislang nicht, betont aber, man müsse sich schlanker aufstellen.
Laut Medienberichten will der Volkswagen-Konzern deutlich mehr Stellen abbauen als bisher geplant. ZDF-Korrespondent Peter Kunz ordnet das bisherige Vorgehen des Unternehmens ein.
26.06.2026 | 1:43 minEuropas größter Autobauer Volkswagen steht einem Medienbericht zufolge vor einem weiteren massiven Stellenabbau. In den nächsten Jahren sollen demnach im Konzern weltweit bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen, berichtete das "Manager Magazin" am Freitag unter Berufung auf Insider. Das läge, sofern zutreffend, deutlich über den bislang kommunizierten rund 50.000 Stellen (konzernweit, überwiegend in Deutschland) bis 2030.
Wie genau sich die Zahl zusammensetze, ist laut dem Bericht noch nicht klar. VW-Chef Oliver Blume habe seine Pläne für das Sanierungskonzept dem Vorstand vorgestellt. Ein zweiter Insider sagte dem Magazin, in dem zentralen Papier stehe bewusst keine eindeutige Zahl.
Die möglicherweise geplante Schließung von vier VW-Werken und der Wegfall von bis zu 100.000 Stellen kommt für Branchen-Insider "nicht wirklich überraschend", so ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann.
26.06.2026 | 1:10 minVW will Unternehmen schlanker aufstellen
Ein VW-Sprecher erklärte dazu, sein Unternehmen kommentiere interne, vertrauliche Unterlagen nicht. Die zugrunde liegenden Sachverhalte würden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess solle nicht vorgegriffen werden. Das Statement liegt ZDFheute vor.
Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen.
Sprecher von Volkswagen
Der gesamte VW-Konzern einschließlich der Marken und Gesellschaften müsse sich tiefgreifend verändern. Der Konzernvorstand habe dazu in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet.
Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.
Sprecher von Volkswagen
Auf der VW-Hauptversammlung machen die Aktionäre Druck. Die Rahmenbedingungen sollen nun weiter verschärft werden. In Wolfsburg sehe alles nach Transformation aus, so Sina Mainitz.
18.06.2026 | 1:28 minScharfe Kritik von IG-Metall und VW-Betriebsrat
IG Metall und VW-Betriebsrat üben scharfe Kritik an den möglichen verschärften Sparplänen. "Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. "Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht", heißt es in der Mitteilung.
Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen.
Mitteilung von IG-Metall und VW-Betriebsrat
Auch der SPD-Politiker Adis Ahmetovic übt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters deutliche Kritik: "Sollte die jüngste Meldung stimmen, wäre sie ein Frontalangriff und eine deutliche Kampfansage."
Das Volkswagen-Management scheint sich inzwischen vor allem mit Ankündigungen zum Stellenabbau profilieren zu wollen.
Adis Ahmetovic, Chef der SPD Hannover
So werde aber kein Aufbruch gelingen, sondern so vertiefe man die Krise. "Den Aufschwung, den wir brauchen, erreicht man nicht durch Kahlschlag, sondern durch Innovation, Qualität und Zukunftsorientierung." Er werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz streiten und für jedes Werk kämpfen.
Das wird für das Management unbequem werden.
Adis Ahmetovic, Chef der SPD Hannover
Der VW-Konzern kämpft mit sinkender Auslastung. Zudem sollen weniger Autos produziert werden.
18.06.2026 | 2:15 minPersonalabbau: Bundesregierung äußert sich nicht
Die Bundesregierung will die Medienberichte nicht kommentieren. Man wolle zu konkreten Berichten keine Stellung nehmen, sagten der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille und der Sprecher des Wirtschaftsministeriums. "Wir versuchen, jede Schließung von Standorten in Deutschland natürlich zu verhindern", fügte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums hinzu.
Am Ende sind das doch aber Entscheidungen der Unternehmen, die sie betriebswirtschaftlich treffen müssen.
Sprecher des Wirtschaftsministeriums
Aufsichtsrat soll Pläne am 9. Juli besprechen
Der Aufsichtsrat soll am 9. Juli über das Thema beraten. Offen ist, wie die Pläne des Vorstands dort insbesondere bei den Arbeitnehmervertretern sowie beim Land Niedersachsen ankommen.
Dem Bericht zufolge könnten mittelfristig vier Werke geschlossen werden. Dabei gehe es um die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm. Mit dem Auslauf der dort aktuell gefertigten Modelle würde die Produktion dem Plan zufolge gestoppt werden, hieß es.
VW-Chef Oliver Blume hat auf der Hauptversammlung des Konzerns seinen Sparkurs verteidigt. "Die Unzufriedenheit bei den Aktionären ist massiv", so ZDF-Reporter Peter Kunz.
18.06.2026 | 1:45 minZudem solle der Wolfsburger Autobauer völlig neu sortiert werden, heißt es in dem Bericht weiter. So sollten sowohl die Kernmarke Volkswagen als auch die Komponententochter aus dem Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften eingebracht werden. In der Logik könnten auch einzelne abgespaltene Marken einfacher am Kapitalmarkt platziert werden.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Experte: "Größenordnung ist nicht unrealistisch"
Der mögliche Abbau von bis zu 100.000 Stellen sei "sicherlich erstmal eine Drohkulisse", ordnet Automobilexperte Stefan Bratzel im heute journal update ein. "Aber die Größenordnung ist nicht unrealistisch."
Es ist seit langem klar, dass man erhebliche Überkapazitäten hat. Und der deutsche Markt ist der kritischste Markt.
Stefan Bratzel, Automobilexperte
Es handle sich um einen Produktionsstandort mit hohen Kosten. "Also dass man hier auch bei Werken reduzieren muss, ist eigentlich ausgemacht", so Bratzel. Ob es allerdings vier Standorte treffe, sei fraglich.
Der Konzern müsse seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen. Wenn man mit Blick auf die Kosten nicht auf Augenhöhe mit chinesischen Autobauern komme, "dann droht tatsächlich Volkswagen ein Stück weit auseinanderzufallen."
Wenn man nicht kostenmäßig auf Augenhöhe mit den Chinesen komme, drohe VW ein Stück weit auseinander zu fallen, so Auto-Experte Stefan Bratzel.
26.06.2026 | 4:09 min"Die Automobilindustrie ist und bleibt in einer Krise", erklärte auch der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Er sieht aber auch einen Hoffnungsschimmer:
Insgesamt kann der Ausbau der Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie auf Dauer wahrscheinlich etwa die Hälfte der Verluste an Arbeitsplätzen und heimischer Wertschöpfung ausgleichen.
Holger Schmieding, Chefvolkswirt
Mehr zur Lage bei Volkswagen
Im ersten Quartal :Volkswagen: Gewinn bricht um 28 Prozent ein
mit Video0:27- Analyse
Automesse in Peking:Schicksalsjahr für deutsche Autobauer in China
Elisabeth Schmidt, Pekingmit Video2:36Nach Medienbericht:Acht VW-Werke vor dem Aus? Zweifel an McKinsey-Szenario
von Leon Müllermit Video1:55