Automesse in Peking: Deutsche Autobauer gehen "all in"

Automesse in Peking:Schicksalsjahr für deutsche Autobauer in China

Elisabeth Schmidt | ZDF-Korrespondentin in Peking

von Elisabeth Schmidt, Peking

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In diesem Jahr gehen die deutschen Fahrzeugbauer auf der Automesse in Peking "all in". Volkswagen startet die größte E-Auto-Offensive seiner Geschichte. Kann dieser Plan aufgehen?

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Die größte Automesse der Welt ist in diesem Jahr noch größer: Auf 380.000 Quadratmetern, das entspricht etwa 53 Fußballfeldern, werden in Peking dieses Jahr 1.451 Fahrzeuge zu sehen sein, 181 Premieren und 71 Konzeptautos.

Deutsche Modelle - nur für China

Analog zur Messe werden auch die Fahrzeuge immer größer: Fast jeder Hersteller, egal, ob chinesisch oder ausländisch, präsentiert diesmal einen SUV: VW unter anderem seinen neuen ID.ERA 9X mit einer Reichweite von bis zu 1.000 Kilometer durch Range-Extender. Auch die E-Autos ID.AURA T6, ID.UNYX 08 und 09 sind am Start, sowie der E-SUV Jetta X - zu haben ab umgerechnet 10.000 Euro.

Alles Modelle, die es so auf dem deutschen Markt nicht geben wird. Sie sind allein "in China für China" hergestellt. Volkswagen kündigt an, im restlichen Jahr hier alle zwei Wochen ein neues E-Auto auf den Markt zu bringen.

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Preiskrieg in China

In China versuchen sich die Hersteller nach wie vor, mit möglichst günstigen Preisen zu unterbieten. Die Modell- und Entwicklungszyklen sind deutlich kürzer. Zur schwierigen Ausgangslage in China kommt hinzu, dass sich viele Autokäufer seit der Corona-Pandemie und Immobilienkrise mit größeren Anschaffungen zurückhalten.

Die Folge: Vor allem bei etablierten Herstellern gingen die Verkaufszahlen 2025 empfindlich zurück. Chinesische Firmen wie Geely oder Xiaomi konnten dagegen Boden gut machen. Gewinne erzielen allerdings, bis auf wenige Ausnahmen, die meisten Autobauer mit E-Autos noch nicht.

  • Volkswagen -8%
  • BMW -12,5%
  • Mercedes -19%
  • BYD -8%
  • Geely +47,8%
  • Xiaomi +200%

Quelle: CAAM, Autohersteller


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Chinas Staatsführung will dem Preiskrieg gegensteuern und hat zum Jahresbeginn Kaufprämien reduziert, vor allem für Fahrzeuge im Niedrigpreissektor. Trotz dieser denkbar schlechten Vorzeichen ist China für die deutschen Autobauer nach wie vor ein wichtiger Absatzmarkt.

"Wir brauchen sicherlich eine Modelloffensive aus Europa, aus Deutschland herein auf den chinesischen Markt", sagt Andreas Herrmann vom Institut für Mobilität an der Universität St. Gallen. Denn Innovationen kämen heute vor allem aus China.

Die Lade- und Batterie-Technologie wird höchstwahrscheinlich ein Wettstreit zwischen den beiden Marktführern BYD und CATL werden. BYD hat bereits seine Blade-Batterie der zweiten Generation und eine Schnellladefunktion mit einer Ladezeit von unter 10 Minuten angekündigt. CATL hat auf seinem "Battery Day 2026" gezeigt, dass Laden und Tanken bald wirklich gleichwertig sind. Die neue Shenxing-3-Batterie (LFP) schafft es von 10 auf 80 Prozent in 3 Minuten und 44 Sekunden. Ein Viertel der Kapazität ist in 60 Sekunden geladen. Der Akku lädt selbst bei minus 30 Grad noch von 20 auf 98 Prozent in weniger als 9 Minuten.


Neue Abhängigkeit von China

Während Volkswagen in seinen neuen Modelle in Deutschland wieder physische Knöpfe zur Bedienung einbaut, sehen seine auf der Automesse in Peking präsentierten Fahrzeuge kaum noch wie deutsche Autos aus: smart vernetzt, große Displays, sogar auf der Beifahrerseite, Sprachassistenz-Systeme mit chinesischen Apps.

Bei Software und autonomem Fahren arbeitet Volkswagen mit chinesischen Firmen wie Xpeng und Horizon Robotics zusammen. Im VW-Werk im chinesischen Hefei trifft Volkswagen mittlerweile Entscheidungen, ohne auf das "Go" aus Wolfsburg warten zu müssen. Dadurch sei der Konzern in China 30 Prozent schneller und 40 Prozent günstiger, verglichen mit den normalen Entwicklungsprozessen, sagt VW.

Mitarbeiter montieren Elektro-Bullis ID Buzz im Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Der Autobauer Volkswagen hat 2025 deutlich weniger verdient. Der Betriebsgewinn sank auf rund sieben Milliarden Euro. Gründe sind unter anderem US-Zölle und schwache Geschäfte bei Porsche.

10.03.2026 | 1:55 min

Arbeitskräfteverlagerung nach China

Die deutschen Hersteller gehen immer mehr dazu über, Modelle rein für den chinesischen Markt direkt in China zu entwickeln, zu bauen und teilweise auch mit chinesischen Zulieferern zusammenzuarbeiten.

Das führt natürlich zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen von Deutschland nach China.

Prof. Andreas Herrmann, Institut für Mobilität Universität St. Gallen

Ende 2024 verständigte sich Volkswagen mit seinem Betriebsrat auf den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Bis 2030 sollen im gesamten Konzern 50.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Dr. Oliver BLUME, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, CEO,

Volkswagen bekommt die Folgen hoher US-Zölle, den kostspieligen Umbau des Konzerns und die Probleme bei Porsche deutlich zu spüren. Der Gewinn brach im vergangenen Jahr ein.

10.03.2026 | 2:50 min

Konzernchef Oliver Blume sagte, bereits in den vergangenen drei Jahren seien Fahrzeugkapazitäten von zwölf auf neun Millionen reduziert worden: "Die ersten Schritte waren, dass wir um über eine Million Fahrzeuge in China unsere Kapazitäten angepasst haben. In Deutschland, insbesondere bei Volkswagen und Audi, um eine weitere Million."

Wir werden in China weitermachen, die Kapazitäten anzupassen. [VW-China-Vorstand] Ralf Brandstätter hat gerade angekündigt, dass es jetzt um weitere 500.000 Einheiten geht. Demzufolge bleiben rund 500.000 Einheiten, die wir in Deutschland und Europa anzupassen haben.

Oliver Blume, Volkswagen Konzernchef

Iran-Krieg könnte E-Auto-Geschäft befeuern

Nicht zuletzt, weil die Nachfrage im eigenen Markt schwächelt, haben chinesische Autobauer 2025 so viele E-Autos wie noch nie ins Ausland exportiert, vor allem nach Lateinamerika, Russland und Afrika. In Europa stieg der Anteil chinesischer E-Autos - vor allem auch wegen EU-Einfuhrzöllen - vergleichsweise moderat auf zehn Prozent.

E-Auto wird auf einem Parkplatz für Elektro-Fahrzeuge geladen.

Im März gab es im Vergleich zum Vorjahresmonat einen deutlichen Anstieg der Neuzulassungen von E-Autos. Auch wegen der Spritpreise ist ein E-Auto für viele attraktiver geworden.

07.04.2026 | 1:35 min

Allerdings könnte ausgerechnet der Iran-Krieg die Nachfrage nach E-Autos weltweit befeuern. Bleibt der Ölpreis weiter hoch, "dann wird es sicherlich zu einer Verlagerung der Nachfrage hin zu Elektromobilität führen - und zwar zu günstigen Elektrofahrzeugen", sagt Experte Andreas Herrmann: "Da haben natürlich die Chinesen einiges im Angebot."

Die "Auto China 2026" ist vom 24. April bis zum 3. Mai geöffnet.

Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking.

Über dieses Thema berichtete das mittagsmagazin am 24.04.2026 ab 13:00 Uhr.

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