China: Roboter läuft beim Halbmarathon neuen Weltrekord

Mensch gegen Maschine:China: Roboter läuft beim Halbmarathon neuen Weltrekord

Elisabeth Schmidt

von Elisabeth Schmidt, Peking

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Beim 2. Peking-Halbmarathon laufen die Roboter den Menschen diesmal locker davon. In China ist der Humanoiden-Hype auch ausgeklügelte Industriepolitik - es fehlen Fachkräfte.

Ein Roboter läuft beim Beijing E-Town Half Marathon und Humanoid Robot Half-Marathon.

Bei einem Halbmarathon im chinesischen Peking sind zum zweiten Mal Menschen gegen Roboter angetreten. Dabei erreichten die humanoiden Roboter deutlich schneller das Ziel.

19.04.2026 | 0:27 min

Was war das nicht für ein Gestolpere im vergangenen Jahr beim ersten Halbmarathon in Peking, bei dem Menschen gegen humanoide, also menschenähnliche Roboter antraten. Einige Roboter schafften es damals nur wenige Meter über die Startlinie, andere krachten in die Bande, nur einige der damals 21 Teams gelang der Weg ins Ziel. 2025 gewann den Pekinger Halbmarathon noch ein Mensch. Doch die Zeiten sind vorbei.

Humanoider Roboter schneller als bester Läufer

In einer Zeit von 50 Minuten und 26 Sekunden rannte ein roter Humanoide namens "Blitz" des chinesischen Smartphone-Herstellers "Honor" ins Ziel. Damit unterbot er den bislang schnellsten Menschen, Jacob Kiplimo aus Uganda. Dieser benötigte im März für die 21 Kilometer lange Strecke 57 Minuten und 20 Sekunden.

Der Gewinner-Roboter vom vergangenen Jahr noch zwei Stunden und 40 Minuten. Um Zusammenstöße zu vermeiden, traten die 105 Maschinen und die 12.000 menschlichen Läuferinnen und Läufer auf voneinander getrennten Bahnen an. Die meisten Roboter wurden mit einer Fernbedienung gesteuert.

Laut Veranstalter, der Pekinger Lokalregierung, navigierten aber knapp 40 Prozent der Humanoiden autonom durch den Parcours.

Zwei Wildschweine vor einem Haus

Der humanoide Roboter "Edward Warchocki" vertreibt nachts in Warschau Wildschweine. "Edward" ist auch auf Instagram bekannt – dort hat er über 140.000 Follower.

14.04.2026 | 0:33 min

Ein Team aus Deutschland mit dabei

Vier ausländische Teams gingen an den Start, unter ihnen eine Forschergruppe der Technischen Universität München. Sie steuerten einen chinesischen Humanoiden namens "Tien Kung Ultra 2" - der Hersteller des Vorjahressiegers - verwendeten aber Software aus Deutschland.

Ziel ist es, die Roboter da einzusetzen, wo jetzt gerade Menschen tätig sind.

Simon Armleder, Technische Universität München

Der Doktorand führt weiter aus, Menschen durch Roboter bei Bedarf relativ schnell austauschen zu können, sei das große Verkaufsargument für humanoide Roboter. Es gehe darum, Humanoide immer weiter in die Lebenswirklichkeit zu integrieren.

Niedersachsen, Leer: Celia Nieto Agraz, Ingenieurin am OFFIS Institut für Informatik in Oldenburg, und Dr. Björn Holtze, Neuropsychologe am OFFIS Institut für Informatik in Oldenburg, stehen neben dem humanoiden Roboter "Ameca" im Alten- und Pflegeheim Haus Friede.

In Niedersachsen bekommt ein Pflegeheim kurzzeitig Unterstützung vom Roboter "Ameca". Forschende wollen testen, ob Gespräche mit dem Roboter dabei helfen können, Einsamkeit zu lindern.

20.01.2026 | 1:14 min

China setzt auf Robotik als Zukunftsstrategie

China ist stolz auf seinen technologischen Fortschritt. Der Halbmarathon in Peking soll die Erfolgsbilder des Tages in die Welt senden - vor allem an die Adresse der USA, das zweite Land, das konsequent in humanoide Roboter investiert - abgesehen von der Volksrepublik.

Im März verabschiedete die kommunistische Staatsführung in Peking ihren neuen Fünf-Jahresplan. Darin werden Künstliche Intelligenz und Robotik als Zukunftssektor gelistet. Die Staatsführung gibt in dem Zuge auch Forschungsgelder für Universitäten und Subventionen für Roboter-Firmen aus.

Unternehmen für Humanoide schießen in China wie Pilze aus dem Boden, genauso wie Datencenter, in denen Menschen stundenlang bügeln oder Gemüse schnippeln, dies auf Video aufzeichnen, um so die Roboter-KI zu trainieren.

Das Bild ist auf der Global Industrial Conference in Shenyang enstanden. Darauf zu sehen ist ein kleiner Junge, der einen Roboter erstaunt ansieht. Der erwachsene Mann neben ihm gibt dem Roboter die Hand.

Ein KI-Verkehrsmanagement-Roboter ist in Ostchina in die Testphase gestartet. Die Roboter besitzen hochauflösende Kameras und Sensoren und erfassen Verkehrsverstöße sowie Fahrzeuge in Echtzeit.

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Humanoide sollen in China nicht nur stärker in der industriellen Fertigung eingesetzt werden, sondern auch verstärkt im Haushalt zum Einsatz kommen.

"Wir haben in China bereits über 150 Unternehmen im Bereich der humanoiden Robotik und das ist ähnlich zu dem, was wir in der Elektromobilität gesehen haben", erklärt Mladen Milicevic vom Paderborner Roboter-Vergleichsportal "Unchained Robotics".

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Innerhalb der Volksrepublik finde bereits ein harter Konkurrenzkampf statt. Chinas erste automatisierte Fertigungslinie für humanoide Roboter mit einer Jahreskapazität von 10.000 Einheiten ging Ende März in Foshan in der südchinesischen Provinz Guangdong an den Start - ein erster sichtbarer Schritt Richtung Massenproduktion. Die Entwicklung erinnert an die in China im Überfluss produzierten Solarpaneele oder E-Autos. Es ist gezielte Industriepolitik.

Wenn China loslegt, dann wirklich mit dem großen Ziel eine Marktdominanz aufzubauen.

Mladen Milicevic, Geschäftsführer "Unchained Robotics"

Er rechnet in den nächsten Jahren mit einer großen Flut an Industrie-Robotern und Humanoiden aus China. Bislang liegt der Anteil der von China ins Ausland exportierten Roboter lediglich bei drei Prozent. Preislich sind Modelle aus China bis zu 40 Prozent günstiger als europäische Roboter. "Deutschland muss sich warm anziehen. Wir müssen schauen, dass wir selbst ein Gegengewicht zu den humanoiden Robotern aus China und den USA aufbauen", so Milicevic.

Warum Humanoide?

Warum nicht nur Chinas Staatsführung, sondern auch immer mehr Unternehmen auf die menschenähnliche Form setzen, liegt einerseits daran, dass die KI, welche die Roboter steuert, durch Videos von Menschen trainiert werden kann.

Es gibt aber auch gesellschaftspolitische Gründe: Auch China kämpft mit sinkenden Geburten. Der "Werkbank der Welt" mit ihren vielen Fabriken mit handarbeitenden Menschen drohen Arbeiter wegzubrechen. Peking will das Problem auch durch Automation lösen. "Dieser Trend hin zum Service-Roboter, der etwa in der Pflege oder im Hotel unterwegs ist, hat den Arbeitskräftemangel zum Grund, der nicht nur in der Industrie stattfinden wird, sondern auch stark in der Pflege und anderen Bereichen", erläutert Milicevic.

Hauptproblem bei Humanoiden sei nach wie vor die Präzision: Ein Glas vorsichtig mit den Fingern aufnehmen oder Kochen, ohne etwas zu verschütten, und diese Ergebnisse verlässlich wiederholen.

Die gute Nachricht für Forschende in Deutschland: Bis es soweit ist, wird es noch Jahre dauern. Experten gehen von fünf bis zehn Jahren aus. Welches neue Ziel der Pekinger Halbmarathon im nächsten Jahr haben wird, ist dagegen unklar. Den Menschen haben die humanoiden Sprinter bereits deutlich abgehängt.

Elisabeth Schmidt ist Ostasienkorrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Peking: Roboter schneller als der Mensch" am 19.4.2026 ab 10:18 Uhr.   

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