Paralympics 2026: Andrea Eskau mit 54 noch Weltklasse

Stars der Paralympics:Wie Andrea Eskau mit 54 Jahren noch Weltklasse verkörpert

von Johannes Fischer

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Sie stand schon auf jedem Podium, aber die Leidenschaft brennt weiter. Andrea Eskau wird am 21. März 55 Jahre alt und bereitet sich auf ihre fünften Winter-Paralympics vor.

Monoskifahrerin Anna-Lena Forster und Snowboarderin Brenna Huckaby halten stolz ihre Gold- und Silber-Medaillen in die Kamera.

Doku "Paralympische Heldinnen": Monoskifahrerin Anna-Lena Forster und Snowboarderin Brenna Huckaby sind zwei der beeindruckendsten Athletinnen des paralympischen Wintersports und kämpfen aufopfernd für ihre Ziele.

22.02.2026 | 43:44 min

Am 21. März wird Andrea Eskau 55 Jahre alt - und sie steht vor ihren fünften Winter-Paralympics. In einem Alter, in dem viele Leistungssportler längst ihre Karriere bilanziert haben, gehört sie bei den Spielen in Mailand und Cortina vom 6. bis 15. März noch immer zur Weltspitze.

Achtmal Paralympics-Gold in Sommer und Winter

Eskaus Bilanz ist beeindruckend: Zehn Weltmeistertitel, achtfaches Paralympics-Gold, je vier im Sommer und im Winter. Seit rund 25 Jahren behauptet sie sich gegen immer jüngere Konkurrenz - im Handbike, im Para-Skilanglauf, im Biathlon.

Wie lange kann man Weltklasse bleiben? Und was unterscheidet jene, die nur kurz brillieren, von denen, die über Jahrzehnte bestehen?

Wenn Fortschritt langsamer wird

"Es passiert nicht von allein", sagt Eskau. Am Anfang einer Karriere gehe vieles schnell. Neue Trainingsreize, spürbare Fortschritte, Medaillen in Serie. Der Körper reagiere unmittelbar, Entwicklung scheint selbstverständlich. Doch irgendwann sei dieses natürliche Wachstum ausgeschöpft. Die großen Leistungssprünge schrumpfen zu Nuancen. Sekunden werden zu Hundertsteln. Wer dann weiter an der Spitze bleiben will, muss anders arbeiten.

Andrea Eskau bei der Einkleidung zu den Paralympics 2026.

Doppelt Weltklasse: Andrea Eskau, hier bei der Einkleidung zu den Paralympics, glänzt im Sommer und im Winter.

Quelle: dpa

"Es geht nicht mehr um große Schritte, sondern um Details", sagt Eskau.
Materialabstimmung, Regeneration, mentale Stabilität. Die Thüringerin hat gelernt, genau hinzuhören: Was braucht mein Körper? Wo sendet er Warnsignale? Früher konnte sie Belastungen einfach wegstecken. Heute weiß sie: Kluges Training schlägt hartes Training. Qualität schlägt Quantität.

Stillstand heißt Rückschritt

Der Sport, in dem Eskau 2002 ihren ersten Wettkampf bestritt, ist nicht mehr derselbe. Trainingsmethoden haben sich verändert. Handbikes sind leichter, aerodynamischer, effizienter. Der Wintersport ist hochgradig professionalisiert. Wer glaubt, von vergangenen Erfolgen leben zu können, wird überholt.

Eskau setzt deshalb auf Neugier. Sie schaut sich an, was jüngere Athletinnen anders machen. "Man kann von ihnen genauso lernen wie sie von einem selbst", sagt sie. Diese Offenheit hat sie durch eine außergewöhnliche Karriere getragen. Ist es schwieriger, nach oben zu kommen oder oben zu bleiben? Für Eskau ist die Antwort klar: "Definitiv oben zu bleiben."

Paralympischer Sport hat sich verändert

Als sie begann, war die Förderung gering. Ihre erste nennenswerte Unterstützung erhielt sie 2008, da war sie bereits mehrfach Weltmeisterin. Heute ist vieles professioneller organisiert, aber auch teurer. Material, Betreuung, Trainingslager - der Aufwand ist enorm.

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Zugleich ist die Konkurrenz dichter geworden. Wo früher mehr Miteinander herrschte, ist heute vieles strategischer. Der Sport ist schneller, strukturierter, kompromissloser. Wer hier bestehen will, braucht mehr als Talent. Er braucht Anpassungsfähigkeit - und innere Stabilität.

Gelassenheit als größte Stärke

Erfolg bedeutet für sie nicht zwangsläufig Platz eins. Erfolg heißt, ein Rennen so umzusetzen, wie sie es geplant hat. Sie hat Wettkämpfe gewonnen, mit denen sie unzufrieden war. Und Rennen verloren, die sich dennoch richtig anfühlten. Diese Reife schützt vor dem Verschleiß, der viele Karrieren verkürzt.

Junge Athletinnen und Athleten sollen brennen. Ich muss das nicht mehr.

Andrea Eskau

Eine Erkenntnis war dabei entscheidend: Der eigene Wert hängt nicht von einer Medaille ab. Familie und enge Freunde stehen hinter ihr - unabhängig vom Ergebnis. Diese Unabhängigkeit vom äußeren Applaus macht langfristige Leistung erst möglich.

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Weltklasse ist kein Zustand

Wie lange kann man Weltklasse bleiben? Vielleicht so lange, wie man bereit ist, sich neu zu erfinden. So lange, wie man akzeptiert, dass Fortschritt irgendwann in Millimetern gemessen wird. So lange, wie Neugier stärker bleibt als Selbstzufriedenheit.

Andrea Eskau zeigt mit fast 55 Jahren: Weltklasse ist kein kurzer Moment, sondern ein Prozess. Die größte Leistung ist dabei nicht die Goldmedaille - sondern die Fähigkeit, über Jahrzehnte an der Spitze zu bleiben.

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Quelle: Reuters

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Das ZDF berichtete über dieses Thema in seiner Doku "Paralympische Heldinnen" am 22.02.2026 um 10:00 Uhr. Über die Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina berichtet das ZDF vom 06.03.2026 bis zum 15.03.2026 täglich bei "sportstudio live".

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