Vorletzter Test vor WM-Auftakt:DFB vor Testspiel gegen Finnland: Wie weit ist diese Elf?
von Frank Hellmann, Herzogenaurach
Beim WM-Test gegen Finnland will Bundestrainer Julian Nagelsmann vor allem drei Kandidaten aus der zweiten Reihe testen. Ein Sieg in Mainz wäre auch nicht schlecht.
Der vorletzte Test steht an. Wie ist die Mannschaft drauf? Die Pressekonferenz des DFB mit Julian Nagelsmann und Jamal Musiala.
30.05.2026 | 20:07 minJulian Nagelsmann ist zur letzten Pressekonferenz im Trainingslager in Herzogenaurach in einem Shirt mit jener Optik erschienen, die wieder die Trikots der deutschen Nationalmannschaft prägt: Rautenmuster in Schwarz, Rot und Gold, vor allem vom Design des Weltmeister-Trikots 1990 inspiriert. Der Bundestrainer sehnt sich seit Tagen danach, dass für den Traum vom fünften WM-Titel endlich der Ball rollt.
Nach dem ersten Teil der verkürzten Vorbereitung soll nun das Testspiel gegen Finnland in Mainz (Sonntag 20.45 Uhr/live im ZDF) erste Fingerzeige liefern. Wie realistisch ist die von Nagelsmann bereits vor zwei Jahren nach der Heim-EM ausgerufene Jagd auf den Goldpokal?
Nagelsmann: "Wir haben nicht so viel Zeit"
In der ausverkauften Arena in Mainz wird das Publikum das Gerüst der Wunschformation fürs Mammutturnier in den USA, Kanada und Mexiko (11. Juni bis 19. Juli) begutachten können. "Wir haben nicht so viel Zeit. Wir werden viele von denen sehen, die auch im ersten WM-Spiel beginnen könnten", sagte Nagelsmann.
ZDFheute Infografik
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Doch gehört die Bühne am Mainzer Europakreisel auch drei Nachrückern, die für sich werben sollen: Stratege Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Dribbler Lennart Karl (FC Bayern) und Torjäger Deniz Undav (VfB Stuttgart) stehen in der Startelf, wie der Bundestrainer offenherzig am Samstag noch aus dem Trainingslager verriet.
Deniz Undav (links) und Lennart Karl dürfen sich gegen Finnland beweisen.
Quelle: WittersToreschießen wird auf zehn Schultern verteilt
Es mag ja feste Rollen für dieses XXL-Turnier geben, aber eines sei auch klar:
Der Konkurrenzkampf ist da.
Bundestrainer Julian Nagelsmann zur WM-Vorbereitung
Die durch den Ausfall von Serge Gnabry, der seine Kollegen übrigens in der fränkischen Wohlfühloase besucht hat, geschwächte Offensive braucht vielfältige Impulse. Man könne versuchen, auf einen klassischen Knipser zu setzen, der "uns bei einer WM sieben, acht, neun Tore garantiert", erklärte Nagelsmann, "oder wir verteilen das auf mehrere Schultern".
Vor dem Start der Fußball-WM 2026 sehen die deutschen Innenverteidiger noch Luft nach oben. Manuel Neuers Comeback bringt Stabilität.
29.05.2026 | 1:37 minLaut Nagelsmann befinden sich "zehn Spieler im Kader, die in der Lage sind, drei vier Tore bei einem Turnier zu schießen". Dazu gehört natürlich auch Kai Havertz, der wegen des Champions-League-Finales mit dem FC Arsenal erst vor dem Abflug nach Chicago (2. Juni) zum Team stößt.
Zweitrangig ist das Resultat nicht
Der im Training mit seiner Unbekümmertheit punktende Karl soll seine Anlagen genauso demonstrieren wie der von den Kollegen überschwänglich gelobte Nmecha, über den Kapitän Joshua Kimmich gesagt hatte:
Er ist einer der talentiertesten Burschen in Deutschland.
DFB-Kapitän Joshua Kimmich über Felix Nmecha
Und Kimmich weiter: "Bei ihm müssen wir gucken, dass er gesund bleibt, dann wird er uns extrem weiterhelfen."
Testspiele seien dafür da, "einen Rhythmus zu kriegen", beteuert Nagelsmann, dem es hauptsächlich um Inhalte geht. Völlig zweitrangig sei das Resultat indes nicht: "Ein Sieg steht nicht über allem - aber wir wollen natürlich gewinnen." Vor der Heim-EM 2024 glückte das gegen Griechenland (2:1) bei der Generalprobe in Dortmund erst in vorletzter Minute.
Nagelsmann setzt auf Teamchemie statt Taktikfinesse
Genau wie vor zwei Jahren betonen alle die Harmonie, die mit fröhlichen Bildern von einem gemeinsamen Grillabend mit den Familien belegt wurde. Und beim Training stünden "alle Jungs gut auf dem Gaspedal" (Nagelsmann). Gleichwohl will es der oberste Fußballlehrer auch "nicht übertreiben in der kurzen Zeit".
Das DFB-Team ist in die WM-Vorbereitung gestartet. Damit es beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada weit gehen kann, ist Teamarbeit angesagt.
28.05.2026 | 0:39 minJulian Nagelsmann sieht Manuel Neuer auf einem guten Weg zu einem baldigen Comeback im Nationaltrikot. Ob der Rekordtorwart aber beim letzten WM-Test am 6. Juni in Chicago gegen die USA sein 125. Länderspiel für die Fußball-Nationalmannschaft bestreiten kann, ließ der Bundestrainer weiter offen. "Heute war er schon schneller unterwegs im Laufen, sieht gut aus, gibt keine Probleme, also voll im Soll, es läuft alles." (dpa)
Es gehe um eine gute Mischung aus dem "jugendlichen Spielbetrieb, Spannung und ein bisschen Taktik". Seine Einsicht: "Wir werden taktisch nicht die Welt einreißen - dafür ist zu wenig Zeit."
Jamal Musiala feiert sein Comeback
Reichen soll es für Jamal Musiala, der nach 14 Monaten Pause erstmals wieder zum Einsatz kommt. "Ich freue mich richtig, war sehr lange nicht dabei", sagte der 23-Jährige. Vermisst habe er vor allem das "Zocken" mit seinem kongenialen Partner Florian Wirtz.
Dass ausgerechnet Wirtz am Freitagabend beim in DFB-Kreisen so beliebten Kartenspiel "UNO" verlor und "zur Strafe" bei Julian Nagelsmann "etwas sagen musste", wie Musiala verriet, soll natürlich kein schlechtes Omen sein.
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