Klub profitierte vom Investor:Was der Tod von Kühne für den HSV bedeutet
von Ralf Lorenzen
Mit Klaus Michael Kühne verliert der HSV den wichtigsten Geldgeber. Insgesamt 140 Millionen Euro steckte er in den Klub, wollte aber auch mehr mitreden, als ihm zugestanden wurde.
Über viele Jahrzehnte war Klaus-Michael Kühne einer der bekanntesten Unternehmer Deutschlands. Nun ist der gebürtige Hamburger und HSV-Mäzen im Alter von 89 Jahren gestorben.
24.08.2026 | 1:23 minIn Hamburg hatte man schon seit ein paar Monaten nichts mehr von Klaus Michael Kühne gehört. Die Nachricht von seinem Tod traf die Verantwortlichen des Hamburger SV überraschend.
Jetzt steht am Volkspark erst einmal die Trauer um einen Menschen im Vordergrund, der die HSV-Geschichte seit über fünfzehn Jahren maßgeblich geprägt hat. Die am Nachmittag verbreitete Erklärung des HSV beinhaltet den zentralen Satz: "'KMK' war für den HSV stets da, wenn dieser ihn brauchte". Zu ihrem DFB-Pokal-Spiel in Verl traten die HSV-Profis am Montagabend mit Trauerflor an.
"Schlechteste Investitionsentscheidung meines Lebens"
Aber spätestens morgen früh wird sich für die Verantwortlichen die Frage stellen: Wie geht es weiter ohne den Patriarchen, der zwar längst nicht mehr im operativen Geschäft seiner Holding tätig war, der aber über dessen Investment beim HSV immer noch Entscheidungsgewalt hatte - und diese nicht immer nach betriebswirtschaftlichen Kriterien traf.
Kevin Keegan ist tot. Der frühere englische Nationalspieler und langjährige Profi beim Hamburger SV ist im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit gestorben.
20.07.2026 | 27:28 min"Rein wirtschaftlich betrachtet ist der HSV die schlechteste Investitionsentscheidung meines Lebens", sagte er einmal. Der beste Beweis war der Erwerb der Namensrechte an der Arena für vier Millionen Euro im Jahr, ohne sie in "Kühne-Arena" oder ähnliches umzubenennen, sondern den traditionellen Namen Volksparkstadion beizubehalten.
HSV-Fan von Kindesbeinen an
Schon als Kind sei er HSV-Fan gewesen, heißt es. Sein Engagement war von dem Ehrgeiz getrieben, den Verein zu alter Größe zurückzuführen. Nicht umsonst lancierte er immer mal wieder den Namen Felix Magath, wenn es wieder mal darum ging, eine Führungsposition zu besetzen. Magath verkörperte für Kühne den großen HSV der 1970er und 1980er Jahre, an dessen Glanz er gern wieder angeknüpft hätte.
Er war der Shootingstar des HSV: Rafael van der Vaart erzielte bei 152 Bundesliga-Partien 45 Treffer. Sein Jubel immer emotional - besonders bei seinen schönsten Toren.
05.06.2023 | 4:32 minKein Zufall war es auch, dass er 2012 mit einem Darlehen die spektakuläre Rückkehr von Rafael van der Vaart zum HSV ermöglichte. Der Niederländer verkörperte gemeinsam mit seiner damaligen Frau Sylvie den Glamour, den Kühne auch beim Verein wiedersehen wollte.
Kühne Holding bleibt weiter größter externer Investor
Auch, wenn er sich seine Darlehen gut verzinsen oder zum Teil in Gesellschaftsanteile umwandeln ließ - seine finanziellen Entscheidungen waren nie rein rational. Oft verdammte er sie im Nachhinein, wie nach dem Abstieg, als er von einem "völlig missglückten Abenteuer" sprach. Dann setzte er sich aber doch wieder an den Verhandlungstisch und steigerte die Anteile seiner Holding an der HSV AG+Co KGaA zwischenzeitlich auf 21,4 Prozent. Inzwischen hat sie 7,5 Prozent der Anteile an die Sparda-Bank verkauft und hält noch 13,5 Prozent.
Der Hamburger SV hat die zweite Runde des DFB-Pokals erreicht. Gegen den Drittligisten SC Verl war der Sieg weitestgehend ungefährdet.
24.08.2026 | 6:25 minDamit bleibt sie nach dem HSV e.V. zweitgrößter Gesellschafter. Daran dürfte sich vorerst wenig ändern. Die Oberaufsicht über das auf rund 30 Milliarden Schweizer Franken geschätzte Vermögen soll laut Handelsblatt der Schweizer Anwalt Thomas Staehelin übernehmen. Unabhängig davon, wie die Rollen künftig verteilt werden, dürften finanzielle Entscheidungen rationaler ausfallen als zu Kühnes Zeiten. Das bedeutet für die HSV-Verantwortlichen, dass sie noch stärker daran arbeiten werden, die finanzielle Basis zu verbreitern und sich damit unabhängiger vom Geld der Kühne-Holding zu machen.
Holding wird weiter Einfluss nehmen
"Er schimpfte nach Niederlagen, drohte mit Liebes- und Geldentzug und ließ manchen Vorstand und sportlichen Verantwortlichen lesen und hören, was er von dem eingeschlagenen Weg mit viel zu langer Verweildauer in Liga zwei hielt", heißt es in der HSV-Erklärung auch. Ob zukünftig weniger Einmischung des Investors in die Personalpolitik zu erwarten ist, darf bezweifelt werden. Möglicherweise wird sie nur professioneller.
Es sei daran erinnert, dass Karl Gernandt, der heutige Präsident des Verwaltungsrats der Kühne Holding, 2014 zu den Hauptinitiatoren der Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft gehörte und anschließend erster Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Gesellschaft wurde.
Was Kühnes Tod für die sportliche Entwicklung des HSV bedeutet, ist völlig ungewiss. Klar ist, dass es dem HSV schon in den letzten Jahren guttat, weniger alten Träumen hinterherzuhängen, als sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.