Borussia Mönchengladbach: Die Gründe für den Abwärtsstrudel

Schafft der Traditionsklub die Wende?:Wie Gladbach in den Bundesliga-Abstiegskampf geraten ist

von Ralf Lorenzen

|

Noch vor wenigen Jahren spielte Borussia Mönchengladbach in der Königsklasse. Jetzt befindet sich der Klub in einem gefährlichen Abwärtsstrudel. Steht am Ende der dritte Abstieg?

Borussia Mönchengladbach - Bolzplatz

Aus der Königsklasse in wenigen Jahren ans Tabellenende: Die Borussia steckt in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Folgt jetzt der Abstieg oder gibt es Hoffnung am Niederrhein?

29.10.2026 | 15:24 min

Nach sechs Niederlagen in den ersten sechs Saisonspielen schöpft Borussia Mönchengladbach gerade wieder Hoffnung: Dem überraschenden Auswärtssieg beim VfB Stuttgart am vergangenen Spieltag in der Fußball-Bundesliga folgte ein Erfolg im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Karlsruher SC.

Die Frage bleibt trotzdem: Wie wurde aus einem Verein, der in der Saison 2020/21 noch im Achtelfinale der Champions League stand, innerhalb weniger Jahre ein Abstiegskandidat?

Torjubel sorgt für Provokation: Borussia Mönchengladbachs Wael Mohya in Richtung Stuttgarter Ersatzbank.

Sieben Spieltage hat es gedauert, bis Borussia Mönchengladbach das erste Mal jubeln durfte. Gegen Stuttgart war Wael Mohya der überragende Mann.

26.10.2026 | 11:11 min

Aus der Champions League in den Tabellenkeller

Der tiefe Fall wird besonders deutlich, wenn man sich den Kader aus der letzten Königsklassen-Saison der Borussia ansieht. "Wir hatten eine wahnsinnige Breite in der Mannschaft", erinnert sich der ZDF-Experte und damalige Gladbach-Profi Christoph Kramer in der ZDFsportstudio-Sendung Bolzplatz.

Zu dieser Breite gehörten Nationalspieler, gestandene Bundesligaprofis und große Talente. Namen wie Marcus Thuram, Ramy Bensebaini, Breel Embolo, Matthias Ginter, Lars Stindl, Nico Elvedi und Yann Sommer lassen die Herzen der Fohlen-Fans noch heute höherschlagen.

Eberl und Rose hinterlassen große Lücken

Die Stimmung begann zu kippen, als der damalige Trainer Marco Rose im Februar 2021 erklärte, am Ende der Saison zu Borussia Dortmund zu wechseln. Der erneute Einzug in einen europäischen Wettbewerb wurde verpasst. Anfang 2022 folgte dann der Rücktritt von Sportdirektor Max Eberl.

Mit Max Eberl ist gefühlt der Erfolg gegangen.

Marlon Irlbacher, Gladbach-Reporter bei Sky

Der langjährige Sportchef bei der Borussia hatte überraschend angekündigt, eine Auszeit zu benötigen. Eberl habe in der Branche über viele Jahre ein hohes Ansehen genossen, blickt Sky-Reporter und Gladbach-Experte Marlon Irlbacher zurück. "Das ist damit gegangen, dieses Gefühl, dieser Glanz."

Parallelen zu anderen Traditionsklubs

Zudem setzte in der Folge ein Mechanismus ein, der auch schon andere Traditionsklubs schwer getroffen hat. Auch Vereine wie der HSV oder Schalke ordneten zeitweise alles dem Ziel unter, möglichst schnell wieder in einem europäischen Wettbewerb zu spielen.

Bleibt der Erfolg dann aus, "kommst du in diese Spirale, dass du immer wieder einen neuen Impuls setzen musst", sagt der Fan-Blogger Jan David Busch im Bolzplatz. Die Folge: immer neue Trainer, immer neue Spielideen.

Shio Fukuda (Karlsruher SC, 13) im Zweikampf.

Trotz langer Unterzahl setzt sich Borussia Mönchengladbach gegen den Karlsruher SC durch. Je ein schneller Treffer pro Halbzeit verhilft den Fohlen zum Erfolg über den KSC.

27.10.2026 | 6:05 min

Ständige Trainerwechsel bei der Borussia

Nach Roses Abgang folgten immer neue Trainer: Adi Hütter, noch von Eberl geholt, dann unter dessen Nachfolgern Daniel Farke, Gerardo Seoane und Eugen Polanski bis zum aktuellen Coach Alexander Blessin, der wie zuvor Polanski schon nach wenigen Spieltagen der Saison geholt wurde.

Vor allem Virkus' Amtszeit wird im Rückblick kritisch gesehen. Zuvor war er für den Jugendbereich der Borussia zuständig. Man habe Virkus' Überforderung gemerkt, findet Busch.

Kölns Flügelspieler Said El Mala jubelt nach seinem Treffer zum 2:1 im Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach

Zwei sehenswerte Tore bescheren dem 1. FC Köln den Sieg gegen den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach. Der Tabellenletzte bleibt auch mit neuem Trainer weiter punktlos.

12.10.2026 | 9:03 min

Viel zu geringe Transfererlöse für Gladbach

Bei einer genaueren Analyse der Gründe für die Abwärtsspirale bleibt aber auch Eberl nicht komplett ohne Verantwortung. Auch der frühere Sportchef hatte zuletzt voll auf die Karte Champions League gesetzt und wertvolle Spieler wie Denis Zakaria oder Thuram nicht rechtzeitig verkauft.

Ein Versäumnis und ein Fehler, den Virkus fortsetzte. "Du hast, glaube ich, Marktwerte von 150 Millionen Euro ablösefrei gehen lassen", sagt Kramer. Und das dürfe sich kein Verein der Welt erlauben.

Wirtschaftliche Lage in Mönchengladbach spitzt sich zu

Die ungute Kombination aus damals noch sehr hohen Personalkosten, ausbleibendem sportlichen Erfolg und fehlenden Transfererlösen verschärfte die wirtschaftliche Lage der Borussia immer mehr.

In der vergangenen Spielzeit war der Klub längst in einer Situation, in der "du so ein 20-Millionen-Angebot für Rocco Reitz einfach nicht ablehnen kannst", erklärt ZDF-Reporterin Franziska Müllers. Gleichzeitig musste Schröder bei Neuverpflichtungen auf günstige Spieler aus der zweiten Liga oder dem Ausland zurückgreifen.

Alexander Blessin, Rouven Schröder

Gladbachs Trainer Alexander Blessin und Sportchef Rouven Schröder.

Quelle: imago

Trainer Blessin und Talent Mohya als Hoffnungsträger

Youtuber Busch ist trotzdem optimistisch, dass Trainer Blessin den Kader, den er nicht selbst zusammengestellt hat und in dem viele Spieler verletzt sind, auf Kurs bringen kann. "Ich finde, er hat eine sehr klare Ansprache, er kommuniziert sehr, sehr gut, er hat eine klare Spielidee, und man sieht auch, dass er die Mannschaft relativ schnell voranbringen kann."

Und dann gibt es ja noch einen 17-jährigen Hoffnungsträger namens Wael Mohya, der zuletzt die Stuttgarter mit einer Vorlage und einem Tor durcheinandergewirbelt hat. Aktuell arbeitet die Borussia Berichten zufolge an einer Vertragsverlängerung mit dem Eigengewächs.

Geht man nach den Worten von Schröder am vergangenen Wochenende, hat man aus den Fehlern der Vergangenheit offensichtlich gelernt:

Das kannst du nicht aufhalten, dass du Transferüberschüsse erzielen musst.

Rouven Schröder, Gladbach-Sportchef bei Sport1

TV-Kameramann beim Fußballspiel

ZDFsportstudio Update:Dein ZDFsportstudio Newsletter

Alle Highlights aus Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal und die wichtigsten Nachrichten aus dem Sport.
Mit dem Abonnieren-Button akzeptieren Sie unsere Nutzungsbedingungen.
Über dieses Thema berichtete ZDFsportstudio am 29.10.2026 ab 17:00 Uhr in dem Beitrag: "Bolzplatz: So gefährlich ist Gladbachs Abwärtstrend".

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren
Thema

DFB-Pokal - Highlights

Bundesliga-Highlights

2. Liga - Highlights

Mehr Fußball

Alle Bolzplatz-Folgen