Kredit ohne Schufa:Pfandleihe: Kosten, Ablauf und Risiken
von Thilo Hopert
Hohe Preise und knappe Budgets führen viele Menschen zur sogenannten Pfandleihe. Wie Pfandkredite funktionieren, was sie kosten und welche Risiken es gibt, erklären zwei Experten.
Die Städtische Pfandleihe Stuttgart versteigert seit fast 150 Jahren Gegenstände wie Uhren, Schmuck und Taschen, die nicht abgeholt wurden. Besucher können hier echte Schnäppchen ersteigern.
06.03.2026 | 5:34 minSteigende Lebenshaltungskosten bringen viele Menschen finanziell unter Druck. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten greifen Verbraucher daher häufiger zu Pfandkrediten. Das Geschäft habe in den vergangenen zwei Jahren um 20 bis 30 Prozent zugenommen, sagt Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes. Doch wie genau funktioniert ein Pfandkredit?
So funktioniert die Pfandleihe
Bei der Pfandleihe wird ein Gegenstand in einem Pfandhaus hinterlegt. Dafür bekommt der Besitzer einen Geldbetrag ausgezahlt. "Dieser orientiert sich am zu erwartenden Erlös, der bei einer etwaig notwendig werdenden Versteigerung des Gegenstandes erzielt werden könnte, und wird vom Pfandleiher nach Prüfung dem Kunden als Darlehensangebot unterbreitet", so Schedl.
Verpfändet werden können etwa Elektrogeräte wie Fernseher oder Spielekonsolen, Uhren, Kameras und sogar Autos. Das meistbeliehene Objekt sei Schmuck. "Grundsätzlich ist jede bewegliche Sache, die werthaltig ist, beleihbar", erklärt der Experte. Was angenommen wird, entscheidet jedes Pfandhaus jedoch individuell.
"Buy now, pay later": Viele Käufer verlieren den Überblick über offene Rechnungen. Was mit Raten beginnt, kann sich schnell summieren - und im schlimmsten Fall in die Schuldenfalle führen.
05.02.2026 | 0:43 minBonität spielt bei Pfandkredit keine Rolle
Im Gegensatz zu einem klassischen Bankkredit spiele bei einem Pfandkredit die persönliche Bonität keine Rolle, so Schedl. "Es haftet ausschließlich das Pfand und nicht der Kunde persönlich. Der Kunde hat daher persönlich nichts zu befürchten, auch wenn er den Pfandkredit nicht zurückbezahlt."
Wer einen Gegenstand verpfändet, hat drei Monate Zeit, diesen wieder auszulösen. Zusätzlich gibt es einen Karenzmonat.
Wird ein Pfand nicht ausgelöst, muss es in eine öffentliche Versteigerung gehen.
Wolfgang Schedl, Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes
Das ist durch die Pfandleiherverordnung geregelt, die den gesetzlichen Rahmen bildet.
Wer seinen Pfand-Gegenstand nicht mehr auslösen kann, sollte sich über die Versteigerung informieren. Denn diese könnte einen Mehrerlös bringen. Ein Mehrerlös entsteht dann, wenn er die Ansprüche des Pfandleihers auf Darlehen, Zinsen und Gebühren sowie die anteiligen Versteigerungskosten übersteigt. Der Pfandgeber hat dann drei Jahre Zeit, den Mehrerlös nach Vorlage des Pfandscheins beim Pfandleiher abzuholen. Tut er oder sie das nicht, muss der Pfandleiher das Geld an den Staat abführen. Behalten darf er es nicht.
Die Zahl von überschuldeten Menschen in Deutschland ist 2025 auf über 5,67 Millionen gestiegen. Das ist ein Anstieg von zwei Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der heute vorgestellte Schuldneratlas Deutschland.
14.11.2025 | 1:37 minKosten, Gebühren und Zinsen für Pfandleihe
Während der Laufzeit fallen Zinsen und Gebühren an. "Die Zinsen liegen bei einem Prozent des Kreditbetrags pro Monat", erklärt Kerstin Föller, Abteilungsleiterin Insolvenz, Kredit und Konto bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Dieser Betrag ist in der Pfandleihverordnung festgeschrieben. Für einen Pfandkredit von 300 Euro werden also monatlich etwa drei Euro Zinsen fällig. Hinzu kommen Gebühren, die ein Pfandhaus für Versicherung und Lagerung des Gegenstandes erhebt.
Diese Gebühren richten sich bis zu einem Betrag von 300 Euro ebenfalls nach der Verordnung und sind gestaffelt.
Kerstin Föller, Verbraucherzentrale Hamburg
Für einen Kredit von 300 Euro werde beispielsweise eine Gebühr von 6,50 Euro fällig. "Für höhere Summen können Sie die Gebühren frei vereinbaren." Wer einen Gegenstand auslösen will, zahlt den Kreditbetrag plus die bis zur Auslösung angefallenen Zinsen und Gebühren.
Wer die eigenen Finanzen nicht im Blick hat, kann sich verschulden. Umso wichtiger zu wissen: Wie erkennt man Schuldenfallen?
08.10.2024 | 11:08 minLaufzeit kann verlängert werden
Schafft man es nicht, ein Pfand innerhalb der Mindestlaufzeit auszulösen, könne diese verlängert werden, sagt Wolfgang Schedl. Allerdings: Pfandleiher seien dazu nicht verpflichtet. Gibt es die Möglichkeit, müssen die bis dahin angefallenen Zinsen und Gebühren bezahlt werden, dann wird die Laufzeit verlängert. Das kann grundsätzlich beliebig oft passieren, wird aber von jedem Pfandhaus individuell festgelegt.
Für wen ein Pfandkredit geeignet ist
Pfandkredite kommen laut Kerstin Föller vor allem für Menschen in Betracht, die ein geregeltes Einkommen haben. "Wenn Sie dann für einen kurzen Zeitraum Geld brauchen, kann ein Pfandkredit sinnvoll sein. Mit dem nächsten Gehalt können Sie den Kredit zügig zurückzahlen", so die Verbraucherexpertin.
Die Schufa möchte ihr Verfahren zur Bonitätsbewertung künftig transparenter machen. Ab März 2026 können Verbraucher ihre Bewertung kostenfrei einsehen.
03.12.2025 | 0:58 minFür längere Laufzeiten seien Pfandkredite jedoch nicht geeignet, denn gerade bei vielen Verlängerungen können sich die Zinsen und Gebühren summieren, so Föller.
Eine Alternative für mittel- bis langfristige Finanznot könnte ein regulärer Ratenkredit bei einer Bank oder Sparkasse sein. Hier sind die Kosten transparenter und über die gesamte Laufzeit gerechnet niedriger. Allerdings wird vor der Bewilligung eine Schufa-Auskunft eingeholt, eine sogenannte Bonitätsprüfung.
Wer einen Gegenstand verpfändet, bekommt einen Pfandschein. Dieser ist der wichtigste Nachweis bei einer Pfandleihe. Der Schein bestätigt, dass ein bestimmter Gegenstand verpfändet wurde und berechtigt zur Auslösung. Auf dem Pfandschein stehen unter anderem eine Beschreibung des Pfands, die Kredithöhe, Zinsen und Gebühren sowie Laufzeit und Auslösefrist. Wer den Pfandschein verliert, sollte das Pfandleihhaus sofort informieren. Eine Auslösung ist meist trotzdem möglich, aber oft nur nach Identitätsprüfung, entsprechenden Erklärungen des Kunden und zum Teil gegen Gebühr.
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