Gender-Pay-Gap: Wo Deutschland steht - und wo der Wert trügt

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Lohnlücke im EU-Vergleich:Gender-Pay-Gap: Wo Deutschland steht - und wo der Wert trügt

Kathrin Wolff

von Kathrin Wolff

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Deutschland hat im EU-Vergleich einen hohen Gender-Pay-Gap. Woran das liegt - und warum eine geringe Lohnlücke nicht unbedingt ein Zeichen für Gleichstellung ist.

Eine Krankenpflegerin mit blauem Kasack und umgehängtem Namensschild verschränkt die Arme.

Männer verdienen in fast allen EU-Ländern mehr als Frauen. Welches Land die Ausnahme bildet und wie Deutschland abschneidet.

27.02.2026 | 0:37 min

Luxemburg ist das einzige EU-Land, in dem Frauen mehr verdienen als Männer. Das geht aus Zahlen zum Gender-Pay-Gap hervor, die die Statistikbehörde Eurostat zum heutigen Equal Pay Day veröffentlicht hat.

Deutschland steht auf dem siebtletzten Platz der Rangliste, hier liegen die Bruttostundenlöhne der Männer im Schnitt knapp 16 Prozent über denen der Frauen.

Gender-Pay-Gap in der EU

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Warum schneidet Luxemburg beim Gender-Pay-Gap so gut ab?

"Luxemburg ist ein besonderer Fall", erklärt Katharina Wrohlich, Professorin an der Uni Potsdam und Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Das kleine Land zahle sehr hohe Löhne, viele Menschen pendelten aus den Nachbarstaaten zum Arbeiten dorthin.

Dass ein niedriger Gender-Pay-Gap nicht unbedingt ein Zeichen für Gleichstellung ist, zeigt das Beispiel einiger südeuropäischer Länder. So weisen Rumänien und Italien vergleichsweise kleine Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aus. Allerdings haben dort auch deutlich weniger Frauen einen bezahlten Job als in anderen EU-Ländern. In Italien ist der Wert mit 57,4 Prozent am niedrigsten.

Erwerbstätige Frauen in der EU

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Warum es auch auf die Erwerbstätigenquote ankommt

"Entscheidend ist die Frage, wer überhaupt berufstätig ist", sagt Wrohlich. In Ländern mit niedriger Frauenerwerbstätigenquote gingen vor allem Frauen mit höheren Löhnen arbeiten, während Mütter häufiger zu Hause blieben, die anderswo vielleicht schlechter bezahlte Teilzeitjobs ausübten. Dazu trage auch ein traditionelleres Rollenbild bei.

"Der Aussage 'Es ist die Aufgabe des Mannes, Geld zu verdienen, die Frau ist für Haushalt und Familie zuständig' stimmen in Italien 34 Prozent der Bevölkerung zu, in Deutschland aber nur 13,5 Prozent", schreibt Wrohlich in einer Analyse von 2021. Auch wenn die Umfrage einige Jahre alt ist, dürfte die Tendenz weiter bestehen. "Solche Einstellungen ändern sich nicht kurzfristig", erklärt Wrohlich jetzt im Interview.

Wie groß ist der Gender-Pay-Gap in Deutschland?

Deutschland hat mit 77,7 Prozent die fünfthöchste Frauenerwerbstätigenquote im EU-Vergleich. Wie ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern vor diesem Hintergrund zu bewerten?

Wrohlich verweist auf skandinavische Länder wie Schweden. "Dort sind beide Indikatoren besser." In Schweden gehen mehr Frauen arbeiten (79,9 Prozent), der Gender-Pay-Gap liegt mit 11,2 Prozent deutlich unter dem deutschen. "Da zeigt sich eine jahrzehntelange Gleichstellungspolitik. Die Erwerbstätigkeit von Müttern ist selbstverständlicher."

Schaltgespräch Bethmann

Die Gehälter von Frauen waren auch 2025 in Deutschland deutlich niedriger als die von ihren männlichen Kollegen. Frank Bethmann mit einer Einschätzung.

16.12.2025 | 0:55 min

Wie sich der Gender-Pay-Gap in Deutschland zusammensetzt

In Deutschland verdienten Männer 2025 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 27,05 Euro brutto pro Stunde, Frauen 22,81 Euro. Dieser unbereinigte Gender-Pay-Gap von 4,24 Euro beziehungsweise 16 Prozent hat verschiedene Gründe wie Beschäftigungsumfang, Anforderungsniveau und Berufswahl. "In Deutschland arbeiten viele Frauen in frauendominierten Berufen, die schlechter bezahlt werden", sagt Wrohlich.

Gründe für den Gender-Pay-Gap

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Der Gender-Pay-Gap lag 2024 wie 2025 bei rund 16 Prozent. Kurzfristig hat es also keinen Fortschritt gegeben, mittelfristig schon. Vor zehn Jahren betrug der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen in Deutschland noch 22 Prozent.

Mit der Geburt von Kindern öffnet sich die Lohnlücke

Laut Wrohlich liegt der Rückgang an den jungen Altersgruppen. "Die Frauen sind gut gebildet, haben heute höhere Abschlüsse als früher und können das in den ersten Berufsjahren auch in Löhne umsetzen." Bei den unter 30-Jährigen sei der Gender-Pay-Gap stark zurückgegangen. "Aber Elternschaft hat einen unverändert großen Einfluss. Bei den ab 45-Jährigen ist der Gender-Pay-Gap so groß wie früher."

Gender Pay Gap Symbolbild

Frauen verdienten 2025 weiterhin deutlich weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke, liegt unverändert bei 16 Prozent.

16.12.2025 | 1:39 min

Das liegt daran, dass mit der Berufserfahrung die Stundenlöhne steigen. "Aber in Teilzeit erreicht man nicht das gleiche Lohnwachstum wie in Vollzeit", sagt Wrohlich. Für problematisch hält sie auch das Ehegattensplitting, die steuerliche Begünstigung von Minijobs und die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der Krankenkasse. "Diese drei Elemente machen das Modell, dass der Mann Vollzeit und die Frau in einem Minijob arbeitet, sehr attraktiv."

Um die Arbeitszeit von Frauen zu erhöhen, müsse auch die Kinderbetreuung besser und verlässlicher werden. "Das ist nicht nur aus gleichstellungspolitischer Sicht wichtig, sondern auch wegen des demografischen Wandels."

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Gender-Pay-Gap: So groß ist die Lohnlücke in EU-Staaten" am 27.02.2026 um 05:30 Uhr.

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