Gender Pay Gap bleibt bei 16 Prozent - Lohnlücke im Osten kleiner

Frauen weiterhin schlechter bezahlt:Gender Pay Gap: Warum ist die Lohnlücke im Osten kleiner?

von Lisa Brockschmidt

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In diesem Jahr haben Frauen im Schnitt 16 Prozent weniger pro Stunde verdient als Männer. In Ostdeutschland liegt die Lücke nur bei fünf Prozent. Woran liegt das?

Gender Pay Gap Symbolbild

Frauen verdienen in diesem Jahr weiterhin deutlich weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke liegt unverändert bei 16 Prozent.

16.12.2025 | 1:39 min

Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer: 4,24 Euro weniger brutto pro Stunde, um genau zu sein. Während die Erwerbstätigkeit angestiegen ist, ist der sogenannte Gender Pay Gap konstant geblieben.

Aber im Westen ist er dreimal so hoch wie in Ostdeutschland. Das hat mehrere Gründe, erklärt Professor Katharina Wrohlich vom DIW in Berlin: "Frauen in Ostdeutschland sind, was ihre Arbeitsmarktmerkmale betrifft, den Männern ähnlicher." Sie hätten weniger und kürzere Erwerbsunterbrechungen und arbeiteten häufiger in Vollzeit, betont Wrohlich.

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Hohes Lohnniveau bei Männern im Westen

Obwohl sich der Gender Pay Gap auf den Bruttostundenlohn bezieht, hängt er auch mit der Wochenarbeitszeit zusammen. "In Vollzeittätigkeit hat man typischerweise ein höheres Lohnwachstum" erklärt die Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics. Da Frauen im Osten häufiger Vollzeit arbeiteten, würden sie auch häufiger befördert und hätten im Lebensverlauf ein höheres Lohnwachstum.

Zur Wahrheit gehöre aber dazu, "dass der niedrigere Gender Pay Gap in Ostdeutschland auch daher kommt, dass die ganz hohen Löhne vor allen Dingen Männer im Südwesten der Republik verdienen", sagt Wrohlich, die Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics ist. Im Osten gebe es dieses ganz hohe Lohnniveau nicht.

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Frauen im Westen leisten mehr Carearbeit als Männer

In westdeutschen Bundesländern ist immer noch der Mann zu 56,6 Prozent die Haupteinkommensperson. Frauen übernehmen häufiger die unbezahlte Carearbeit, arbeiten dadurch auch häufiger in Teilzeit und sind eher Zuverdienerinnen. Auch das wirke sich negativ auf den Gender Pay Gap aus, sagt Expertin Wrohlich.

Steuerregelungen wie das Ehegattensplitting würden bei höherem Lohnunterschied begünstigen, dass die Frau ihre Arbeitszeit reduziere. "Das könnte man reformieren und dann wäre eine gleichmäßigere Aufteilung finanziell attraktiver."

Die Carearbeit ist nach wie vor stärker bei Frauen verortet, sie leisten laut Statistischem Bundesamt etwa neun Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Arbeitsstunden, die dann in der Karriere fehlen und den Bruttostundenlohn stagnieren lassen.

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Expertin: Teilzeit darf nicht das Ende der Karriere sein

Die Sorgearbeit sei im Osten gleichmäßiger aufgeteilt, und Frauen könnten dort nach wie vor auf eine bessere Infrastruktur für die Kinderbetreuung zurückgreifen, erklärt Wrohlich. Dort gibt es Kitaplätze im Überfluss, wie eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft ergab. Gleichzeitig fehlten beispielsweise in Nordrhein-Westfalen zurzeit 85.000 Kita-Plätze. Über 14 Prozent der unter Dreijährigen haben keinen Betreuungsplatz.

Schaltgespräch Bethmann

Die Gehälter von Frauen waren auch in diesem Jahr in Deutschland deutlich niedriger als die von ihren männlichen Kollegen. Frank Bethmann mit einer Einschätzung.

16.12.2025 | 0:55 min

Unternehmen müssten aber auch etwas für die bessere Gleichstellung der Geschlechter tun. "Muss das wirklich sein, dass Teilzeit das Ende der Karriere ist?", so Wrohlich. Außerdem sollten Frauen auch dazu ermutigt werden, ihre Arbeitszeit nach einer Teilzeitphase wieder aufzustocken und sie nicht gleich abzuschreiben. Auch Führung in Teilzeit sei bereits an mancher Stelle möglich.

Arbeitende Mütter sind in Ostdeutschland nach wie vor akzeptierter als in Westdeutschland.

Katharina Wrohlich, Leiterin Forschungsgruppe Gender Economics am DIW

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Viele Paare wollen beide Teilzeit arbeiten

Aus einer Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) hervor, dass bei vielen Paaren beide Partner Teilzeit arebiten wollen. Insgesamt seien zwar inzwischen mehr Menschen der Meinung, dass Mütter auch erwerbstätig sein können, sagt DIW-Expertin Wrohlich: "Aber die Zustimmung zur Vollzeiterwerbstätigkeit bei Müttern ist gesunken". Jedoch sei sie im Osten nach wie vor deutlich höher. Vor allem ostdeutsche Frauen, die vor 1950 geboren sind, finden es okay, wenn Mütter Vollzeit arbeiten. Das sei historisch begründet, sagt Wrohlich.

Insgesamt fände aber ein Angleichen statt. Weder das westliche "Alleinernährungs-Modell", noch das ostdeutsche, in dem beide Eltern Vollzeit arbeiten, sind heute noch beliebt. Umfragen zu Folge können sich junge Eltern heute auch gut vorstellen, dass beide 75 Prozent arbeiten. Viele würden das aber noch nicht umsetzen. Vermutlich auch, weil es steuerlich nicht attraktiv sei und Unternehmen Teilzeit bei Männern noch zu wenig fördern würden, erklärt die Expertin.

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In Sachen Gehalt sei es wichtig, dass die Teilzeit-Phasen nicht zu lang sind, "denn die sind schlecht fürs Lohnwachstum." Die Durchschnittslöhne sind zwar insgesamt gestiegen. Im Osten haben sie sich seit 1990 sogar mehr als vervierfacht auf 3.973 Euro im Monat. Mit 4.810 Euro gibt es im Westen aber immer noch deutlich mehr Lohn aber eben auch eine größere Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 16.12.2025 um 9 Uhr und die ZDFheute Nachrichten um 19 Uhr.

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