Inflation: Warum sich das "neue Normal" teuer anfühlt

Neue Zahlen für Deutschland :Inflation: Warum sich das "neue Normal" teuer anfühlt

Schaltgespräch mit dem ZDF-Korrespondenten Frank Bethmann

von Frank Bethmann

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Die Inflation in Deutschland normalisiert sich. Für 2025 lag sie bei 2,2 Prozent. Das "neue Normal" fühlt sich für die meisten dennoch teuer an. Woran liegt das?

Ein Mann steht vor einem Supermarkt mit einem vollen Einkaufskorb.

Nach immensen Preissprüngen, vor allem in den Corona-Jahren, hat sich die Inflation eingependelt. Dennoch haben viele Menschen weiterhin nicht das Gefühl, mehr Geld in der Tasche zu haben.

06.01.2026 | 2:43 min

Ökonomisch ist das eine gute Nachricht: Nach den Teuerungsschüben in den vergangenen Jahren kehrte 2025 die Preisstabilität zurück. Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamts verteuerten sich die Lebenshaltungskosten für das Gesamtjahr um durchschnittlich 2,2 Prozent. Aufhorchen lässt zudem, dass die Inflationsrate im Dezember nur noch bei 1,8 Prozent lag.

Inflation normalisiert sich: Warum fühlen sich die Preise trotzdem teuer an?

"Alles wieder gut" ist es für viele Haushalte dennoch nicht. Denn Inflation misst, wie schnell Preise steigen - nicht, wie hoch sie bereits sind. Die kräftigen Erhöhungen der vergangenen Jahre wurden nicht zurückgenommen.

Schaltgespräch Stephanie Barret und Gundula Gause

Im Dezember ist die Inflationsrate in Deutschland deutlich gesunken. Wie ist diese Entwicklung einzuordnen? Dazu ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett.

06.01.2026 | 1:35 min

"Und die Preise steigen weiterhin, allerdings mit deutlich verringertem Tempo", sagt Alexander Krüger, Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe. Gefühlt ist die Inflation also höher, wobei der Ökonom kein Blatt vor den Mund nimmt: "Das ist nicht nur ein Gefühl, es ist Realität."

"Supermarkt-Inflation": Lebensmittelpreise deutlich gestiegen

Vor allem die Lebensmittelpreise sind in Deutschland seit 2020 um rund ein Drittel gestiegen. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage, die die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Auftrag gegeben hat, bestätigt, dass der Einkauf im Supermarkt schwer ans Portemonnaie geht.

Inflation in Deutschland (insgesamt, Energie, Nahrung)

ZDFheute Infografik

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Für mehr als zwei Drittel der Bevölkerung (68 Prozent) sind es den Angaben zufolge genau jene Lebensmittel, bei denen sie dann auch den Preisanstieg am meisten spüren würden. Längst ist die Rede von "Supermarkt-Inflation".

Symbolbild für Lebensmittel - Man sieht einen Einkauf auf einer Supermarktkasse

Die Inflationsrate ist in Deutschland im Dezember überraschenderweise gesunken.

06.01.2026 | 0:25 min

"Politische Sprengkraft" durch gestiegene Lebenshaltungskosten

Ramona Pop, Vorständin des VZBV, spricht im Zusammenhang mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten sogar von einem Thema, das "politische Sprengkraft" habe.

Pop erklärt weiter: "Wir sehen auch die Beschwerden in den Verbraucherzentralen, dass sich die Menschen über die Preissteigerungen beschweren, über Mogelpackungen, die im Supermarkt stehen - und wir nehmen auch wahr, dass daraus natürlich Frust entsteht."

SGS NN

Auch die Baukosten in Deutschland steigen weiter und das deutlich schneller als die Inflation. Wie genau gehen die Preise in die Höhe? ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

10.10.2025 | 1:14 min

Vor allem Menschen mit geringerem Einkommen, bei denen Lebensmittel und Energie einen relevanten Anteil ihrer Ausgaben ausmachten, merkten deutlich, "dass ihnen zum Leben sehr wenig übrig bleibt".

Weitere Preistreiber: Mieten und Dienstleistungen

Die Energiekosten konnten zuletzt allerdings nicht mehr als Preistreiber ausgemacht werden. Neben den überwiegend "teuren Lebensmitteln" waren es vor allem Mieten und Dienstleistungen, zu denen Versicherungen oder auch Restaurant- und Frisörbesuche zählen, die sich überdurchschnittlich verteuerten.

Ausgaben, die Verbraucher häufig tätigen und die daher das Gefühl prägen, "alles wird teurer", auch wenn andere Preise stagnieren oder sinken, wie beispielsweise die von Smartphones oder Fernsehern. Nach zuvor gewaltigen Aufschlägen wurden 2025 auch Butter, Weintrauben, Kartoffeln oder Olivenöl wieder erheblich billiger.

Das Statistische Bundesamt analysiert jeden Monat, wie sich Preise entwickelt haben. Dazu notieren die Statistiker in Geschäften, was Obst und Gemüse, Schuhe und Möbel kosten. Wie hoch ist die Wohnungsmiete, was kostet Sprit an der Tankstelle?

Tausende Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden repräsentativ nach dem stets gleichen Schema erfasst. Die durchschnittliche Preisentwicklung für eine Güterart wird dann mit dem Ausgabenanteil gewichtet, den die Haushalte für diese Güterart ausgeben.


Doch Preisschocks wie 2022 und 2023, als die Inflationsraten auf 6,9 beziehungsweise 5,9 Prozent hochschnellten, bleiben länger im Gedächtnis hängen. Ein psychologischer Effekt, den Ökonomen als "Verlustaversion" beschreiben.

SGS Barrett

Die Inflation in Deutschland ist zum Jahresende spürbar zurückgegangen. Wie ist diese Entwicklung einzuordnen? Dazu ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett.

06.01.2026 | 1:07 min

Inflation scheint besiegt - Gefühl der Teuerung bleibt

Rein statistisch bewegt sich die Teuerung jedenfalls in die richtige Richtung. Nach vorerst geschätzten 2,2 Prozent für 2025 rechnen Volkswirte mit einer ähnlichen Rate auch für dieses Jahr.

Für 2026 zeichnet sich ein weitgehend preisstabiles Umfeld ab.

Alexander Krüger, Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe

"Dort wird die Inflationsrate mal knapp unter 2,0 Prozent und mal knapp darüber liegen", sagt Krüger. Die Inflation also scheint besiegt, das Gefühl der Teuerung dagegen bleibt.

Frank Bethmann ist Moderator und Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Inflationsrate liegt 2025 bei 2,2 Prozent" am 06.01.2026 um 17:45 Uhr.

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