Der "Kranich" feiert Geburtstag:100 Jahre Lufthansa: Eine deutsche Jahrhundertgeschichte
von Susanne Biedenkopf
Vom Luftfahrt-Pionier zum Aushängeschild der Republik: Die Lufthansa hat Generationen geprägt. Doch die Konkurrenz am Himmel wird härter – und damit die Herausforderungen.
Die Lufthansa ist Deutschlands größte Fluggesellschaft – gegründet vor 100 Jahren. Damals war Fliegen für die meisten nur ein Traum, gereist wurde vor allem mit der Bahn.
06.01.2026 | 5:28 minAm 6. April 1926 hebt in Berlin-Tempelhof eine Fokker-Grulich F II ab - ihr Ziel: Zürich, über Halle, Erfurt und Stuttgart. Es ist der erste Linienflug der gerade erst gegründeten Deutschen Luft Hansa. An Bord: vier Passagiere in einer beheizten Kabine, während die Piloten im offenen Cockpit sitzen.
Das blau-gelbe Kranich-Logo am Rumpf ist frisch: Drei Monate zuvor, am 6. Januar 1926, fusionieren Junkers Luftverkehr und Deutscher Aero Lloyd - es ist keine Liebesheirat, das Reichsverkehrsministerium dringt auf die Fusion.
Frühes Modell: Ein Flugzeug des Typs Junkers F13 der Lufthansa im Jahre 1930.
Quelle: PRIn den kommenden Jahren wird der Kranich zum Vorreiter und Erfolgskonzept. Neue Routen führen nach Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika. Ab 1928 kann über den Wolken auch gespeist werden - eine Service-Sensation.
Die deutsche Luftfahrtbranche steckt in Schwierigkeiten. Nach einem Sparkurs in der Verwaltung streicht die Lufthansa nun zahlreiche Inlandsflüge, um Kosten zu reduzieren.
20.10.2025 | 1:30 minDas dunkelste Kapitel der Lufthansa
Mit dem Nationalsozialismus beginnt das dunkelste Kapitel der Lufthansa. Früh sichert sich das Unternehmen die Gunst der Nationalsozialisten und stellt Adolf Hitler im Wahlkampf permanent und kostenlos ein Flugzeug zur Verfügung. Die Airline erhält Gelder, beschäftigt Tausende von Zwangsarbeitern. 1951, nach dem Zweiten Weltkrieg, ordnen die Siegermächte die Liquidation der Fluggesellschaft an - der Kranich scheint am Ende.
Doch am 6. Januar 1953 wird die LUFTAG gegründet, die Vorbereitungsgesellschaft für die neue Deutsche Lufthansa AG. Ein junger Hamburger Senator namens Helmut Schmidt gehört zu den politischen Wegbereitern der Neugründung - er erkennt früh die Bedeutung der Luftfahrt für die deutsche Wirtschaft.
Fliegen war lange den Reichen vorbehalten: Auf diesem Foto aus dem Jahr 1970 wartet ein Fahrer auf dem Vorfeld auf Fußballspieler der Bundesliga.
Quelle: ImagoGut zwei Jahre später, am 1. April 1955, hebt die neue Lufthansa zum ersten Nachkriegsflug ab. Über viele Jahre bleibt das Fliegen ein Luxus, ein Privileg.
Vom Staatskonzern zum paneuropäischen Unternehmen
Die Privatisierung des Konzerns 1997 markiert eine wichtige Wende. Noch im selben Jahr gründet Lufthansa die Star Alliance - das erste globale Luftfahrtbündnis. Es folgen strategische Übernahmen: Swiss (2005), Austrian (2009) und Brussels Airlines (2009). Aus dem deutschen Staatskonzern wird ein paneuropäischer Luftfahrtkonzern.
Im vergangenen September kündigte die Lufthansa an, 4.000 Stellen zu streichen, um wieder profitabler zu werden. Valerie Haller berichtete von der Börse.
29.09.2025 | 1:23 minImmer wieder Tiefschläge und Katastrophen
Die Geschichte der Lufthansa ist auch eine Geschichte mit unvorhersehbaren Tiefschlägen und Katastrophen. 2010 legt der isländische Vulkan Eyjafjallajökull den europäischen Flugverkehr lahm. Über 100.000 Flüge fallen aus, Lufthansa beziffert den Schaden auf knapp 200 Millionen Euro.
Im März 2015 ereignet sich eine Tragödie in den französischen Alpen. Der Co-Pilot einer Germanwings-Maschine bringt das Flugzeug absichtlich zum Absturz. Alle 150 Menschen an Bord sterben. Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht vom dunkelsten Tag der Unternehmensgeschichte. Seitdem müssen in Europa immer zwei Personen im Cockpit sein.
Zehn Jahre nach dem "Germanwings-Absturz": Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben. Für die Angehörigen bleibt der Schmerz unermesslich.
21.03.2025 | 6:14 minBund rettet Lufthansa in der Corona-Pandemie
Streiks, Umstrukturierungen, die Konkurrenz der Billigflieger: Viele Krisen fordern den Kranich - doch keine so einschneidend wie die Corona-Pandemie. Über Monate fallen immer wieder die meisten Flüge aus - unvorhersehbar. Neun Milliarden Euro Staatshilfe retten die Lufthansa, der Bund steigt mit 20 Prozent ein und das Unternehmen kann die Anteile schließlich zurückzahlen - die Voraussetzung für weitere Fusionen.
Der Geschäftseinbruch in der Corona-Krise hat der Lufthansa 2020 einen Rekordverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von 6,7 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden ein Jahr zuvor, wie der vom Staat gestützte Konzern damals mitteilte.
04.03.2021 | 2:35 minZwischen Wettbewerb und Klimadruck
Heute steht die Lufthansa unter enormem Druck. Der Wettbewerb verschärft sich von allen Seiten. Billigflieger dominieren die Kurzstrecke mit deutlich geringeren Kosten. Fluggesellschaften im Mittleren Osten, wie Emirates, unterbieten auf der Langstrecke. In Deutschland kommen Luftverkehrsteuer und steigende Gebühren hinzu - Fliegen ab Deutschland ist im EU-Vergleich am teuersten.
Zum Jubiläum fliegt der Boeing Dreamliner mit der Registrierung D-ABPU mit Sonderlackierung.
Quelle: ImagoDer jüngste Einstieg bei Ita Airways im Januar 2025 soll neues Wachstum bringen. Bis 2028 soll das Ergebnis deutlich steigen. Der Konzern muss aber gleichzeitig in teure Nachhaltigkeitstechnologien investieren, Kosten senken und seine Premiumposition verteidigen. Was 1926 mit einem Flug nach Zürich begann, wird auch 2026 zur Bewährungsprobe.
Susanne Biedenkopf ist Korrespondentin im ZDF-Landesstudio Hessen.
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