Weniger Mehrwertsteuer für Lokale:Steuersenkung in Gastronomie: Sinken jetzt die Preise?
Ab Januar 2026 gilt für Speisen in Restaurants wieder der ermäßigte Steuersatz. Die Branche freut's, doch ob die Entlastung auf den Speisekarten sichtbar wird, bleibt fraglich.
Seit Jahresbeginn werden in der Gastronomie nur noch 7 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen erhoben. Getränke bleiben ausgenommen.
03.01.2026 | 1:33 minAm 1. Januar 2026 ist der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 7 Prozent auf Speisen in der Gastronomie gesenkt worden. Der Bundesrat hatte im Dezember einem Paket mit einer ganzen Reihe von Steuerentlastungen zugestimmt. Gastronomie- und Tourismusverbände äußerten sich erfreut.
Der Gaststätten-Verband Dehoga nennt die Steuersenkung die "wichtigste Maßnahme zur Stärkung unserer Restaurants, Wirtshäuser, Cafés und Caterer". Auch von "Befreiungsschlag" und "überlebenswichtiger Entscheidung" ist die Rede.
Dehoga: Keine "eins zu eins"-Weitergabe an Kunden
Dennoch dürfte die Senkung nicht oder nur in geringem Maße an die Kunden weitergegeben werden. "Eins zu eins" werde das sicher nicht in den Speisekarten umgesetzt, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, der Deutschen Presse-Agentur.
Die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie wird auf 7 Prozent gesenkt. Können Besucher mit sinkenden Preisen rechnen?
17.04.2025 | 2:22 minViele wollen die Entlastung in Investitionen und ein besseres Angebot stecken. Die Branche warnt zudem vor höheren Personalkosten, da der Mindestlohn zu Jahresbeginn auf 13,90 Euro je Stunde gestiegen ist und ein Jahr später auf 14,50 Euro steigen soll. Zuletzt hieß es vom Hotel- und Gaststättenverband:
Ob und in welchem Umfang Preissenkungen möglich sind, hängt maßgeblich von der weiteren Kostenentwicklung ab.
Mitteilung Hotel- und Gaststättenverband
Spielraum für Investitionen und Personal in Gastronomie
Trotzdem sei die Entscheidung ein wichtiges Zeichen für die Zukunftsfähigkeit und Gerechtigkeit der Gastrobranche. Und die Senkung werde zumindest den Preisanstieg dämpfen und "helfen, die gastronomische Vielfalt zu erhalten", erklärte etwa Sachsens Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, Axel Klein.
Die Betriebe erhielten damit wieder Spielraum für Investitionen. Vor allem auf dem Land, wo in den vergangenen Jahren zahlreiche Gasthöfe schließen mussten, hoffe der Landesverband auf eine Trendumkehr.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) betonte, dass die Steuersenkung zudem Arbeitsplätze sichern werde.
Viele Unternehmen in der Gastronomie kämpfen derzeit mit hohen Kosten und schwierigen Rahmenbedingungen.
Dirk Panter, Wirtschaftsminister Sachsen (SPD)
Mehr als 1.000 Landgasthöfe mussten nach der Wende in Brandenburg schließen. Auch im Dorfgasthof in Herzberg kämpfen die Inhaber mit Problemen.
09.12.2025 | 1:39 minLeichtes Umsatzplus, aber nur "nominal"
Bereits im Herbst hatte das deutsche Gastgewerbe im Preisgewinn etwas Boden gutgemacht. Der Umsatz von Restaurants, Kneipen, Hotels und anderen Beherbergungsstätten stieg im Oktober um 2,1 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Inflationsbereinigt (real) gab es ein Plus von 2,2 Prozent, nach einem Minus von 1,7 Prozent im September.
Post des Statistischen Bundesamts auf X:
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Im Vorjahresvergleich zeigen sich die teilweise deutlichen Preiserhöhungen in der Branche, die die Verbraucher in ihrem Geldbeutel spüren. Denn verglichen mit Oktober 2024 hatten die Unternehmen zwar nominal 2,4 Prozent mehr in der Kasse, nach Abzug der Inflation lagen die realen Erlöse aber 0,9 Prozent unter dem Niveau vor Jahresfrist.
Nach Angaben des Dehoga-Bundesverbandes erwarten deutschlandweit 76,2 Prozent der Betriebe durch den niedrigeren Steuersatz von 7 Prozent eine Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen Situation.
"Steuergeschenk" für Gastronome?
Verbraucher befürchten, dass von der Entlastung überhaupt nichts bei den Gästen ankommt. "Ich befürchte, dass die Preise nicht gesenkt werden und stabil bleiben, wie das immer so ist", sagt ein Passant und bezeichnet die Senkung als "Steuergeschenk an die Gastronomiebranche".
In der Pandemie wurde die Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf sieben Prozent gesenkt und lag bis jetzt bei 19 Prozent - eine Gefahr für die Branche.
09.01.2024 | 3:32 minAndere sehen die Maßnahme zumindest vorsichtig positiv. "Ich glaube, dass es für uns als Konsumenten nicht so schlecht ist", meint eine andere Passantin.
Ich finde die Senkung gut, weil sich viele Restaurants nach der Pandemie nicht wirklich erholen konnten.
Passantin
Sie hofft, dass stabile Preise wieder mehr Menschen dazu bewegen könnten, essen zu gehen.
Kosten für Restaurantbesuch weiter zu hoch?
Kritik richtet sich dabei auch an die Gastronomen selbst. "Sie begründen das immer mit Personal und Energie. Diese Argumentation kann ich schon lange nicht mehr hören. Damit bekommen sie nicht die Restaurants oder die Tische besetzt", erklärt eine andere Passantin. Und aus Sicht mancher Gäste bleibt die finanzielle Belastung für Verbraucher zu hoch:
"Die Löhne steigen leider nicht parallel. Ich bin immer gerne in der Gastronomie unterwegs, aber ich komme da mittlerweile auch finanziell an meine Grenzen.
Passantin
Ob die Senkung der Mehrwertsteuer ausreicht, die Gastronomie in ihrer schwierigen Lage zu unterstützen, bleibt daher abzuwarten.
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