Finanzplanung und Altersvorsorge:Wie Frauen ihre finanzielle Zukunft absichern können
von Saskia Schüring
Mehr Frauen als Männer sind im Alter armutsgefährdet. Gründe sind oft Teilzeitarbeit und geringere Zahlungen in die Rentenkasse. Wie sie sich dennoch finanziell absichern können.
Woran liegt es, dass Frauen durschnittlich weniger verdienen als Männer? Wie können sich Frauen vor Altersarmut schützen? Soziologin Birgit Happel im Gespräch.
27.02.2026 | 10:12 minFinanzielle Unabhängigkeit ist vielen Frauen wichtig. In der Realität übernehmen sie jedoch häufig den Großteil der Care-Arbeit, kümmern sich um Haushalt und Kinder, während der Mann erwerbstätig ist. Viele von ihnen arbeiten deshalb in Teilzeit.
Soziologin Birgit Happel erläutert, wie sich Teilzeitarbeit auf die spätere Rente auswirkt, zeigt strukturelle Ungleichgewichte auf und betont, wie entscheidend finanzielle Eigenständigkeit für Frauen ist.
Der Equal Pay Day macht auf den Gender Pay Gap, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, aufmerksam. Denn rein rechnerisch arbeiten Frauen bis zu jenem Tag umsonst, während Männer bereits seit Jahresanfang Geld verdienen.
07.03.2025 | 2:36 minWelche Nachteile Teilzeit für die Rente hat
Wer über viele Jahre in Teilzeit arbeite, müsse später mit einer geringeren Rente rechnen, sagt Birgit Happel. Studien zufolge kann etwa jede zweite Frau ihren Lebensunterhalt langfristig nicht eigenständig sichern.
Noch immer übernehmen überwiegend Frauen die Care-Arbeit - also die Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen und den Haushalt. Diese unbezahlte Arbeit wird finanziell kaum ausgeglichen und gesellschaftlich oft nicht ausreichend berücksichtigt. Happel plädiert für eine gerechtere Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit in jungen Familien.
Mit dem Wiedereinstiegsrechner des Bundesfamilienministeriums lässt sich nachvollziehen, wie sich Erwerbsentscheidungen auf das monatliche Brutto- und Nettoeinkommen sowie die Rentenansprüche auswirken können.
Melanie, Gisela und Carolin kämpfen gegen das Minus auf ihrem Konto - verursacht durch Care-Arbeit, schlechten Lohn, Altersarmut oder Teilzeitfalle. Doch sie geben nicht auf.
20.01.2026 | 28:43 minCare-Arbeit anerkennen
Wer sich nicht selbst um sein Geld kümmert, riskiert, später vom Partner oder von anderen abhängig zu sein. Frauen sollten ihre berufliche Entwicklung strategisch planen und früh lernen, welche Möglichkeiten zur Geldanlage sich anbieten, um sich ein Sicherheitspolster zu schaffen, sagt Happel.
Wer Familie plant, sollte von Anfang an auf die Rollenverteilung achten, schon bevor Kinder da sind.
Dr. Birgit Happel, Soziologin
Nach Ansicht der Soziologin sollte der Partner einen finanziellen Ausgleich leisten, wenn die Frau mehr unbezahlte Sorgearbeit übernimmt - zum Beispiel über Beiträge zu ihrer Altersvorsorge. Care-Arbeit habe einen eigenen Wert und bilde die Grundlage allen Wirtschaftens, sagt Happel. Dennoch werde sie finanziell häufig nicht ausreichend berücksichtigt.
Viele Frauen, die im Alter mit wenig Geld auskommen müssen, leiden nicht nur unter der finanziellen Not, sondern auch unter der Scham, arm zu sein.
28.05.2025 | 3:54 minAuch politisch gibt es Überlegungen zu Ausgleichsmodellen. Diskutiert wird etwa, ob Frauen in der Ehe für übernommene Sorgearbeit einen finanziellen Ausgleich erhalten sollten - orientiert an bestehenden Unterhaltsregelungen wie der Düsseldorfer Tabelle.
Wie Steuerklasse 3/5 das finanzielle Ungleichgewicht verstärkt
Ein häufig gewähltes Steuermodell für Ehepaare ist die Kombination der Steuerklassen 3 und 5. Dabei erhält die besser verdienende Person die Steuerklasse 3 mit höheren Freibeträgen, während die geringer verdienende Person in Steuerklasse 5 deutlich mehr Abzüge hat - und entsprechend weniger Netto vom Brutto übrig bleibt.
Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer. Ein Gehaltsrechner zeigt Unterschiede auf. Warum sich ein Check lohnt und wie er beim nächsten Gehaltsgespräch hilft.
27.02.2026 | 1:02 min"Die Steuerklassenwahl 3/5 begünstigt strukturelle Abhängigkeit und hält Frauen klein", warnt die Soziologin. Müssen zusätzlich Kinderbetreuungskosten getragen werden, könne leicht der Eindruck entstehen, Erwerbsarbeit lohne sich finanziell kaum. Diese Fehlanreize seien nicht zu unterschätzen.
Zudem wirke sich ein geringeres Nettoeinkommen negativ auf Lohnersatzleistungen wie das Elterngeld aus, da sich deren Höhe am vorherigen Einkommen orientiert. Auch gut ausgebildete Frauen können so durch Care-Arbeit und das Ehegattensplitting in finanzielle Abhängigkeit geraten.
Es gibt inzwischen viele kostenfreie Informationsangebote zur Finanzbildung:
- Das Finanzportal "Mit Geld und Verstand" der Bundesregierung unterstützt dabei, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen.
- Einen Überblick über zentrale Lebensphasen, in denen wichtige Entscheidungen für die finanzielle Eigenständigkeit fallen, bietet die digitale "Lebenskarte Eigenständigkeit" des Fraunhofer Instituts.
- Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat ein informatives "Altersvorsorgequiz" auf seiner Seite.
- Die Verbraucherzentralen bieten stichhaltige Informationen und hochwertige Onlinekurse zum Vermögensaufbau an.
Wie kann künstliche Intelligenz bei der Geldanlage unterstützen? Ein Finanzberater schätzt ein, wie fundiert die Empfehlungen zur Geldanlage sind.
04.02.2026 | 2:38 minFinanzielle Selbstständigkeit sichern
Es sei nie zu spät, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern, betont Happel. Frauen sollten sich frühzeitig und kontinuierlich mit Geldanlage und Finanzplanung befassen, um das Risiko von Altersarmut zu verringern.
Entscheidend sei, die finanzielle Selbstbestimmung nicht aus der Hand zu geben und offen über Geld zu sprechen. Finanzkompetenz sei ein wichtiger Bestandteil von Gleichstellung. "Langfristig brauchen wir finanzielle Bildung in der Schule", schließt Happel ab.
Saskia Schüring ist Redakteurin der Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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