Rallye beendet:Nach Kursrutsch beim Gold: Lohnt jetzt der Kauf?
von Christian Hauser und Henning Behrens
Nach Rekordständen bei Gold und Silber folgt nun ein deutlicher Rückgang. Welche Rolle Trumps Fed-Chef-Nominierung dabei spielte und ob jetzt ein guter Zeitpunkt für Goldkäufe ist.
Nach monatelanger Rekordjagd sind die Preise für Gold und Silber deutlich gesunken. Als Auslöser gilt die Nominierung von Kevin Warsh als möglichem Nachfolger von US-Notenbankchef Jerome Powell.
02.02.2026 | 0:30 minDie Rekordjagd ist vorerst vorbei. Nach Monaten historischer Höchststände ist der Goldpreis seit Ende vergangener Woche deutlich gefallen - auch Silber gab stark nach.
Wer sein Altgold zuletzt zum Juwelier brachte, konnte hohe Preise erzielen. Zahngold, Schmuck oder alte Ketten wurden zu begehrter Ware. Die hohe Nachfrage der letzten Monate spürte auch Juwelier Malke Önaktug. In seinem Geschäft "Rubin" in der Frankfurter Innenstadt wollten viele Menschen ihre Wertgegenstände verkaufen. "Wir haben das Dreifache an Kundschaft, die Gold veräußern wollte, aber auch viele, die Anlagegold kaufen möchten", erzählt er.
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Gold und Silber verlieren an Wert
Nach einer außergewöhnlich starken Rallye der vergangenen Monate hat Gold seit Ende vergangener Woche um bis zu einem Fünftel an Wert verloren - Silber noch stärker. Trotz Kursrückgang ist der Anstieg der vergangenen Monate noch immer beachtlich.
Die Rücksetzer deuten mehr auf technische und marktpsychologische Ursachen hin, als dass sie eine fundamentale Trendumkehr einleiten. Verkäufe und damit einhergehende Gewinnmitnahmen nach historischen Höchstständen sind keine Seltenheit. Insbesondere im Hinblick auf den starken Anstieg der beiden Edelmetalle in den vergangenen Monaten.
Gold gilt für viele als vermeintlich sichere Anlage in unruhigen Zeiten. Besonders in Phasen wirtschaftlicher oder geopolitischer Unsicherheit greifen Anleger darauf zurück. Historisch profitierte der Goldpreis zum Beispiel während Finanz- und Bankenkrisen oder bei hoher Inflation.
Im Gegensatz zu anderen Anlagen bietet Gold jedoch weder Zinsen noch Dividenden. Gold dient vielen Anlegern als Stabilisierung ihres Portfolios.
Mögliche Gründe für Rückgang des Goldpreises
Als ein Auslöser des jüngsten Preisrutsches gilt die Nominierung des früheren Fed-Gouverneurs Kevin Warsh durch US-Präsident Trump. Warsh soll Jerome Powell als Chef der US-Notenbank nachfolgen.
Trumps Wunschkandidat Kevin Warsh soll neuer Chef der US-Zentralbank werden. Was das für den zukünftigen Zinskurs bedeutet, erläutert ZDF-Wirtschaftsexpertin Stephanie Barrett.
30.01.2026 | 1:57 minDamit wuchs die Unsicherheit an den Märkten, ob es wirklich zu einer spürbaren Lockerung der Geldpolitik durch niedrigere US-Notenbankzinsen kommt.
Grundsätzlich wird die Entwicklung der Preise für Edelmetalle von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. So können beispielsweise geopolitische Veränderungen im russischen Krieg gegen die Ukraine oder die Lage in Iran zu kurzfristigen Preisschwankungen führen.
Kurzfristige Kursbewegungen lassen sich nicht prognostizieren.
Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Nach Kursrutsch beim Gold: Jetzt investieren?
Für Anleger stellt sich die Frage, ob eine Reaktion auf die aktuelle Kursänderung notwendig ist. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät grundsätzlich zu einer breiten Diversifizierung bei der Anlagestrategie. Gold könne dabei eine Rolle spielen, idealerweise als Beimischung von fünf bis zehn Prozent im Depot. Wichtig sei aktuell, nicht in Panik zu verfallen:
Weder sollte man unbedacht auf den Zug aufspringen und anfangen mit Gold zu spekulieren, noch alle Gold-Investments aus Angst vor weiteren Verlusten panisch verkaufen.
Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Beides seien lediglich Reaktionen auf kurzfristige Marktentwicklungen, von denen er generell abrät.
Getrieben wurde der Gold-Höhenflug durch Krisenangst, Zinsunsicherheit und Sorgen um die Stabilität der Finanzmärkte.
18.10.2025 | 1:29 minAuch ein ständiger Blick auf die Kurse sei wenig hilfreich: "Wer täglich auf Kursentwicklungen reagiert, ob bei Aktien oder Gold, erhöht die Handelskosten und die Steuern und am Ende auch das Risiko, langfristig Geld zu verlieren."
Preisentwicklung über Jahrzehnte betrachten
Zugleich warnt er davor, Gold in der historischen Perspektive zu überschätzen. "Gold hat historisch vor allem die Inflation ausgeglichen - viel größer war der Ertrag nicht." Es habe Jahrzehnte gegeben, in denen Anleger mit Gold real keine Rendite erzielt hätten. Seine klare Botschaft lautet deshalb:
Kaufen, halten, breit diversifizieren und Kosten minimieren, das ist die Basis einer soliden langfristigen Anlagestrategie.
Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Juwelier Önaktug rechnet auch in den kommenden Wochen nicht mit weniger Kundschaft. "Die Leute spüren die unsicheren Zeiten", sagt er. "Es wird weiter gekauft und verkauft, unabhängig davon, was der Kurs gerade macht." Gold und Silber schwanken, das Vertrauen offenbar nicht.
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