Finanzierung des Gesundheitssystems:Sozialabgaben auf Kapitalerträge? Welche Folgen das hätte
von Christian Hauser
Sparen, investieren, vorsorgen - nicht für alle ist das gleichermaßen möglich. Die jüngst diskutierten Sozialabgaben auf Kapitalerträge würden Anleger unterschiedlich treffen.
Ein Vorschlag der SPD lautete, Kapitalerträge und Immobilien sollen zur Finanzierung des Gesundheitswesens herangezogen werden. Wie viele Menschen wären davon betroffen? Wie spart Deutschland?
21.02.2026 | 0:41 minOb 50, 500 oder deutlich mehr Euro im Monat - wie viel Geld Haushalte zurücklegen können, hängt vor allem vom Einkommen ab. Entsprechend unterschiedlich sind die Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen oder privat vorzusorgen. Während manche regelmäßig investieren, bleibt anderen kaum finanzieller Spielraum.
Vor diesem Hintergrund sorgte jüngst ein SPD-Vorschlag für Diskussionen: Er sieht vor, dass Erträge aus Immobilien oder Finanzanlagen (Zinsen, Dividenden) stärker zur Finanzierung von Pflege- und Gesundheitskosten herangezogen werden sollen.
Angesichts steigender Ausgaben in diesem Bereich sucht die Partei nach zusätzlichen Finanzierungsquellen. Sie bleibt aber vage, wie sich die Regelungen in der Praxis auf Anleger auswirken würden. Ein Blick auf das Spar- und Anlageverhalten in Deutschland zeigt, wer davon wie sehr betroffen sein könnte.
Die SPD fordert, künftig alle Einkommensarten bei der Finanzierung des Gesundheitssystems einzubeziehen. Bisherige Kassenbeiträge sollen dafür sinken. Die Union lehnt das klar ab.
09.02.2026 | 2:35 minSo viel Geld wird monatlich zurückgelegt
Seit Jahren liegt die durchschnittliche Sparquote privater Haushalte bei gut zehn Prozent des verfügbaren Einkommens. Von 100 Euro fließen also durchschnittlich etwa zehn Euro in Ersparnisse. Während der Corona-Zeit lag die Sparquote zeitweise noch höher, weil Freizeit- und Urlaubsausgaben wegfielen.
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Laut Statistischem Bundesamt spart eine Einzelperson im Schnitt knapp 270 Euro im Monat. Dieser Durchschnittswert ist nur bedingt aussagekräftig. "Nicht jeder hat die gleiche Möglichkeit zu sparen oder Vermögen aufzubauen", sagt Volkswirt Tobias Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft, der dort den Bereich Staat, Steuern und Soziale Sicherung leitet.
Wer ein höheres Einkommen hat, kann faktisch mehr zurücklegen und profitiert entsprechend stärker vom Kapitalmarkt.
Tobias Hentze, Institut der deutschen Wirtschaft
Gold steht wegen steigender Preise im Fokus der Börsen. Stefan Fischer, Finanzexperte der Stiftung Warentest, beantwortet Fragen zur Investition in Gold.
27.01.2026 | 4:04 minWie Anleger investieren
Wenn Geld zur Verfügung steht, kann beispielsweise in Immobilien, Fonds oder ETFs investiert werden. Diese Anlagen bieten Chancen auf Wertzuwachs und sind für viele auch Bestandteil der Altersvorsorge.
"Die Deutschen setzen weiterhin auf klassische Bankprodukte wie Giro- und Sparkonten, während Immobilien als stabile Vermögensbausteine gelten", so Hentze. Aktien und Fonds würden zwar zunehmend mehr genutzt, vor allem von jüngeren Anlegern, blieben aber insgesamt noch vergleichsweise selten im Portfolio.
Im vergangenen Jahr besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts rund 14,1 Millionen Menschen Aktien, Fonds oder ETFs. In den oberen Einkommensgruppen ist die Beteiligung überdurchschnittlich und damit sind es tendenziell auch die erzielten Erträge.
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Auffällig war der Zuwachs bei jüngeren Anlegern im Vergleich zum Vorjahr. Der SPD-Vorschlag könnte sie treffen, allerdings investieren Jüngere oftmals geringere Summen und erzielen niedrigere Erträge. Je nach Höhe eines möglichen Freibetrags wären Menschen mit geringen Kapitalerträgen womöglich weniger oder gar nicht betroffen.
Grundsätzlich findet Hentze:
Es wäre nicht zielführend, einerseits die private Altersvorsorge zu fördern und andererseits neue Abgaben auf diese Anlageformen zu erheben.
Tobias Hentze, Institut der deutschen Wirtschaft
Eine hohe Sparquote bedeutet, dass Haushalte viel Geld zurücklegen. In Deutschland landet dies häufig auf klassischen Bankkonten und seltener in renditestärkeren Anlagen.
Eine niedrige Kapitalmarktquote zeigt, dass trotz hoher Ersparnisse nur wenig in Aktien, Fonds oder andere Investmentprodukte fließt, sodass langfristig weniger Vermögen aufgebaut werden kann.
Volkswirt: Folgen für private Altersvorsorge
Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland beziffert die Zahl der Haushalte in Deutschland, die im vergangenen Jahr Mieteinnahmen aus vermietetem Eigentum generierten, auf etwa 5,5 Millionen. Bei Umsetzung des SPD-Vorschlags wären auch sie einbezogen.
Die gestiegenen Gesundheitsausgaben müsse man in den Griff bekommen und nicht die "Finanzierungsquellen erhöhen". Zudem brauche man mehr Effizienz, so Wirtschaftsexperte Werding.
09.02.2026 | 5:10 minEine zusätzliche Abgabe wirke auf zwei Ebenen, gibt Volkswirt Hentze zu bedenken: "Psychologisch, weil Menschen sich unfair behandelt fühlen könnten, und real, weil sie die Rendite schmälert und weniger Geld für die private Altersvorsorge übrigbleibt."
Einerseits fordert die Politik oft mehr Eigenverantwortung bei der Altersvorsorge, andererseits sehen die neuerlichen Pläne vor, die dort erzielten Kapitalerträge stärker zu besteuern. Da scheint etwas nicht zusammenzupassen.
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