Krankenkassen-Sparpaket der Regierung:Warken: Mehr zuzahlen bei Arzneien wäre "nachvollziehbar"
Die Krankenkassen zeigen sich mit dem Sparpaket der Regierung nicht zufrieden. Ministerin Nina Warken hält dagegen und erläutert ihre Reformideen für das Gesundheitssystem.
Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen steigen 2026 auf 2,9 Prozent im Schnitt - trotz Sparmaßnahmen der Politik. Kritiker halten die Eingriffe für nicht ausreichend.
22.12.2025 | 2:16 minBundesgesundheitsministerin Nina Warken bringt für das nächste Krankenkassen-Sparpaket auch höhere Zuzahlungen in der Apotheke ins Gespräch. Zwar berate die Koalition gerade nicht über einzelne Ideen, sagte die CDU-Politikerin dem "Spiegel". "Ich halte einen solchen Schritt dennoch für nachvollziehbar, weil die Zuzahlung seit über 20 Jahren nicht angepasst wurde." Sie liegt derzeit bei mindestens fünf und höchstens zehn Euro.
Sobald die von ihr eingesetzte Kommission im Frühjahr Vorschläge mache, werde ein Paket geschnürt, sagte Warken. "Wir brauchen ein großes Sparprogramm, um die Kosten bei den gesetzlichen Kassen zu senken."
TK und DAK gaben wollen ihre Zusatzbeiträge ab 2026 erhöhen. Bundesgesundheitsministerin Warken weist Kritik zurück, sie habe nicht genug gegen Beitragserhöhungen getan.
22.12.2025 | 1:34 minWarken will Fachpersonal mehr Aufgaben übertragen
Die Ministerin plädierte dafür, dem medizinischen Fachpersonal mehr Aufgaben zu übertragen, um Hausärzte zu entlasten.
Das kann heißen: Auch das Fachpersonal macht Hausbesuche, führt bestimmte Sprechstunden oder Untersuchungen durch.
Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin
Für Patienten bedeute dies eine Umstellung. Nötig sei Vertrauen in die Fähigkeiten der Fachangestellten.
CDU-Politikerin verteidigt Primärarztprinzip
Zugleich unterstützte Warken die Idee eines sogenannten Primärarztsystems. Das bedeutet, dass Patienten in der Regel zuerst zum Hausarzt gehen und von dort zu Fachärzten überwiesen werden. Gerade deshalb sei die Verteilung der Arbeit im Gesundheitswesen auf mehr Schultern wichtig, auch in Hausarztpraxen, sagte die CDU-Politikerin.
Zu einigen Fachärzten sollen Menschen aber auch künftig direkt gehen können, etwa zum Augenarzt oder zum Frauenarzt. Details werde man mit der Ärzteschaft besprechen, kündigte sie an.
Forderungen nach stabilen Beiträgen seien angesichts des „kleinen Sparpakets“ „schlichtweg nicht realistisch“, sagt Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.
10.12.2025 | 3:24 minMinisterin weist Vorwürfe der Krankenkassen zurück
Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" wies Warken zudem die Kritik gesetzlicher Krankenkassen zurück, sie habe nicht genug gegen Beitragserhöhungen getan. "Wenn die Kassen sagen, dass nur die anderen schuld seien, machen sie es sich zu einfach."
Jeder hat Verantwortung, auch die Kassen.
Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin
TK und Co. erhöhen Zusatzbeiträge zum neuen Jahr
Große Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse (12,3 Millionen Versicherte) und die DAK-Gesundheit (5,4 Millionen Versicherte) gaben am Freitag bekannt, ihre Beiträge zum Jahreswechsel zu erhöhen.
Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hatte sich auf ein Sparpaket für die Krankenkassen geeinigt.
18.12.2025 | 1:59 minDie Bundesregierung hatte mehrfach versprochen, die Beiträge stabil halten zu wollen. Doch hieß es von den Krankenkassen, das Sparpaket, das am Freitag den Bundesrat passiert hatte, sei zu klein. Das Paket von Warken sieht Ausgabenbremsen vor allem bei den Kliniken vor und sollte den Druck für erneute Anhebungen der Zusatzbeiträge zum 1. Januar 2026 vermindern.
Einige Versicherungen hatten die höheren Kassenbeiträge bereits erwartet.
09.12.2025 | 1:44 minDer Zusatzbeitrag ist ein Aufschlag auf den allgemeinen Beitrag von aktuell 14,6 Prozent, den jede Krankenkasse erheben kann, um ihre Finanzen auszugleichen. Er wird je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt. Der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegte durchschnittliche Zusatzbeitrag - aktuell 2,9 Prozent - dient den Kassen dabei als Orientierung. Die TK erhöht nun von 2,45 Prozent auf 2,69 Prozent, die DAK von 2,8 Prozent auf 3,2 Prozent.
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