Steigende Krankenkassenbeiträge: Verbandschef fordert Klartext

Interview

Steigende Krankenkassenbeiträge:GKV-Spitzenverbandschef fordert "Klartext" von der Politik

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Die Bundesregierung ringt noch um Maßnahmen, um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten. Das sei ein unrealistisches Ziel, kritisiert GKV-Spitzenverbandschef Blatt.

Schaltgespräch Nazan Gökdemir und Oliver Blatt

Forderungen nach stabilen Beiträgen seien angesichts des "kleinen Sparpakets" "schlichtweg nicht realistisch", sagt Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.

10.12.2025 | 3:24 min

Die Spitzen der schwarz-roten Koalition kommen an diesem Mittwoch zu einem Treffen bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zusammen. Bei den drohenden steigenden Krankenkassenbeiträgen wird zunächst kein Durchbruch erwartet. Hier liegt derzeit ein Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag auf Eis. Sowohl Warken als auch Merz wollen aber auf stabile Beiträge setzen.

Das sei jedoch "schlichtweg nicht realistisch", sagt Oliver Blatt, der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands im heute journal update. Den Kassen würden die Ausgaben davonlaufen, während sie gleichzeitig ihre Reserven auffüllen müssten. "Wir gehen davon aus, dass wir ab 1. Januar damit rechnen müssen und es auch erleben werden, dass viele Krankenkassen leider ihre Beiträge erhöhen müssen", so Blatt.

Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Blatt fordert Klartext zu steigenden Krankenkassenbeiträgen

Ihm sei es auch manchmal ein Rätsel, warum niemand klar ausspreche, dass die Beiträge weiter steigen würden.

Ich glaube, wir müssen die Menschen mehr mitnehmen bei der Frage, was kommt auf sie zu und was können wir alle dazu beitragen, dass es zukünftig nicht so kommt. Das gehört dann eben auch dazu, Klartext zu reden.

Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands

Blatt hoffe zwar noch, dass eine Einigung auf ein Sparpaket zustande komme, aber selbst dann würde es seiner Meinung nach zu Beitragserhöhungen kommen.

Man brauche mindestens vier Milliarden, um im nächsten Jahr ansatzweise von stabilen Beiträgen sprechen zu können und das Sparpaket umfasse nur zwei Milliarden. "Und auch das [...] steht ja noch auf Messers Schneide", so der Chef des GKV-Spitzenverbands.

Ein Patientenbett wird durch einen Krankenhausflur geschoben.

Einige Versicherungen erwarten weiter steigende Beiträge. Die Regierung will das verhindern. Ein Sparpaket hängt im Vermittlungsausschuss.

09.12.2025 | 1:44 min

Können durch Digitalisierung Milliarden gespart werden?

Die Einnahmen seien hoch genug, es sei vor allem ein Ausgabenproblem. Das entstehe, weil es zu viele nicht aufeinander abgestimmte Doppelstrukturen in der Versorgung gebe. "Die Menschen warten beim Arzt, wir haben zu viele Krankenhausbetten im Vergleich, wir haben zu viele Arzt-Patienten-Kontakte", sagt Blatt. "Das ist das Problem, was sich darin äußert, dass die Ausgaben einfach zu stark steigen. Deshalb haben wir ein Ausgabenproblem."

Durch bessere Digitalisierung würde es jedoch Potenzial geben, effizienter zu versorgen. Man könne mit digitalen Plattformen die Patienten unterstützen und im Vorfeld schon wichtige Fragen zu klären. "Welchen Arzt brauche ich? Wann muss ich überhaupt zum Arzt? Um auch die Ärzte zu entlasten in ihrer Arbeit", erklärte Blatt. "Das kann man nicht in Euro beziffern, aber das ist schon viel Geld, was wir sparen könnten."

Das Interview führte Nazan Gökdemir. Zusammengefasst hat es Tim-Julian Schneider.

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtet das heute journal update am 10.12.2025 ab 00:30 Uhr.

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