Schuldenspirale beim Online-Shopping:Wie durch "Buy Now, Pay Later" das Schuldenrisiko steigt
von Karsten Uwe Witt
Klamotten, Handys, Konzertkarten: Mit der Bezahlmethode "Buy Now, Pay Later" landen immer mehr Verbraucher beim Online-Shopping in der Schuldenfalle. Wie man den Überblick behält.
Jetzt kaufen, später bezahlen: Viele Käufer verlieren den Überblick über offene Rechnungen. Die Beträge können sich schnell summieren - und die Betroffenen in die Schuldenfalle führen.
05.02.2026 | 0:43 minMia streamt auf ihrem Twitch-Kanal und präsentiert ihren rund 111.000 Followern die Zahl auf ihrem Smartphone: 2746,70 Euro. So hoch sind ihre Schulden durch das Bezahlverfahren "Buy Now, Pay Later" des schwedischen Finanzdienstleisters Klarna, einem der führenden Anbieter in diesem Bereich. Mia ist damit nicht allein: Schulden bei Klarna, Paypal und Co. sind mittlerweile so weit verbreitet, dass der Hashtag #klarnaschulden auf Instagram und TikTok trendet.
Große Reichweiten und lockerer Umgang mit Schulden auf Social Media könnten zu Verharmlosung des Problems führen, fürchten nicht nur Schuldnerberater und Verbraucherschützer.
Die Zahl von überschuldeten Menschen in Deutschland ist 2025 auf über 5,67 Millionen gestiegen. Das ist ein Anstieg von zwei Prozent - so das Ergebnis des "Schuldneratlas Deutschland".
14.11.2025 | 1:37 minWie funktioniert "Buy Now, Pay Later"?
Bei "Buy Now, Pay Later" (BNPL) erhält der Kunde die Ware sofort, bezahlt aber erst nach Ablauf einer Frist, in der Regel 14 oder 30 Tage, zinslos und gebührenfrei bei fristgerechter Zahlung. Möglich ist auch eine Ratenzahlung mit einer regulären Laufzeit von bis zu zwölf Monaten.
Laut einer Umfrage der Finanzaufsicht Bafin nutzen 20 Prozent aller Verbraucher in Deutschland regelmäßig BNPL-Angebote. Diese Zahlungsart bietet sich an, wenn man die Ware vor dem Bezahlen erst prüfen möchte. Oder wenn ein Gerät im Haushalt kaputt geht und dringend ersetzt werden muss - das nächste Gehalt aber noch auf sich warten lässt.
Im Moment des Kaufs unbezahlbare Wünsche wahr werden lassen - das geht mit "Jetzt kaufen, später bezahlen". Doch nicht selten folgt das böse Erwachen in Form von Schulden.
16.12.2024 | 1:52 minVerzögerte Bezahlmethode trickst die Psyche aus
Doch dieser Komfort birgt auch Gefahren. Weil das Geld nicht sofort vom Konto verschwindet, fühlt sich der Kauf "nicht echt" an. Oder so, als shoppe man mit geschenktem Geld. Das kann zu Impulskäufen verführen, die ein spontanes Bedürfnis befriedigen, ohne dabei gleichzeitig die Kosten vor Augen zu führen.
So geraten Nutzer von "Buy Now, Pay Later" in die Schuldenfalle
Wenn viele solcher Käufe zusammenkommen, oft noch bei verschiedenen Anbietern und mit unterschiedlichen Laufzeiten, geht schnell der Überblick verloren. 14 Prozent der von der Bafin befragten Verbraucher gaben an, dass ihnen das schon einmal passiert ist. Bei den Nutzern zwischen 14 und 29 Jahren sind es sogar 24 Prozent.
Zahlungsanbieter wie Paypal, Klarna und Co. sind vor allem eins: super bequem. Und für Kunden offenbar komplett kostenlos. Aber: Wie funktioniert dann deren Geschäft? Und zahlt man am Ende nicht doch was?
15.07.2024 | 17:23 minFinanzexperte Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kennt die Folgen: "Das Problem beginnt dann, wenn ich anfange, finanzielle Löcher zu stopfen". Da sei schnell der Punkt erreicht, an dem die Schulden- und Gebührenfalle zuschnappe.
Wird eine Forderung nur ein oder zwei Tage zu spät bedient, fallen Verspätungs- und Mahngebühren an. Klarna beziffert in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Höhe mit rund einem Euro pro Mahnung und gescheiterter Abbuchung. Betroffene berichten aber auch von höheren Beträgen.
Was sind Kredite und wie funktionieren sie? Alles über verschiedene Kreditarten.
08.10.2024 | 9:58 minZahlungsverzug kann zur Inkasso-Eskalation führen
Die vermeintlich geringen Gebühren verleiten dazu, den Zahlungsverzug zu ignorieren. Doch wenn Raten dauerhaft nicht bezahlt werden, übergeben die Anbieter ihre Forderungen an Inkasso-Unternehmen. Und dann explodieren die Kosten selbt für ursprünglich geringe Forderungen.
Wer nichts bestellt hat und trotzdem eine Rechnung bezahlen soll, ist vermutlich Opfer einer Betrugsmasche geworden. Was tun bei unberechtigten Rechnungen und Mahnungen von Onlinehändlern oder Inkassobüros?
18.03.2024 | 6:21 minFinanzdienstleister prüfen die Bonität ihrer Kunden
Finanzdienstleister wie Klarna oder Paypal prüfen in der Regel die Bonität ihrer Nutzer. Bei diesem sogenannten "Soft Check" handelt es sich um eine Risikoanfrage, die auf den persönlichen Daten des Kunden und seiner Kaufgeschichte basiert. Die Abfrage erfolgt innerhalb weniger Minuten, sodass der Kunde vom Check nichts mitbekommt.
Bei Ratenzahlungen über höhere Summen oder Laufzeiten von mehr als zwölf Monaten erfolgt in der Regel ein "Hard Check", bei dem eine Kreditanfrage an die Schufa gestellt wird. Laut Zerhusen ist hier Vorsicht geboten.
Ein abgelehnter Kreditantrag kann den Schufa-Score drastisch verschlechtern.
Christoph Zerhusen, Finanzexperte, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Wie streng die Bonitätsprüfung ausfalle, hänge vom Finanzdienstleister ab, so Zerhusen weiter. Auch ausbleibende Ratenzahlungen werden an die Schufa gemeldet.
Schuldenfallen bei Klarna, Paypal und Co. vermeiden
Um der Schuldenfalle zu entgehen, gebe es mehrere wirkungsvolle Tipps, so Verbraucherschützer Zerhusen. Einer der ältesten sei gleichzeitig ganz simpel.
Am besten ist es, ein Haushaltsbuch zu führen, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Christoph Zerhusen, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Darin sollten Einnahmen und Ausgaben aufgelistet werden. Erst wenn Fixkosten wie Miete oder Strom beglichen seien, könne man am Ende des Monats sehen, wie viel Geld noch übrig ist, um sich etwas Schönes zu gönnen.
Karsten Uwe Witt ist Redakteur der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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