Regierender Bürgermeister in der Kritik:Berlin: Wegner zieht Spitzenkandidatur für Wahl zurück
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verzichtet für die Wahl im September auf die Spitzenkandidatur. Als Grund nennt er die Kritik nach dem Stromausfall im Januar.
Kai Wegner wird bei der kommenden Wahl in Berlin nicht als CDU-Spitzenkandidat antreten.
Quelle: ImagoBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verzichtet auf die Spitzenkandidatur bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September. Der 53-Jährige begründete dies am Freitag damit, wegen der anhaltenden Kritik an seiner Kommunikation beim Stromausfall im Januar nicht mehr bei der Bevölkerung mit seinen Themen durchzukommen.
Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht, das war auch Mist.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister Berlins
Deshalb werde er den Kreisvorsitzenden der Berliner CDU am Freitagabend den Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklären.
Zudem will Wegner auch den Vorsitz des CDU-Landesverbandes aufgeben. Er wolle "selbstverständlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt" einen Wechsel beim Landesvorsitz herstellen, sagte er. "Die entscheidende Frage ist: Wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt?" Über das weitere Prozedere wolle er mit den Vorsitzenden der CDU-Kreisverbände beraten.
Nach seinen Aussagen zum Stromausfall steht Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner in der Kritik. Auch parteiintern wird diskutiert, ob er noch der richtige Kandidat für die Landtagswahl ist.
10.07.2026 | 1:59 minKai Wegner verschwieg Tennis-Stunde
Wegner ist seit April 2023 Regierender Bürgermeister in einer schwarz-roten Koalition. Schon kurz nach dem folgenreichen Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar, in dessen Folge 100.000 Menschen teils tagelang keinen Strom mehr hatten, geriet er in die Kritik.
Wegner verschwieg zunächst, dass er am ersten Tag der Krise mittags eine Stunde Tennis spielte. In den Tagen, Wochen und Monaten darauf kamen immer wieder Ungereimtheiten zu seinem Tagesablauf am 3. Januar ans Licht.
Jüngst nahm die Debatte darüber wieder Fahrt auf: Der "Tagesspiegel" zitierte am Dienstag die Senatskanzlei mit der Aussage, dass Wegner am 3. Januar vor 12.45 Uhr nicht dienstlich zu dem Blackout telefoniert habe. Er selbst hatte damals im Interview mit Welt TV gesagt, er habe "um 8:08 Uhr begonnen, Telefonate zu führen".
Eine Expertenkommission legt ihren Bericht zum großen Stromausfall in Berlin vor. Rund 100.000 Menschen im Südwesten der Stadt hatten bei dem Vorfall im Januar keinen Strom.
06.07.2026 | 0:23 minBerlins Regierender Bürgermeister bat um Entschuldigung
Wegner hatte einige Zeit nach dem Stromausfall Fehler eingeräumt und sich für seine Kommunikation zu dem Thema entschuldigt. Personelle Konsequenzen hatte er aber abgelehnt und sich im Juni mit knapp 93 Prozent zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Berlin-Wahl am 20. September wählen lassen. Die Opposition warf ihm schon länger Lügen vor, auch der Koalitionspartner SPD rückte mehr und mehr von ihm ab.
In Umfragen ist die CDU zuletzt auf den vierten Platz hinter Linke, AfD und Grüne abgerutscht und kam nur noch auf 17 Prozent.
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