Merz im Bundestag: "Wir sind kein Spielball von Großmächten"

Regierungserklärung:Merz: "Wir sind kein Spielball von Großmächten"

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Im Bundestag hat sich Kanzler Merz den Fragen der Abgeordneten gestellt und eine Regierungserklärung abgegeben. Dabei ging es vor allem um Verteidigungsausgaben und die Ukraine.

"Wir sind kein Spielball von Großmächten"

Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum kommenden EU-Gipfel (Europäischer Rat)

17.12.2025 | 27:15 min

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die hohen Verteidigungsausgaben Deutschlands gerechtfertigt und mit der veränderten sicherheitspolitischen Weltlage begründet. "Wir bewegen uns in einer Zeit, in der aus der vormaligen Weltordnung zunehmend eine Weltunordnung wird", sagte Merz bei seiner Regierungserklärung im Bundestag.

Wir dürfen nicht dabei zusehen, wie die Welt neu geordnet wird. Wir sind kein Spielball von Großmächten.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Deutschland sei zurück auf der internationalen Bühne, und dazu habe "die Verbesserung unserer Verteidigungsfähigkeit wirklich maßgeblich beigetragen", fuhr der Kanzler fort.

ZDF-Haupttadtkorrespondentin Henriette de Maizière zu den Ukraine-Friendensverhandlungen in Berlin und Friedrich Merz als Dealmaker.

Europa sitzt wieder mit am Verhandlungstisch, wenn über Frieden und Freiheit in der Ukraine verhandelt wird. Und Deutschland beweist: Es ist eine Führungsmacht.

16.12.2025 | 2:59 min

Wehrdienst: Merz schließt "verpflichtende Dienstzeit" nicht aus

Die Bundesrepublik habe ihren Verteidigungshaushalt deutlich erhöht und handle danach, selbst so stark zu sein, "dass uns niemand angreift". Es gehe darum, glaubhaft abzuschrecken. Merz erwähnte explizit den anhaltenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie auch wachsenden globalen Protektionismus. "Es liegt an uns selbst, ob wir aus diesem Epochenbruch mit neuer Stärke hervorgehen", sagte der Kanzler weiter.

Dabei betonte Merz auch, er wolle "spätestens im Jahr 2027" überprüfen lassen, ob sich genug Freiwillige zum neuen Wehrdienst melden. Falls die Zahlen nicht für die Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr genügten, "werden wir nicht umhinkommen, auch über eine verpflichtende Dienstzeit bei der Bundeswehr zu sprechen", so der CDU-Politiker . "Wir versuchen es auf der Basis von Freiwilligkeit und Attraktivität", betonte der Kanzler.

Aber wir müssen die Option offenhalten, es gegebenenfalls auch mit einer Wehrpflicht zu verbinden.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Verwüstung in der Ukraine

Die bislang entstandenen Kriegsschäden werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Wiederaufbau und Kriegshaushalt stellen die Ukraine vor Herausforderungen.

17.12.2025 | 1:25 min

Deutsche Truppen in der Ukraine? Für Merz keine einfache Frage

Mit Blick auf den europäischen Vorstoß für eine Truppe zur Überwachung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine ließ der Kanzler allerdings weiterhin offen, ob auch deutsche Soldaten beteiligt sein würden. Auf eine entsprechende Frage des AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier während der Regierungsbefragung sagte Merz:

Es gibt Fragen auf dieser Welt, die sind nicht so einfach, wie Sie sie sich vielleicht vorstellen, zu beantworten. Und diese Frage gehört dazu.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Man spreche über Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand, der mit Russland vereinbart werden müsse, ergänzte Merz. Solange er mitsprechen könne, werde man die Fehler des Jahres 2014 - mit dem damaligen Minsker Abkommen - nicht wiederholen, "die Ukraine ohne Sicherheitsgarantien weiter dem Zugriff von Russland ausgesetzt zu sehen".

Friedrich Merz

Friedrich Merz hat sich zu möglichen Sicherheitsgarantien der USA und Europa für die Ukraine geäußert. Und auch eine Reaktion im Falle russischer Angriffe angekündigt.

16.12.2025 | 0:46 min

Der Kanzler betonte, er werde beim EU-Gipfel in Brüssel an diesem Donnerstag keinen Zweifel daran lassen, dass man die Ukraine so lange wie notwendig gegen eine gewaltsame Veränderung ihrer Grenzen zu schützen. Mehrere europäische Staaten hatten sich nach zweitägigen Verhandlungen mit der Ukraine und den USA am Montag für eine von Europa geführte "multinationale Truppe für die Ukraine" ausgesprochen.

Nutzung russischer Gelder: Merz fordert "klares Signal"

Merz machte sich im Bundestag außerdem erneut dafür stark, die eingefrorenen russischen Staatsvermögen für die Ukraine zu nutzen.

Es geht bei dieser Frage um nicht mehr und um nicht weniger als um die europäische Sicherheit und Souveränität.

Friedrich Merz, Kanzler

Zugleich müsse "ein klares Signal an Russland" gesandt werden. Offenkundig müsse der Druck auf Kreml-Chef Wladimir Putin "noch weiter steigen um ihn zu ernsthaften Verhandlungen zu bewegen".

Eingefrorenes Russisches Vermögen

In Brüssel soll entschieden werden, ob russisches Staatsvermögen zur Finanzierung der Ukraine genutzt wird. Kanzler Merz erhöht den Druck, Belgien warnt vor Klagen und Vergeltung.

17.12.2025 | 2:35 min

Merz zu Mercosur: Stärken "europäischen Binnenmarkt"

Neben Ukraine-Krieg und der Sicherheit Europas war auch das Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ein Thema. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betont weiterhin seinen Widerstand, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni warnt vor einem überstürzten Abschluss.

SGS Goekdemir Bethmann

Deutschlands Wirtschaft verspricht sich viel vom EU-Mercosur-Abkommen, erklärte ZDF-Wirtschaftsexperte Bethmann im Herbst.

04.09.2025 | 1:59 min

Vor dem EU-Gipfel in Brüssel warb der Kanzler im Bundestag nun nachdrücklich für das geplante Freihandelsabkommen. "Die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union bemisst sich auch daran, ob wir nach 26 Jahren von Verhandlungen endlich in der Lage sind, dieses Handelsabkommen zu einem Abschluss zu bringen", sagte der CDU-Politiker.

Wir stärken mit diesem Abkommen den europäischen Binnenmarkt.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Diejenigen, die in der jetzigen Lage an großen Abkommen "kleinteilig herummäkeln", hätten die Prioritäten nicht richtig verstanden. Der Deal soll den Handel zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ankurbeln.

Quelle: dpa, Reuters, AFP
Die Regierungsbefragung und die Regierungserklärung von Merz hat phoenix am 17.12.2025 ab 14:00 Uhr übertragen, im Anschluss berichteten die heute-Sendungen ab 17:00 Uhr und 19:00 Uhr sowie das heute journal ab 22:15 Uhr. Über die Ukraine-Verhandlungen berichteten verschiedene Sendungen am 16.12.2025, etwa "Was nun, Herr Merz?" ab 19:20 Uhr und das heute journal ab 21:50 Uhr.

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