Europa zwischen den Großmächten:Konfliktforscherin Deitelhoff: "Es wird unangenehmer"
Donald Trump ordnet die Weltpolitik neu. Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff sieht Europa zwischen den Großmächten gefordert - neu sei vor allem der Verlust von Regelwerken.
Trump stellt die internationalen Beziehungen auf den Kopf. Kann Europa im Schatten von Großmächten überleben? Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff ordnet ein.
25.01.2026 | 6:04 minDie Weltordnung gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Großmächte wie die USA handeln immer mehr nach eigenem Gutdünken. Bleiben die kleinen oder mittleren Staaten auf der Strecke? Das sagt die Friedens- und Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff im heute journal ...
... zum Agieren der Großmächte in der Vergangenheit
Man müsse sich klar machen, dass das die meiste Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges "genauso gewesen ist", betonte Deitelhoff. "Die kleinen und mittleren Staaten haben irgendwie zusammengehalten, haben die Regeln so beachtet, wie sie sich das vorgestellt haben und haben immer schon ein bisschen damit gelebt, dass die Großmächte das anders gehandhabt haben." Jedoch hätten Regelwerke gut funktioniert.
Daher hat man viel Erfahrung damit, wie das ist, im Schatten der Großen überleben zu müssen - und das kann man auch.
Nicole Deitelhoff, Konfliktforscherin an der Goethe-Universität in Frankfurt
Venezuela, Grönland: US-Präsident Trump sucht nach neuen Einflusszonen. Statt der alten Weltordnung will er eine der Großmächte. Deutschland hält sich mit Kritik zurück - man braucht Trump.
11.01.2026 | 4:46 min... zum Auftreten von Donald Trump
Insgesamt machten sich die Europäer Illusionen darüber, wie es früher einmal war, sagte die Konfliktforscherin im heute journal. "Auch früher schon waren die USA sehr harsch zu Europa und haben ihren Willen durchgesetzt, je nachdem was ihre Interessen waren. Nur haben sie das nicht so offen getan, sie haben nicht damit angegeben, sich über alle Regeln hinwegzusetzen."
Das sei in den USA unter Donald Trump jetzt ganz anders. "Er prahlt ja geradezu damit, dass er sich nicht an Regeln hält. Er demütigt die alten Partner", betonte Deitelhoff. Darüber könne man nicht mehr hinwegsehen, sondern müsse offensiv Stellung beziehen, um "ein bisschen Stolz mitzunehmen". Aber eben auch, um zu verhindern, dass alles in die Brüche gehe, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde.
US-Präsident Trump erhebt Anspruch auf Grönland. Das zeige, wie sich die Weltordnung aktuell verändere, analysiert Peter Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King's College London.
10.01.2026 | 1:32 min... zur regelbasierten Weltordnung
Deitelhoff betonte im Interview, dass die Großmächte schon immer miteinander "irgendwie gedealt" und versucht hätten, ihren Willen durchzusetzen, "plus ein bisschen mehr". "Und dieses plus ein bisschen mehr ist das, was wir heute regelbasierte Ordnung nennen." An diese Regelwerke hätten sich die Großmächte bisher generell gehalten.
Das sei jetzt anders geworden:
Es wird unangenehmer, es wird offener.
Nicole Deitelhoff, Konfliktforscherin an der Goethe-Universität in Frankfurt
Europa müsse jetzt sehen, wie die Regeln, die es zur Erhaltung des Modells braucht, geschützt werden könnten.
... ist Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien Globaler Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt und Direktorin des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF). Sie lehrt und forscht zu innergesellschaftlichen Konflikten und wie politische Ordnungen versuchen, solche Konflikte einzuhegen.
... zum Bruch mit Russland
Mit Blick auf die Rede von Russlands Präsident Wladimir Putin bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, in der er scharfe Kritik an der Nato, einer monopolaren Welt und dem Umgang mit Russland übte, sagte Deitelhoff: "Viele haben, glaube ich, damals gedacht: 'Ach, mit Russland, das wird sich schon wieder einkriegen. Das sind alles kleinere Verstimmungen. Und mit der Zeit wird das alles weggehen.' Ist es nicht."
Auch Europa und die Nato hätten gedacht, dass man das "einfach so wegdrücken könne". "Nein. Putin hat immer schärfer auf Konfrontation gestellt und irgendwann war halt der Zeitpunkt erreicht, wo er es ganz offen getan hat, wo man eben, genau wie jetzt mit den USA, nicht mehr darüber hinwegsehen konnte. Wo man sich dem stellen muss."
Es ist ein Bruch da.
Nicole Deitelhoff, Konfliktforscherin an der Goethe-Universität in Frankfurt
Das Interview führte Marietta Slomka im heute journal.
Friedensforscherin Deitelhoff:Ukraine-Gespräche: "Wir sind näher dran als jemals zuvor"
mit Video11:06Unterzeichnungszeremonie in Davos:Trumps "Friedensrat" offiziell gegründet: "Aufregender Tag"
mit Video1:36- Analyse
Erstes Jahr in zweiter Amtszeit:Trump regiert ein Jahr: Amnesty sieht Menschenrechte bedroht
mit Video2:42- Interview
USA halten an Übernahmeplänen fest:Pistorius zu Grönland: "Nicht über jedes Stöckchen springen"
von Silas Thelenmit Video7:53 - FAQ
Völkerrechtler zu möglichem US-Angriff:Gewalt gegen Proteste in Iran: Dürften die USA eingreifen?
von Fabian Krause, Samuel Kirsch und Daniel Heymannmit Video1:42 - Interview
US-Präsident gegen die Weltordnung:Ex-Nato-Strategin: Trumps Grönland-Pläne sind Landraub
mit Video4:46 - Interview
Weltordnung im Umbruch:Neumann: "Trump will eine Welt der Großmächte"
mit Video1:32