US-Präsident gegen die Weltordnung:Babst: Trumps Grönland-Pläne sind Landraub
Ex-Nato-Strategin Stefanie Babst wirft Trump "Landgrab" und Erpressung vor. Europa dürfe sich bei Grönland nicht einschüchtern lassen – und müsse dem US-Präsidenten Grenzen setzen.
"Es geht nicht nur um Grönland": Ex-Nato-Strategien Stefanie Babst vergleicht Trump mit Putin und wirft ihm "Landgrab" vor.
Quelle: imago imagesZDFheute: Der Coup in Venezuela, nun die Begierde von US-Präsident Donald Trump nach Grönland: Was erleben wir hier gerade?
Stefanie Babst: Es geht um die weitere Zerschlagung der regelbasierten Ordnung. Es geht um die Etablierung einer eigenen westlichen Hemisphäre. Es geht um territoriale und Ressourcenerweiterung.
Und das alles mit dem ganzen Instrumentarium von Erpressung, Drohung, militärischer Gewalt, die die amerikanische Administration bereit ist zu nutzen.
Stefanie Babst, Politikberaterin und Ex-Nato-Strategin
ZDFheute: Mit Blick auf Grönland sind die Europäer und die Nato-Partner aufgeschreckt, bieten den USA nun an, gemeinsam die Sicherheit in der Arktis zu verstärken…
Trotz schwieriger Verhältnisse der Grönländer zu Dänemark - die Insel war früher dänische Kolonie: Zu den USA gehören will ein Großteil des jetzt überwiegend autonomen Landes auch nicht.
09.01.2026 | 2:31 minBabst: Es geht Trump nur vordergründig um Sicherheit. (…) Er möchte sich dieses Land, diese Landmasse tatsächlich einverleiben. Er möchte sie zum 51. Staat der Vereinigten Staaten von Amerika machen. Ob er das mit Geld tut oder mit militärischer Gewalt, das ist ihm relativ egal.
Aber zum 250. Jahrestag der USA, der ja im Juli mit großem Pomp gefeiert werden soll, wäre das ein perfektes Geschenk für Präsident Trump, das er es sich selbst macht.
Stefanie Babst, Politikberaterin und Ex-Nato-Strategin
Und ich glaube, er kann der Versuchung nicht widerstehen, seinen Anhängern dann zu erklären, seht her, ich habe eine riesige Landmasse mit dazugewonnen und ich bin der allergrößte Präsident, den die Vereinigten Staaten jemals in ihrer Geschichte gehabt haben.
Donald Trump hat Grönland im Visier. Nach dem US-Angriff auf Venezuela wächst die Sorge: Was kommt als Nächstes? Verleiben sich die USA nun Grönland ein?
08.01.2026 | 31:47 minZDFheute: Die Reaktion aus Berlin und Brüssel auf den Venezuela-Coup war eher zurückhaltend. Reicht das jetzt bei Grönland?
Babst: Die Forderung von Präsident Trump, Grönland entweder zu erobern oder zu kaufen, aber auf jeden Fall zu besitzen, ist Sprengstoff für das transatlantische Bündnis. Er greift damit ein Nato-Mitglied an, nämlich Dänemark, er greift damit das Bündnis in fundamentaler Form an.
Es geht nicht nur um Grönland, es geht darum, dass sich hier jemand aufmacht, um genauso wie Präsident Putin eine Art von "Landgrab" durchzuführen.
Stefanie Babst, Politikberaterin und Ex-Nato-Strategin
Ergo bin ich der Meinung, dass wir auch eine sehr fundamentale Antwort darauf geben müssen.
Der Klimawandel war lange Grönlands größte Herausforderung. Doch die USA erheben Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende Insel, Trump schließt einen Militäreinsatz nicht aus. Wie reagiert die EU?
08.01.2026 | 3:24 minZDFheute: Wie soll das gehen, wenn wir nach wie vor von den USA abhängig sind und auf Trump setzen mit Blick auf die Sicherheit Europas und der Ukraine?
Babst: Es ist ja nicht so, dass die Amerikaner nichts von uns hier in Europa wollen. Sie wollen nach wie vor, dass wir ihre Waffen kaufen. Sie wollen nach wie vor, dass wir ihre Technologie kaufen und nutzen. Sie wollen nach wie vor hier auch ihre militärischen Kräfte stationieren.
Also wir haben durchaus Hebel, die man dann auch einem amerikanischen Vertreter mal entgegenhalten könnte. Und zu sagen, wir lassen uns hier nicht in irgendeiner Form von einem Mafia-Präsidenten erpressen.
Stefanie Babst, Politikberaterin und Ex-Nato-Strategin
ZDFheute: Sie sagen, Schmeicheln und devotes Auftreten überzeugt Trump nicht…
Babst: Das sage ich in dem Wissen, dass wir natürlich wirtschaftliche Probleme haben, dass wir nicht in allen militärischen Bereichen unabhängig sind.
Aber ich plädiere sehr dafür, dass wir uns als Europäer und Kanadier nicht permanent kleinreden, dass wir immer der Meinung sind, wir sind schwach wie die - verzeihen Sie mir diesen Ausdruck - wie die Babys und können uns eine Welt, eine Zukunft ohne Amerika nicht vorstellen.
Stefanie Babst, Politikberaterin und Ex-Nato-Strategin
Wenn wir uns unseren europäischen Kontinent erhalten wollen, wenn wir unsere liberalen, freiheitlichen Lebensweisen erhalten wollen, wenn wir uns nicht permanent erpressen lassen wollen, dann müssen wir quasi den Rücken durchstrecken und sagen, nein, wir lassen uns hier nicht erpressen.
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10.01.2026 | 1:32 min
ZDFheute: Sollte sich die Nato auf eine Zukunft ohne die USA einstellen?
Babst: Der sogenannte europäische Pfeiler in der Nato ist ja ein Konstrukt, den es schon viele Jahre gibt, der sich auf einer politischen, aber auch auf einer militärischen Ebene deutlich verstärken müsste.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Europäer und Kanadier ihre politischen Diskussionen ein Stück weit mehr unter sich selbst führen sollten, wenn es nicht mehr möglich ist, im Nato-Rahmen zu 32 zu sitzen, weil man dem amerikanischen Nato-Vertreter da gar nicht mehr traut.
Das Gespräch führte Ines Trams, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
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