Wegen Trumps Politik:Ex-US-General appelliert: Gebt die USA nicht auf
Ex-US-General Ben Hodges sieht Trumps Grönland-Pläne als Machtdemonstration. Es gehe um Reichtümer unter dem Eis. Die Nato müsse reagieren und Europa mehr Selbstvertrauen zeigen.
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08.01.2026 | 40:27 minEs gebe nur eine Instanz, die seine weltweite Macht begrenze, erklärte US-Präsident Donald Trump kürzlich im Interview mit der "New York Times": "Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann."
Internationales Recht sei eine Frage der Definition. Seine Haltung ist nicht nur Rhetorik. Die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär, Trumps Besitzansprüche auf Grönland und die demonstrative Bereitschaft, militärische Mittel einzusetzen, sorgen weltweit für Verunsicherung.
Hodges: US-Regierung denkt in Einflusszonen
Der frühere US-General Ben Hodges sieht in Trumps Außenpolitik einen fundamentalen Kurswechsel. "Die Regierung denkt nicht mehr in Allianzen, sondern in Einflusszonen", sagt er bei ZDFheute live.
Es geht weniger um legitime Sicherheitsinteressen als um Machtdemonstration und Zugang zu Ressourcen.
Ben Hodges, Ex-US-General
Grönland sei dafür das deutlichste Beispiel. Offiziell gehe es der US-Regierung um nationale Sicherheit, tatsächlich aber um strategische Dominanz und Rohstoffe unter dem Eis.
... war für die US-Armee auf verschiedenen Positionen tätig, unter anderem bei mehreren Auslandseinsätzen. Zuletzt war er von 2014 bis 2017 Oberkommandierender der US-Landstreitkräfte in Europa. Der 67-Jährige lebt heute mit seiner Frau in Frankfurt am Main.
Experte: Militäreinsatz in Grönland wäre rechtlich problematisch
Ein militärisches Vorgehen in Grönland sei nicht nur unnötig, sondern rechtlich problematisch. "Wenn es ein gesetzeswidriger Befehl ist, muss ein Offizier dem widerstehen", so Hodges. Das Schwierige dabei sei jedoch, "sicher zu sein, ob das jetzt gesetzeswidrig ist als Befehl oder nicht". "Wir würden das amerikanische Gesetz verletzen, wenn wir das Bündnis, einen Bündnispartner angreifen würden."
Dass nun auch republikanische Senatoren im US-Kongress offen widersprechen, wertet Hodges als Hoffnungsschimmer. "Der Kongress, der wird jetzt vielleicht endlich seine Arbeit tun. Das gibt mir Hoffnung."
Im Interview mit der "New York Times" bekräftigte Trump, dass die USA Grönland besitzen müssten, nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern weil es "psychologisch notwendig für den Erfolg" sei.
Nach Trumps Angriff in Venezuela wächst in Grönland laut ZDF-Korrespondent Henner Hebestreit die Sorge vor der US-Regierung. Viele, vor allem junge Menschen, würden sich von Amerika abwenden.
08.01.2026 | 3:02 minEx-General: Nato "effektivstes Format" gegen Trumps Drohungen
Die Nato könnte das effektivste Format sein, mit Trumps Drohungen umzugehen, sagte Hodges bei ZDFheute live. In der Vergangenheit sei die Allianz immer in der Lage gewesen, Probleme zu lösen.
"Ich glaube, dass unsere deutschen und norwegischen und britischen Bündnispartner und andere, dass sie eine Rolle spielen werden. Und sie werden sagen: 'Lasst uns nicht die erfolgreichste Allianz in der Geschichte der Welt ruinieren.' Nicht wegen einer schrecklichen politischen Entscheidung, die einfach unnötig ist", bilanziert Hodges.
Europa müsse jedoch eigenständiger handeln, betont Hodges:
Ich bin es satt, dass die Europäer sagen, wir können das nicht machen.
Ben Hodges, Ex-US-General
Dabei solle Deutschland die Führung übernehmen - Führung solle jedoch nicht derjenige übernehmen, der am meisten redet, sondern der der Leistung bringt. "Und das ist die richtige Rolle für Deutschland."
"Ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, dass die Bundeswehr die beste Armee in Europa war", so Hodges. Natürlich habe sich seit den 1980er Jahren viel verändert, aber: "Ich glaube die beste Art und Weise, Krieg zu verhindern ist es zu beweisen, dass man bereit ist."
Hodges: Stärke kommt nicht nur vom Militär
Er habe in seinem Leben "noch nie einen Moment gehabt, in dem sich ein Präsident völlig ohne Grenzen gefühlt hat", sagte der frühere US-General bei ZDFheute live weiter. Da der Oberste Gerichtshof in den USA Donald Trump Immunität verliehen habe, denke der US-Präsident, niemand könne ihn belangen.
Deswegen seien die Zwischenwahlen im November so wichtig. Trumps Motto "Frieden durch Stärke" klinge gut, aber Stärke beinhalte nicht nur militärische Macht, sondern auch "starke Bündnispartner".
Echte Stärke kommt aus einer starken Gesellschaft und aus einem Militär, das eng zusammenarbeitet mit unseren Diplomaten, mit der zivilen Regierung und mit unseren Bündnispartnern.
Ben Hodges, Ex-US-General
"Gebt die USA nicht auf"
Die Vereinigten Staaten würden "noch lange bedauern", dass sie ihre Glaubwürdigkeit in der Welt verloren haben.
Wir werden hart dran arbeiten, das Vertrauen unserer Freunde wiederzugewinnen. [...] Gebt uns nicht auf.
Ben Hodges, Ex-US-General
Dieses Jahr feiern die USA ihr 250-jähriges Bestehen. Für Europa sei das nicht viel, aber die Vereinigten Staaten hätten viele schwierige Zeiten durchlaufen. Diese sei jetzt eine der schwierigsten.
Lange habe Amerika Europa politisch und finanziell unterstützt, sagt Hodges. Jetzt sei Europa gefragt - nicht um sich von Amerika abzuwenden, sondern um es an die gemeinsamen Werte zu erinnern, auf denen die transatlantische Partnerschaft beruht.
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.
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