Was Trumps Plan einer "Traum-Armee" für die Wirtschaft bedeutet

Analyse

Um 50 Prozent höhere Militärausgaben:Was Trumps Plan einer "Traum-Armee" bedeutet

von Dennis Berger

|

US-Präsident Donald Trump will die Militärausgaben der Vereinigten Staaten drastisch erhöhen. Während die Börse jubelt, warnen deutsche Ökonomen vor Lieferengpässen für Europa.

Donald Trump steht vor einem Mikro.

US-Präsident Trump will das Militär weiter ausbauen und die Verteidigungsausgaben stark anheben. Schon jetzt geben die USA deutlich mehr für Rüstung aus als alle anderen Staaten.

08.01.2026 | 1:47 min

Donald Trump treibt die Aufrüstung der Vereinigten Staaten voran. Wie der US-Präsident auf der Plattform Truth Social ankündigte, strebt er für das Jahr 2027 einen Verteidigungshaushalt von 1,5 Billionen US-Dollar an. Das entspräche einer Steigerung von mehr als 50 Prozent im Vergleich zu den für 2026 bewilligten 901 Milliarden Dollar.

Ziel sei es, eine "Traum-Armee" aufzubauen. Diese solle dem Land in "sehr unruhigen und gefährlichen Zeiten" Sicherheit bieten.

Dadurch können wir die "Traum-Armee" aufbauen, auf die wir schon lange Anspruch haben, und, was noch wichtiger ist, die uns Sicherheit und Schutz bietet, egal vor welchem Feind.

Donald Trump, US-Präsident

Finanzierung durch Zölle fraglich

Zur Finanzierung dieser historischen Summe verwies Trump auf seine Handelspolitik. Die Mehrausgaben seien durch Einnahmen aus umfassenden Zöllen "leicht bezahlbar", argumentiert der Präsident.

Wichtige Daten im Überblick
:Wie geht’s der US-Wirtschaft unter Trump?

Aktien-Crash, drohende Rezession, schlechte Stimmung: Wie geht es der US-Wirtschaft unter Präsident Donald Trump? Der Überblick in unseren Grafiken
von Robert Meyer
mit Video1:34
Donald Trump vor einer Grafik zum prognostizierten BIP, dahinter die US-Flagge

Ökonomen wie Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) äußern allerdings Zweifel an der Finanzierbarkeit der US-Pläne: Das hohe Haushaltsdefizit der USA könne einer "Traum-Armee" im Wege stehen, so Bardt, falls der Plan überhaupt "realistisch ist".

Ökonomen warnen: US-Industrie wird zum Nadelöhr

Deutsche Experten blicken auch mit Sorge auf die Pläne. Tenor: Wenn die USA ihre eigene Industrie mit Aufträgen fluten, bleibt möglicherweise für Europa kaum Kapazität übrig. Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) warnt:

Soweit Europa auf Lieferungen aus den USA angewiesen ist, kann daher der Aufwuchs in Europa gebremst werden.

Hubertus Bardt, IW Köln

Wenn US-Firmen primär die heimische Nachfrage bedienen, müssten die Europäer zwangsläufig eigene Kapazitäten aufbauen, sagt Bardt dem ZDF.

Bundesregierung und Industrie beraten zu Verteidigungsfragen

Die deutsche Industrie steckt in der Krise, doch die Rüstungsbranche boomt. Wirtschaftsministerin Reiche fordert, industrielle Stärken stärker mit dem Rüstungsbedarf zu verbinden.

02.12.2025 | 1:19 min

Der Ökonom Guntram Wolff, bis 2024 Chef der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sieht die Partner in der Nato vor einem strategischen Dilemma. Durch die massiven Investitionen werde die technische Überlegenheit der US-Waffenindustrie zwar weiter wachsen, doch auch die Lieferzeiten würden sich noch weiter verlängern.

Europäische Armeen stünden vor der Wahl: "Ob sie eher auf spät gelieferte, aber führende US-Technologie setzen wollen oder ob sie europäische Industrie bevorzugen wollen." Wolffs Urteil ist deutlich:

In der aktuellen geopolitischen Situation hielte ich es für einen schweren Fehler, wenn europäische Regierungen nicht verstärkt in ihre heimische Technologie investieren würden.

Guntram Wolff, Ökonom

Die US-Rüstungsindustrie werde für Europa paradoxerweise "weniger interessant", weil sie schlicht nicht liefern könne.

China ist näher als gedacht

Warum die USA ihren Vorsprung überhaupt so drastisch ausbauen wollen, erklärt Bardt mit einem Blick auf China. "Berücksichtigt man die Kaufkraft der Militärausgaben, dürfte China weiter an die USA herangerückt sein", analysiert Bardt. Da Produktion und Personal in China günstiger sind, erhalten sie für das gleiche Geld mehr militärische Schlagkraft. "Der amerikanische Anstieg der Ausgaben würde den Vorsprung wieder erheblich vergrößern", so der Ökonom.

der chinesische Präsident Xi Jinping vor einer Karte von China und Taiwan

Ende des vergangenen Jahres hat China eine großangelegte Militärübung um Taiwan begonnen. Dabei geht es nicht nur um die Insel, sondern auch um die USA und Japan. ZDFheute live erklärt den Konflikt.

29.12.2025 | 22:02 min

Bardt sieht einen weiteren Effekt: "Vermutlich dürfte der hohe amerikanische Anstieg insbesondere in innovative Bereiche gehen. Damit sind dann auch Innovations- und Wachstumseffekte für die zivile US-Wirtschaft verbunden." Europa müsse diesen Innovationswettlauf annehmen, um wirtschaftlich nicht den Anschluss zu verlieren.

Zuckerbrot und Peitsche für die Industrie

Die Ankündigung des Rekord-Budgets folgte auf eine scharfe Attacke Trumps gegen die US-Rüstungsindustrie. Zunächst hatte der Präsident Konzerne wie Lockheed Martin kritisiert: Sie würden Führungskräfte überbezahlen, anstatt in Produktion und Wartung zu investieren.

Trump drohte konkret damit, die Gehälter von Rüstungsmanagern auf fünf Millionen Dollar zu deckeln. An der Wall Street überwog nach einem kurzen Schock jedoch die Euphorie über das geplante Budgetvolumen; die Aktienkurse der großen Rüstungskonzerne legten deutlich zu. Auch auf dem deutschen Börsenparkett.

Dennis Berger ist Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.

Über dieses Thema berichtete die ZDFheute Xpress am 08.01.2026 um 07:30 Uhr sowie die Sendung heute um 17:00 Uhr.

Mehr zum Thema

  1. Grönland Militär

    Streit mit Dänemark:Grönland: USA drohen mit Militäreinsatz

    Video0:21

  2. Trump

  3. US President Donald Trump Returns to the White House
    Analyse

    USA beschlagnahmen russischen Öltanker:Was steckt hinter dem US-Vorgehen im Nordatlantik?

    Katharina Schuster, Washington D.C.
    mit Video2:05

  4. Leopard-Kampfpanzer