USA halten an Übernahmeplänen fest:Pistorius zu Grönland: "Nicht über jedes Stöckchen springen"
von Silas Thelen
Deutschland entsendet Soldaten nach Grönland: Ein "Erkundungsteam", erklärt Verteidigungsminister Pistorius im ZDF. Angesichts der Übernahmepläne der USA mahnt er zu Gelassenheit.
Die nach Grönland entsandten deutschen Soldaten seien ein Erkundungsteam, so Verteidigungsminister Pistorius. Die Europäer müssten zeigen, dass sie zu ihren Verpflichtungen stehen.
15.01.2026 | 7:53 minDeutschland entsendet Soldaten nach Grönland - nur einen Tag nach dem ergebnislosen Gespräch von Vertretern der Arktis-Insel und Dänemarks mit den USA in Washington über die Gebietsansprüche der Amerikaner. Für Boris Pistorius (SPD) ist die Entsendung der Bundeswehr "im Grunde genommen gar keine ganz neue Entwicklung". Das sagt der Bundesverteidigungsminister im heute journal.
Wir sind ja seit Jahren in der Arktis und im Nordmeer unterwegs, wir beteiligen uns an Übungen mit Kanada, Norwegen und Dänemark.
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
Nun gehe es darum, vor dem Hintergrund der "tatsächlich veränderten Sicherheitslage" in der Arktis als Nato-Länder Verantwortung zu übernehmen, so Boris Pistorius. "Was wir jetzt tun, ist zu erkunden, unter welchen Bedingungen wir überhaupt dort oben üben können. Mit den Dänen zusammen, mit anderen Nato-Partnern zusammen." Der Verteidigungsminister betont:
Die 13 oder 15 Soldaten sind ja nicht auf Grönland mit einem militärischen Auftrag, sondern sie sind als Erkundungsteam da.
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
Auf Einladung Dänemarks sind 13 Bundeswehrsoldaten nach Grönland geflogen. Gemeinsam mit Soldaten weiterer Nato-Staaten sollen sie die militärische Sicherheit der Arktisinsel überprüfen.
15.01.2026 | 1:57 minPistorius: Engagement der Nato - "Trump hin oder her"
Auftrag der entsendeten Soldaten sei es, Bedingungen wie die Unterbringung von Soldaten, deren Versorgung sowie die Instandhaltung von Material zu prüfen. Danach könne man innerhalb der Nato über anschließende Militärübungen diskutieren - "in der Luft, zu Wasser oder an Land". Pistorius betont dabei potenzielle Gefahren durch Großmächte abseits der USA:
Dabei geht es - Donald Trump hin oder her - vor allem um die Frage: Wie sichern wir die Arktis vor dem zunehmenden Hegemonialstreben Russlands und auch Chinas?
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
Wer die Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien beherrsche, der beherrsche den Zugang vom Nordatlantik, vom Nordmeer in den Atlantik und damit wichtige Seefahrtsrouten, betont der Minister.
Mehrere europäische Länder schicken Soldaten nach Grönland. Welche Aufgaben sie dort übernehmen können, erklärt ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
15.01.2026 | 1:10 minPistorius sieht kein Risiko der Konfrontation mit USA
Donald Trumps Drohgebärden gegenüber Grönland versteht Pistorius als "Teil seiner Mentalität", so der Minister. Grönland gehöre zum Nato-Territorium und die Amerikaner hätten bereits einen Stützpunkt sowie Verträge. Auf dieser Grundlage könnten die USA ihre Präsenz dort weiter aufbauen. Eine Konfrontation mit den USA riskiere man "natürlich nicht", so Pistorius.
Schon gar nicht mit 15 Soldaten, die einen Erkundungsauftrag haben.
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
Sorge vor einer tatsächlichen militärischen Intervention der USA in Grönland habe er nicht: "Ich sehe nicht, dass es nicht zu einer solchen Aktion kommt." Auch innerhalb der USA gebe es "Stimmen, die sich sehr deutlich dagegen wenden".
Die europäischen Länder planen einen Erkundungseinsatz auf Grönland. Was können die Soldaten dort überhaupt tun? Dazu ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
15.01.2026 | 1:06 min"Für Feinde der Nato ein gefundenes Fressen"
Ein militärischer Angriff der USA auf Nato-Gebiet sei "ein historisch einmaliger Vorgang und der hätte mit Sicherheit Folgen für das Bündnis." Doch es sei nicht sein Geschäft, die Botschaften anderer zu multiplizieren: "Ich glaube, uns tut Gelassenheit und Souveränität an der Stelle gut." Der Verteidigungsminister warnt jedoch:
Für die Feinde der Nato ist das ein gefundenes Fressen.
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
"Ich glaube wir wären gut beraten, nicht über jedes Stöckchen zu springen." Es sei falsch, sich permanent mit dem "Was wäre, wenn?" zu beschäftigen - vielmehr müsse man seine Arbeit machen, so Pistorius - "und das ist die Sicherung des Nato-Territoriums".
Trump poltert vor Verhandlungen in Washington
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt mit immer konkreteren Äußerungen einen angeblichen Anspruch der USA auf Grönland formuliert und sogar einen Militäreinsatz ins Spiel gebracht. Aufgrund des Drucks aus den USA waren der dänische Außenminister und die für Grönlands Außenpolitik zuständige Ministerin nach Washington gereist, um mit US-Vertretern zu beraten.
Kurz vor dem rund einstündigen Gespräch hatte Trump noch einmal nachgelegt: Alles andere, als dass Grönland in das Staatsgebiet der Vereinigten Staaten übergehe, sei "inakzeptabel". Bei dem Gespräch gab es kein Ergebnis - man sei sich einig, dass man sich uneinig sei, so Dänemarks Außenminister Rasmussen.
Neue Handelsrouten, Wirtschaftszweige und Rohstoffe. Militärpräsenz ist der Schlüssel, um Macht in der Arktis zu sichern.
15.01.2026 | 2:34 minUSA: Grönland strategisch wichtig - Dänemark schwach
Sein Interesse an Grönland begründet Trump öffentlich mit der strategischen Bedeutung der größten Insel der Welt, die sich zwischen den USA, Russland und Europa erstreckt und in den Polarkreis ragt. Trump behauptet zudem, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland angesichts der angeblich zunehmenden Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region zu schützen.
Auch der Reichtum an Rohstoffen dürfte ein Grund für das US-Interesse an der Arktis-Insel sein. Zusätzlich machen neue Schiffsrouten für internationale Handelswege an Grönland infolge des Klimawandels die Kontrolle über das Gebiet wertvoll.
Das Interview führte heute journal-Moderator Christian Sievers. Autor der Zusammenfassung ist Silas Thelen.
Mehr zu Grönland und den USA
USA und Dänemark weiter uneinig:Bundeswehr entsendet Erkundungsteam nach Grönland
mit Video2:32- Interview
Vizekanzler in Washington D.C.:Klingbeil: In Diskussionen mit USA "nicht wegducken"
mit Video6:30 Russlands Ambitionen in der Arktis:Warum Trumps Grönland-Pläne für Putin ein Problem sind
von Sebastian Ehmmit Video2:31Insel der Begehrlichkeiten:Wie sich Grönland gegen amerikanische Kauf-Ambitionen wehrt
Henner Hebestreit, Nuukmit Video2:31