Russlands Ambitionen in der Arktis:Warum Trumps Grönland-Pläne für Putin ein Problem sind
von Sebastian Ehm
Bereits seit Jahren legt Russland einen besonderen Fokus auf die Arktis. Trumps Grönland-Pläne stehen den Ambitionen des Kreml entgegen. Doch Putin verhält sich auffallend still.
Die Arktis ist für den Kreml eine strategische Region. Nicht nur reich an Bodenschätzen, sondern von Bedeutung für die Gewährleistung der Sicherheit Russlands.
14.01.2026 | 2:31 minBeim russischen Staatsfernsehen fahren sie zur Illustration der Macht russischer Eisbrecher das ganz große Besteck auf. Stolz präsentiert Moderator Witalij Jelisejew vor einem Greenscreen die neueste Generation Eisbrecher für die Arktis. Diese Flotte sei westlichen Schiffen weit überlegen. Atombetrieben könne dieser Koloss "bis zu drei Meter dickes Eis durchbrechen, ohne Geschwindigkeit zu verlieren."
Für Russland Fluch und Segen zugleich
Die Arktis, das die Botschaft, ist seit jeher russische Einflusssphäre. Hier kennt man sich aus, hier hängt man alle anderen ab. Tatsächlich ist Russland der mit Abstand größte Anrainer-Staat der Arktis. Tausende Kilometer Grenze hat das Land nach Norden.
Nördliche Handelsrouten und Rohstoffe wecken das geopolitische Interesse der Großmächte an der Arktis. Auch Russland will seine Präsenz dort ausbauen.
28.03.2025 | 1:29 minImmer öfter ist das Polarmeer eisfrei, was für Russland Fluch und Segen zugleich ist. Denn bisher war das ewige Eis eine natürliche Grenze. Moskau hatte aus dem Norden nichts zu fürchten.
Kreml verhält sich bei Grönland auffallend still
Doch mit dem Klimawandel eröffnet sich jetzt eine Grenze, die es zu verteidigen gilt. Und, dass jetzt die USA mit ihren Grönland-Ambitionen Richtung Polarregion drängen, sieht der Kreml zwar sehr kritisch, hält sich aber mit aggressiver Rhetorik bisher zurück. Das liegt vor allem daran, dass man Trump nicht verärgern will. Schon bei der Festsetzung des Putin-Verbündeten Maduro verhielt sich der Kreml auffallend still.
Diese Zurückhaltung dürfte damit zu erklären sein, dass Putin in der wichtigen Phase der Ukraine-Verhandlungen keine weiteren Konfliktherde mit Washington aufmachen will. Alles wird dem Erfolg im Ukraine-Krieg untergeordnet. Trotzdem ist man im Kreml beunruhigt über Trumps Grönland-Pläne. Auf dem Arktis-Forum im März warnte Wladimir Putin vor den Expansionsplänen.
Uns beunruhigt die Tatsache, dass die NATO-Staaten den hohen Norden immer häufiger als mögliches Konfliktgebiet betrachten. Sie üben dort den Einsatz von Truppen unter diesen Bedingungen.
Wladimir Putin, Präsident Russland
Seit Jahren ist die Arktis ein zentraler Baustein der russischen Machtpolitik. Schon 2019 stellte Putin seine Strategie bis 2035 vor. Es geht um die Erschließung von Rohstoffen, wie Öl, Gas und seltene Erden, um neue lukrative Schiffsroute durch das immer öfter eisfreie Polarmeer und den Aufbau neuer militärischer Stützpunkte.
Massive Arktis-Investitionen nötig
Vor allem die Nord-Handelsroute soll Russland eine neue globale Machtposition im internationalen Handel verschaffen. So könnten Schiffe, die aus Fernost, vor allem aus China, kommen mit dieser Route Zeit und Geld sparen. Doch dafür bräuchte es massive Investitionen in die Infrastruktur.
Für Russland hat die Arktis größte strategische Bedeutung. Das Land erweitert seine militärischen Machtansprüche in der Region, auch wegen der immensen Bodenschätze unter dem Eis.
19.05.2021 | 2:22 minIlja Schumanow leitet die russische Expertengruppe Arctida. Er lebt im Exil, auch weil er den Kreml für sein Vorgehen in der Arktis kritisiert. Die Umwelt werde zerstört und Infrastrukturprojekte durch Korruption verschleppt. Vor allem deswegen verlassen tausende Russen die Region.
„Die Klimaagenda ist wegen der Sanktionen auf der Prioritätenliste bereits weit nach unten gerutscht. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die sozioökonomischen Entwicklung der Arktis: Warum? Weil die russische Bevölkerung in der Arktis innerhalb von 20 Jahren 20 % ihrer Bevölkerung verloren hat.“
Ilja Schumanow, Arktis-Experte
Diesen Trend will Wladimir Putin stoppen. Für seine Pläne einer Nord-Handelsroute braucht er neue, moderne und größere Häfen und vor allem Menschen, die dort arbeiten wollen. Doch das kostet viel Geld. Geld, das der Kreml gerade eher in die Rüstung und die Bezahlung seiner Soldaten steckt. Seit fast vier Jahren führt Putin nun schon Krieg in der Ukraine, weswegen er seine Arktis-Ausbaupläne nicht mit voller Kraft verfolgen kann.
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