Grönland: Kommt ein Nato-Einsatz mit deutschen Soldaten?

Wadephul spricht von "Stationen an Land":Sind bald deutsche Soldaten auf Grönland?

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Dass es US-Präsident Trump auf Grönland abgesehen hat, hat er klar gemacht. Wohl auch um ihn zu besänftigen, soll es jetzt Pläne für einen Nato-Einsatz in der Arktis geben.

Wadephul in USA

Außenminister Wadephul habe beim Treffen mit seinem US-Amtskollegen Rubio den Vorschlag eingebracht, "diese Sicherheitsinteressen auf Grönland im Rahmen der Nato zu gewähren", berichtet ZDF-Korrespondent Andreas Kynast.

13.01.2026 | 2:40 min

Eine Sache scheint mittlerweile klar: In Zukunft werden mehr Soldaten auf und um Grönland stationiert werden. Die Frage ist nur, wer sie entsendet. Die Drohungen der USA, Grönland entweder zu kaufen oder sogar militärisch einzunehmen, haben wohl auch in Europa dafür gesorgt, Grönland stärker schützen zu wollen - im Zweifel auch vor den Amerikanern.

Medienberichten zufolge bereitet die Nato, wohl auch auf Initiative von Deutschland, eine neue Mission in der Arktis vor. Diese soll ähnlich wie "Baltic Sentry", die gemeinsame Überwachungsmission in der Ostsee, funktionieren. Aktuell ist der Name "Arctic Sentry" im Umlauf.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich während seiner Indien-Reise optimistisch, dass sich auch die Amerikaner an einer stärkeren Nato-Präsenz um Grönland beteiligen würden. In welchem Umfang, würden "die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen".

USA, Washington: Johann Wadephul (CDU), Außenminister, wartet auf den US-Handelsbeauftragten Greer für einen Treffen.

Am Rande seiner Reise in die USA spricht sich Außenminister Johann Wadephul für eine stärkere militärische Präsenz auf Grönland aus. Dazu würden auch "Stationen an Land" gehören, so Wadephul.

13.01.2026 | 1:05 min

Wadephul spricht von "Stationen an Land"

"Was wir militärisch ganz genau machen, das müssen wir erst einmal beraten", sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) dem ZDF. Es gehe jetzt darum, in "verschiedenen Dimensionen" eine "neue Präsenz zu zeigen".

Das fängt im Wasser an. Aber dazu gehören selbstverständlich auch Stationen an Land auf Grönland möglicherweise dazu und natürlich auch Aktivitäten in der Luft.

Johann Wadephul (CDU), deutscher Außenminister

Wadephul sprach zudem von einer "neuen, sicherheitspolitischen Dimension" der Arktis. Er nehme ein "verstärktes Engagement von Russland und China" wahr. "Damit muss man umgehen", so Wadephul.

Nato-Generalsekretär: "Komplette Einigkeit" bei Arktis

Auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellte eine aktivere Rolle des Militärbündnisses in Grönland in Aussicht. Es gäbe eine "komplette Einigkeit" in der Nato, wenn es darum gehe, die arktische Region besser zu schützen, so Rutte auf einer Podiumsdiskussion der "Renew Europe"-Fraktion. Kein Wort zu den Drohungen der Amerikaner.

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Angesprochen auf eine mögliche "Arctic Sentry"-Mission sagte er, dass man in nächster Zeit "weitere Diskussionen" zwischen den Bündnispartnern erwarten dürfe, was die "nächsten Schritte" in der Verteidigung der Arktis sind.

Stärkere Präsenz könnte zwei Vorteile bringen

Tobias Cremer, der für die SPD im Europäischen Parlament sitzt und dort auch für die Verbindung zur Nato zuständig ist, hält eine stärkere europäische Präsenz auf Grönland aus zwei Perspektiven für sinnvoll. Auf der einen Seite müsse man Trump "beim Wort nehmen", wenn er sein Interesse an Grönland besonders mit Sicherheitsinteressen begründet.

Er finde es "gut" darüber zu sprechen, dass wieder "mehr militärische Präsenz" auf Grönland kommt, sagte Cremer am Dienstag. Wichtig sei, dass es da jetzt schnelle Fortschritte gebe.

Wenn die Amerikaner mit an Bord wären, wäre das umso besser.

Tobias Cremer (SPD), Mitglied des EU-Parlaments

Sollte die Sicherheitspolitik aber nur ein "vorgeschobener Grund" der Amerikaner sein und gehe es ihnen nur "um die Annexion der Annexion wegen", würde eine stärkere Präsenz europäischer Truppen auf Grönland die "Hemmschwelle der USA" weiter erhöhen, so Cremer.

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AfD und SPD stützen Sicherheitsargument der USA

Bei einer stärkeren Präsenz von Europa und Deutschland in der Arktis gibt es auch in Deutschland überraschende Einigkeit. So teilt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Falko Droßmann auf ZDFheute-Anfrage die "amerikanische Sicht", dass Grönland "besser geschützt werden muss".

Laut AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen sollten die "europäischen Nato-Länder" jetzt damit beginnen, "ihre eigenen sicherheitspolitischen Interessen wahrzunehmen".

Der Schutz Grönlands vor russischer oder chinesischer Vereinnahmung liegt eindeutig auch im deutschen Interesse.

Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion

Uneinig sind sich beide aber in der Bewertung der US-amerikanischen Drohungen gegenüber Grönland und Dänemark. Lucassen ordnet diese eher "als Teil der Verhandlungsrhetorik" der Trump-Regierung ein, damit die "schlafmützigen Europäer" dem Thema "mehr Aufmerksamkeit" schenkten.

Bundesaußenminister Johann Wadephul, CDU, im Berlin-direkt-Interview

Vor seinem Besuch in Washington betonte Außenminister Wadephul, die Entscheidung, "was mit Grönland geschieht", träfen "die Grönländerinnen und Grönländer" sowie Dänemark selbst.

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Droßmann von der SPD vermutet eher "innenpolitische Gründe" für das Vorgehen von Trump.

Gegenüber der eigenen Bevölkerung kann er das als Großmacht, die sich einfach nimmt, was sie will, gut verkaufen.

Falko Droßmann, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

Angesichts der angespannten Lage um Grönland ist abzusehen, dass sich die Europäer bemühen werden, so schnell wie möglich zu handeln. Auch wenn das heißt, dass sich einige Soldaten in Zukunft etwas wärmer anziehen müssen.

Johannes Lieber berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem das ZDF-Mittagsmagazin am 13.01.2026 ab 12 Uhr.

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