Vizekanzler in Washington D.C.:Klingbeil: In Diskussionen mit USA "nicht wegducken"
Vizekanzler Klingbeil will sich bei Streitpunkten mit der US-Regierung "nicht wegducken". Bei seiner US-Reise verurteilt der Finanzminister militärische Drohungen der USA scharf.
"Ich möchte ein enges und starkes transatlantisches Verhältnis, aber dafür müssen beide Seiten jetzt arbeiten", sagt Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) bei seinem USA-Besuch.
12.01.2026 | 6:30 minVizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will sich in Debatten mit der US-Regierung angesichts zunehmender Differenzen "nicht wegducken". "Ich habe deutlich gemacht, dass es viele Punkte gibt, die wir zu klären haben", sagt der Vorsitzende der SPD. "Das fängt bei Grönland an, das geht über andere Fragen, die uns in diesen Tagen beschäftigen." Er wolle ein enges und starkes transatlantisches Bündnis. "Aber dafür müssen beide Seiten jetzt arbeiten", so Klingbeil.
Im Interview mit dem ZDF heute journal spricht der Finanzminister über den US-Angriff auf Venezuela, die Interessen der USA in Grönland und erklärt, wie die Zukunft des transatlantischen Bündnisses aussehen könnte.
Sehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Klingbeil zu …
... dem US-Angriff auf Venezuela
"Ich bin jemand, der sehr viel Wert darauf legt, dass wir internationales Recht hochhalten", sagt der Vizekanzler mit Blick auf den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro. Diese Haltung habe Deutschland im internationalen Kontext immer stark gemacht, betont Klingbeil.
Und deswegen war es auch wichtig, dass wir deutlich machen: Hier wurde Völkerrecht gebrochen. Und diese Kritik habe ich in den USA auch formuliert und werde das weiter tun.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)
Man solle den USA zwar die Hand ausstrecken, "aber wir müssen auch deutlich sein in der Haltung und wir müssen auch klar sein, wenn wir etwas falsch finden", sagt der SPD-Chef.
Sonst bringt so ein transatlantisches Bündnis auch nichts.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)
In angespannten Zeiten reisen gleich zwei deutsche Minister nach Washington. Wadephul trifft US-Außenminister Rubio, Klingbeil nimmt an einem Treffen mehrerer Finanzminister teil.
12.01.2026 | 2:17 min... den Plänen der USA in Grönland
"Die Zukunft Grönlands, darüber entscheiden die Menschen, die in Grönland leben, darüber entscheidet Dänemark", sagt Klingbeil. Das habe er auch in persönlichen Gesprächen mit US-Vertretern "sehr deutlich gemacht".
Wir sollten als internationale Partner die Souveränität und die Integrität von Staaten anerkennen. Und das erwarte ich auch von der amerikanischen Seite.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)
Venezuela, Grönland: US-Präsident Trump sucht nach neuen Einflusszonen. Statt der alten Weltordnung will er eine der Großmächte. Deutschland hält sich mit Kritik zurück - man braucht Trump.
11.01.2026 | 4:46 minEs gehe nun vor allem darum zu klären, wo es gemeinsame Interessen und wo es Streitpunkte gibt, so der Vizekanzler.
Aber dann sollte man sich nicht wegducken in den Diskussionen.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)
"Geht es um Sicherheitsinteressen? Geht es um Zugang zu Rohstoffen? Beides sind ja Dinge, wo es durchaus in den letzten Jahren auch Bewegung gab", sagt Klingbeil mit Blick auf die US-Pläne in Grönland. Mit der Nato habe man eine Plattform, um über gemeinsame Sicherheitsinteressen zu sprechen und zu Lösungen zu kommen, gibt sich der Vizekanzler optimistisch.
US-Präsident Trump erhebt weiter Anspruch auf Grönland. Das Problem bei Trump sei, dass man nicht wisse, ob seine Skurrilität ernstzunehmen sei, ordnet Sicherheitsexperte Christian Mölling ein.
12.01.2026 | 3:43 min... der Zukunft des transatlantischen Bündnisses
Es gebe viele Überschneidungen mit den USA. So habe man sich etwa über ein gemeinsames Vorgehen in der Ukraine verständigt, betont der SPD-Chef. Zudem lobt Klingbeil die gemeinsamen Anstrengungen bei der Rohstoffbeschaffung: "Wir hatten heute ein gutes Treffen unter den internationalen Finanzministern über eine gemeinsame Strategie beim Thema Rohstoffe, beim Thema seltene Erden." Er sei dafür, Kooperation und gemeinsame Interessen mit den USA auszuloten und daran zu arbeiten.
Aber das, was nicht passieren darf, ist, dass man unter internationalen Partnern sich droht, dass man sogar mit dem Einsatz militärischer Gewalt droht. Und das muss dann auch von Europa, von Deutschland deutlich zurückgewiesen werden.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)
Man müsse jede Möglichkeit nutzen, um der amerikanischen Seite deutlich zu machen, dass "der Schaden eines transatlantischen Streits, eines Gegeneinanders, der ist am Ende für alle Seiten größer als die transatlantische Kooperation", betont Klingbeil. Das sei die Botschaft der Bundesregierung. "Und ich setze darauf, dass wir am Ende mit guten Argumenten auch überzeugen können."
Das Interview führte Christian Sievers, zusammengefasst hat es Niklas Landmann.
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