Sicherheitsexperte:Mölling: Trump nutzt Angst als Verhandlungstaktik
Sicherheitsexperte Christian Mölling erklärt, warum Trump mit seinen Drohgebärden Erfolg hat. Und fordert, dass Europa lernt, eigene Stärke zu zeigen.
Sehen Sie hier das Interview mit Sicherheitsexperte Mölling in voller Länge.
12.01.2026 | 3:43 minDie Insel ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, und US-Präsident Donald Trump will sie unter Kontrolle der Vereinigten Staaten von Amerika bekommen: Grönland. Dabei schließt er auch militärische Mittel und wirtschaftlichen Zwang nicht aus.
Die größte Insel der Erde hat eine große strategische Bedeutung, erklärt Trump und verweist auf eine zuletzt große Präsenz von russischen und chinesischen Schiffen in der Region. Geht es Trump wirklich um die Sicherheit und welche Rolle spielt die Europäische Union? Darauf hat der Sicherheitsxperte Christian Mölling Antworten.
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Im Interview mit dem ZDF-Mittagsmagazin betont Mölling, Direktor der Denkfabrik "European Defense in the New Age", dass ...
... es unklar ist, ob es Trump wirklich um Rohstoffe gehe
Der Sicherheitsexperte sieht in der jüngsten Grönland-Debatte viele offene Fragen, offen sei auch, worum es Trump bei Grönland genau gehe. "Wir rätseln alle noch ein bisschen, was es tatsächlich ist", sagt er. Zwar seien die angesprochenen Punkte nicht neu, auch habe Washington grundsätzlich alle Möglichkeiten.
Nach Ansicht Möllings sei deshalb unklar, ob es den USA wirklich um Rohstoffe gehe oder ob die Trump-Administration die Zusammenhänge schlicht nicht vollständig verstanden habe. Zudem erkenne er eine bewusste Strategie:
Man legt erst einmal alles inklusive der militärischen Möglichkeiten auf den Tisch, um den anderen, in diesem Fall den Europäern, Angst zu machen und bessere Verhandlungsmöglichkeiten zu erzielen.
Christian Mölling, Sicherheitsexperte
... es den Europäern an militärischen Fähigkeiten mangele
Trump liege mit seiner Warnung vor sicherheitspolitischen Risiken in der Arktis nicht völlig falsch. "Also er hat einen Punkt damit", sagt der Sicherheitsexperte. Das Thema sei innerhalb der Nato bereits früher, auch durch Trump selbst, auf die Agenda gesetzt worden, gemeinsam mit der Frage nach Chinas Rolle.
... leitet das Programm "Europas Zukunft" für die Bertelsmann Stiftung in Berlin. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
Die Europäer, so Mölling, könnten zwar mehr tun, doch mangele es ihnen in vielen Bereichen an militärischen Fähigkeiten. "Es ist ein riesen Gebiet, das man hier überwachen müsste", betont er. Außerdem fehle bisher eine gemeinsame Vorstellung, wie der Westen künftig mit Russland und China in der Region umgehen wolle.
Nach seinen Worten nähmen deren Aktivitäten bereits zu, "dadurch, dass das Polarmeer, das Polareis abschmilzt und damit mehr Passagen und längere Zeit lang übers Jahr verteilt möglich werden".
Neben Sicherheitsinteressen gehe es den USA auch darum, "die Macht zu haben, die Rohstoffe auch in Grönland selber zu kontrollieren"- so Elmar Theveßen ZDF-Korrespondent in Washington.
12.01.2026 | 1:26 min... Washington die Kontrolle über Grönland will
Der jüngste Vorschlag aus den USA, jedem Einwohner Grönlands Geld zu zahlen, zeige vor allem eines: die Unberechenbarkeit von Donald Trump.
Ich glaube, das ist das große Problem, dass wir bei Trump nicht wissen, ob seine Skurrilität ernst zu nehmen ist. Wahrscheinlich müssen wir sie ernst nehmen, aber vielleicht nicht wortwörtlich.
Christian Mölling, Sicherheitsexperte
Hinter solchen Ideen stehe seiner Einschätzung nach ein klarer Wunsch Washingtons, "die Kontrolle über Grönland zu bekommen". Zugleich fordert er ein strategisches Umdenken in Europa. Jetzt seien die Europäer gefragt, nicht nur in diesem Fall, sondern auch in Konflikten wie in Venezuela oder in Iran.
Mölling betont, die zentrale Frage sei, "wie wollen die Europäer sich eigentlich dafür in Zukunft aufstellen". Ein bloßer Hinweis auf das Völkerrecht helfe dabei "überhaupt nicht, wenn man nicht in der Lage ist, das durchzusetzen".
Der US-Militäreinsatz in Venezuela sei ein Verstoß gegen die im Völkerrecht festgelegte "territoriale Souveränität und politische Unabhängigkeit", sagt der Völkerrechtler Christoph Safferling.
05.01.2026 | 5:32 min... EU-Sanktionen gegen Iran kein wirksames Mittel sind
Die von der EU geplanten Sanktionen gegen Iran seien kein wirksames Mittel, schätzt Mölling ein. "Ich glaube, in der jetzigen Situation, wo wir es ja mit einem akuten Aufflammen der Proteste zu tun haben, die Gewalt an niedergeschlagen werden, kann das überhaupt nicht helfen", sagt er.
Obwohl die Führung Irans eine strikte Internetsperre verhängt hat, schaffen es Videos in die Sozialen Medien. ZDFheute hat überprüft, ob die Aufnahmen authentisch sind.
12.01.2026 | 1:42 minMölling zieht Parallelen zur Grönland-Frage: "Es ist im Grunde genommen, kann man so sagen, wie bei der Situation rund um Grönland." Europa habe die bestehenden Probleme zu lange ignoriert, während die Amerikaner Themen wie Iran oder die Arktis immer wieder auf die Agenda setzten.
Nach Einschätzung des Sicherheitsexperten geschieht das, weil die Europäer keine eigenen Alternativen anbieten. "In Grönland droht das jetzt gerade und in Iran droht es auch", warnt Mölling.
Das Interview führte Mirjam Meinhardt, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.
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