Wadephul in Washington: Vortäuschen von Normalität

Krise zwischen Deutschland und den USA:Wadephul in Washington: Vortäuschen von Normalität

Andreas Kynast

von Andreas Kynast

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Inmitten beispielloser Spannungen reist Außenminister Wadephul nach Washington und New York. Mit Kritik an der Trump-Regierung tut er sich schwer.

Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister, aufgenommen im Rahmen einer Veranstaltung der Muenchener Sicherheitskonferenz in Berlin, am 11.12.2025.

Außenminister Wadephul reist in die USA und trifft sich dort mit Vertretern der Trump-Regierung. Auch wegen SPD-Aussagen sei die Reise "interessant", so ZDF-Korrespondent Kynast am Sonntagmittag.

11.01.2026 | 1:06 min

Es gibt Sätze, die Politikern nachlaufen. Manche für immer. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat so einen Satz gesagt, als er den US-Militäreinsatz in Venezuela kommentieren sollte.

Warum er seit Tagen der Frage ausweiche, ob dieser Angriff nun völkerrechtswidrig war oder nicht, wollte der Moderator des Deutschlandfunks von Wadephul wissen. Er sei doch Jurist und müsse die Rechtmäßigkeit einschätzen können. Dermaßen gelöchert, entfuhr dem Minister eine erstaunliche Erwiderung:

Ich leite nicht das Institut für Internationales Recht, sondern das Auswärtige Amt.

Johann Wadephul (CDU), Außenminister

Es war ein überraschend offenes Bekenntnis, erst recht für den Chefdiplomaten eines Landes, das seit vielen Außenminister-Generationen Wert auf moralische Eindeutigkeit legt. Bei der Bewertung Russlands, Chinas oder Nordkoreas hat die Bundesrepublik noch nie rechtliche Zweifel geltend gemacht. Aber bei den USA soll die Lage plötzlich komplex sein - und das Außenministerium kein Rechtsseminar.

Bundesaußenminister Johann Wadephul, CDU, im Berlin-direkt-Interview

Bundesaußenminister Johann Wadephul im Interview mit Berlin Direkt.

11.01.2026 | 2:50 min

USA verurteilen Deutschland

Auf der anderen Seite des Atlantiks wird keine Rücksicht genommen - im Gegenteil. So gut wie jedes Mitglied der Trump-Regierung hat Deutschland inzwischen mindestens einmal angeherrscht. So wirft Vizepräsident Vance der deutschen Justiz eine "orwellsche" Zensur vor, Außenminister Marco Rubio sieht wegen des Umgangs mit der AfD eine "Tyrannei" entstehen und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr. bezichtigt deutsche Gerichte, die über gefälschte Masken-Atteste verhandeln, einer "politisch motivierten Strafverfolgung".

In ihren Entgegnungen weist die Bundesregierung zwar Falschaussagen zurück, beschwört aber gleichzeitig die transatlantische Partnerschaft, lobt das Engagement des US-Präsidenten und täuscht eine Normalität vor, die es nicht mehr gibt - und vielleicht nie wieder geben wird.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy hat die deutsche Bundesregierung im Hinblick auf ihren Umgang mit der Corona-Pandemie kritisiert. Gesundheitsministerin Warken weist die Vorwürfe zurück.

11.01.2026 | 0:32 min

Wadephul trifft Rubio

"Natürlich gibt es auch zwischen engen Partnern immer wieder unterschiedliche Sichtweisen," beschwichtigt Außenminister Wadephul auch vor seiner Abreise nach Washington und New York: "Sie sollten aber nicht dazu führen, dass wir das große Ganze aus dem Blick verlieren." Die Unterschiede will Wadephul "im Dialog bearbeiten", um "unserer gemeinsamen Verantwortung" gerecht zu werden.

Mit dieser Überzeugung wolle er in Washington mit US-Außenminister Marco Rubio sprechen, erklärt Wadephul. In New York werde er mit UN-Generalsekretär António Guterres zusammenkommen.

Außenminister Johann Wadephul steht neben seinem US-Amtskollegen Marco Rubio beim Treffen im State Department bei seinem Antrittsbesuch in den USA.

Außenminister Wadephul ist für seinen Antrittsbesuch in die USA gereist und traf sich dort mit Amtskollege Rubio. Man wolle sich mit Blick auf die Ukraine-Politik eng abstimmen.

28.05.2025 | 9:27 min

Solidarität mit Grönland

Der einzige Griff Trumps, den die Bundesregierung mit zunehmender Deutlichkeit zurückweist, ist der nach Grönland. Wenn Wadephul nach den Drohungen aus Washington gefragt wird, antwortet er mit einem Satz, der zu jeder Weltkrise passt. Und den er, wenn er wollte, auch zum US-Vorgehen in Venezuela sagen könnte:

Die in der UN-Charta festgeschriebenen Prinzipien der Souveränität, der territorialen Integrität und der Unverletzlichkeit der Grenzen müssen eingehalten werden.

Johann Wadephul (CDU), Außenminister

Grönland, Aasiaat: Blick auf eine schneebedeckte Straße in Aasiaat, einem autonomen Gebiet Dänemarks.

Im Streit um das zu Dänemark gehörende Grönland verschärft die US-Regierung den Ton. US-Vizepräsident JD Vance mahnt die Europäer, Trumps Äußerungen ernst zu nehmen.

09.01.2026 | 2:09 min

Fragt man Diplomaten, warum sich der Außenminister, aber auch der Bundeskanzler, mit Kritik so auffällig zurückhalten, bekommt man vor allem eine Antwort: Frieden in Europa sei wichtiger als Streit mit den USA.

Vorerst kein Klartext aus Berlin

Als größtes Land der EU trage Deutschland eine besondere Verantwortung. An den Sicherheitsgarantien für die Ukraine, auf die sich die Europäer mit den USA geeinigt haben, könne man sehen, dass die derzeitige Strategie Erfolge bringe. Bei jeder einzelnen Auseinandersetzung müsse Deutschland bereits an seine künftige Rolle bei möglichen Verhandlungen denken.

"Trump braucht endlich Klartext", fordert der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, in der Bild am Sonntag. Für die Bundesregierung liegt das aber gerade nicht in ihrem Interesse. Vielleicht ist es gut, dass Wadephul das einmal ausgesprochen hat.

Andreas Kynast ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Wadephul-Reise in die USA: Vorzeichen 'sehr interessant'" am 11.01.2026 um 15:33 Uhr.

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