Nach Grönland-Teffen: Wird Trump Dänemarks rote Linien einhalten?

Analyse

Nach Treffen von USA und Dänemark:Widerstand und viele offene Fragen nach dem Grönland-Gipfel

"ZDF in Rostock": Beatrice Steineke

von Beatrice Steineke, Washington, D.C.

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Im Konflikt um US-Besitzansprüche auf Grönland stellen sich Nato-Verbündete an Dänemarks Seite. Neben Deutschland zeigt sich auch Frankreich solidarisch. Der Streit schwelt weiter.

Außenminister von Grönland und Dänemark in Washington

Nach dem Treffen zwischen Regierungsvertretern aus den USA, Dänemark und Grönland bleiben die Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft Grönlands bestehen.

15.01.2026 | 2:47 min

Wer nach einem intensiven Gespräch vor die Presse tritt und von "grundlegenden Meinungsverschiedenheiten" spricht, dem ist klar, der Weg ist noch weit. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen verkündete keine Einigung mit der US-Regierung. Es werde eine gemeinsame Arbeitsgruppe geben. Die rote Linie sei erreicht, wenn es um die Einnahme von Grönland gehe.

Seit Monaten wiederholt US-Präsident Donald Trump seine Ansprüche auf Grönland: Aus Gründen der nationalen Sicherheit sollte die geostrategisch wichtige Insel von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden - ohne Kompromisse. Gegenüber der Presse sagte Trump am Mittwoch:

Es gibt überhaupt nichts, was Dänemark dagegen tun kann, wenn Russland oder China Grönland besetzen wollen, aber es gibt alles, was wir tun können. Das haben Sie letzte Woche bei Venezuela gemerkt.

US-Präsident Donald Trump

So bleiben nach dem Spitzentreffen von Vize-Präsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Rasmussen und dessen grönländischer Amtskollegin Vivian Motzfeldt die gegenseitigen Forderungen bestehen.

Schaltgespräch Leifert mit David Sauer

Die Gespräche zwischen den USA, Grönland und Dänemark haben die Differenzen nicht ausräumen können. David Sauer ordnet die Lage ein und geht auch auf die Situation in Iran ein.

15.01.2026 | 3:06 min

Trumps Drohgebärde reichen von "Wenn wir es nicht auf die einfache Art machen, machen wir es auf die harte Art" bis hin zu "der Einsatz von Militär" sei "immer eine Option". Ist ein militärisches Eingreifen der USA wirklich zu erwarten?

Expertin: USA könnte bereits jetzt Militär in Grönland verstärken

US-Präsident Trump spricht im Zusammenhang mit Grönland immer wieder von einer Bedrohung durch China und Russland, die ihre Präsenz - vor allem militärisch - dort ausbauen würden. Dem widersprechen internationale Experten, der dänische Geheimdienst und auch Dänemarks Außenminister Rasmussen in Washington.

Die Kontrolle Grönlands sei zudem entscheidend für den Aufbau des US-Raketenabwehrschirms "Golden Dome", postete Trump auf Truth Social.

Aus der Luftperspektive sind verschneite Häuser in der Grönländer Hauptstadt Nuuk zu sehen.

Nach einem erfolglosen Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland treiben europäische Länder einen Erkundungseinsatz voran. Die Bundeswehr will Soldaten nach Grönland fliegen.

15.01.2026 | 0:26 min

Doch gerade in den letzten Jahrzehnten hätten die USA Stützpunkte in Grönland abgebaut und ihre Position dort "geschwächt", analysiert Rebecca Pincus vom Foreign Policy Research Institute. Eine Umkehr dieser Politik ist bereits jetzt möglich.

Derzeit gibt es kein Hindernis für die USA, ihre militärische Präsenz in Grönland zu verstärken.

Rebecca Pincus, Expertin für Sicherheitspolitik in der Arktis, Foreign Policy Research Institute

Der US-Stützpunkt "Pituffik" im Nordwesten der Insel könne Interkontinentalraketen überwachen, die aus Europa und Eurasien über die Arktis fliegen. "In dieser Hinsicht ist er seit Jahrzehnten, seit dem Kalten Krieg, von Bedeutung", so Pincus.

Was die Rohstoffvorkommen angehe, sei die Erschließung sehr teuer. Bis etwa eine Mine eröffnet werden könnte, würde es wahrscheinlich 10 bis 20 Jahre dauern. Die Expertin für Sicherheitspolitik in der Arktis analysiert, für Investitionen von US-Bergbauunternehmen sei die Situation in Grönland gerade noch "sehr unsicher".

SGS-Sievers-Abelsen

Es sei „arrogant zu denken, dass man uns einfach so kaufen kann, als wären wir eine Immobilie“, sagt Maliina Abelsen, Ex-Finanzministerin Grönlands, zu einem Vorschlag Trumps.

14.01.2026 | 5:35 min

Überparteilicher Widerstand im Parlament

Auch im Parlament gibt es Widerstand gegen Trumps Pläne für Grönland. In beiden Kammern des Kongress wurden Gesetzesentwürfe vorgelegt, um eine Annexion oder eine Übernahme der Kontrolle in jeglicher Form zu stoppen.

Die republikanische Senatorin, Lisa Murkowski, aus Alaska ist bereits seit langem eine laute Kritikerin des US-Präsidenten. Grönland müsse als Verbündeter und nicht als Vermögenswert gesehen werden, postete Murkowski.

X Post von Senatorin Lisa Murkowski

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Demnächst wird die republikanische Senatorin gemeinsam mit demokratischen US-Politikern nach Kopenhagen reisen - für Gespräche mit Vertretern von Dänemark und Grönland.

Diese Mission der Parlamentarier dürfte von einer Mehrheit der US-Bevölkerung begrüßt werden. Nach einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos sind nur 17 Prozent der Befragten für eine Übernahme des dänischen Territoriums - unter Republikanern sind es 40 Prozent.

ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen

Europa definiere rote Linien, aber die USA und vor allem Donald Trump würden unbedingt Grönland besitzen wollen, so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen. Das sei nicht einfach zu lösen.

14.01.2026 | 5:27 min

Nato-Mitgliedsstaaten entsenden Militärpersonal

Mal abgesehen von den immensen Kosten und juristischen Hürden eines Erwerbs Grönlands stoßen Trumps Pläne innenpolitisch wie außenpolitisch auf Widerstand.

Doch das wird der US-Präsident bereits jetzt als Erfolg verbuchen wird, mehrere Nato-Mitgliedsstaaten entsenden Militär auf die Insel - auch Deutschland. Ab Donnerstag werden 13 Bundeswehrangehörige in der grönländische Hauptstadt Nuuk sein.

Er hat also genügend Druck aufgebaut und die Nato zum Handeln bewegt. Trump wird weiterhin die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre ausbauen wollen. Offen ist, wie lange er der Arbeitsgruppe Zeit gibt, bevor er Tatsachen schafft.

Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem das heute journal am 14.01.2026 ab 21.50 Uhr und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 15.01.2026 ab 05:30 Uhr sowie der heute Xpres ab 9 Uhr.

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