Wahlbeben im Nordosten:AfD siegt, CDU und FDP scheitern: Wer regiert in Schwerin?
von Bernd Mosebach
Historischer Wahlabend in Schwerin: Die AfD schiebt sich vor die SPD, CDU und FDP fliegen aus dem Landtag und das BSW kommt gar nicht erst rein.
Die AfD wird stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Noch ist offen, wer künftig in Schwerin regieren kann.
20.09.2026 | 2:11 minKaum sind die Wahllokale geschlossen, tritt der Kanzler vor die Presse. Ungewöhnlich genug, dass überhaupt das Kanzleramt Stellung nimmt am Abend einer Landtagswahl. Ein starker Hinweis darauf, dass diese Wahl in Mecklenburg-Vorpommern eine besondere war. Friedrich Merz nennt das Ergebnis für seine CDU im Nordosten "ein Desaster".
CDU-Spitzenkandidat Peters: "Kein Rückenwind aus Berlin"
Als Daniel Peters, der Spitzenkandidat der CDU, aus seinem Auto steigt, um in die Wahlstudios zu gehen, die vor dem Schweriner Schloss aufgebaut sind, wirkt er blass. Ob er die Bewertung des Kanzlers teilt? "Ja", sagt er. Zu diesem Zeitpunkt liegt die CDU in den Hochrechnungen noch bei fünf Prozent oder knapp darüber.
Wir sind zerrieben worden in diesem hochpolarisierten Wahlkampf mit keiner Rückendeckung, mit keinem Rückenwind aus Berlin.
Daniel Peters, CDU-Spitzenkandidat
Später am Abend rutscht die Partei unter die Fünf-Prozent-Marke und das Ergebnis für die Christdemokraten ist ernüchternd: Sie sind raus, sind im nächsten Landtag nicht mehr vertreten.
Die AfD hat in Mecklenburg-Vorpommern 21 Prozentpunkte zugelegt. "Wir haben den Regierungsauftrag", so AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm.
20.09.2026 | 2:54 minAfD-Spitzenkandidat Schult: "Wir haben den Regierungsauftrag"
Wahlsieger ist die AfD. Sie hat es geschafft, ihr Ergebnis von 2021 mehr als zu verdoppeln und stärkste Kraft zu werden. "Wir haben den Regierungsauftrag", sagt Spitzenkandidat Enrico Schult. Man könne eine so große Partei wie die AfD nicht außen vor lassen.
Wir werden jetzt natürlich Gesprächsangebote unterbreiten gegenüber den anderen Parteien.
Enrico Schult, AfD-Spitzenkandidat
Allerdings haben alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit abgelehnt.
Auch das BSW kommt für eine wie auch immer geartete Kooperation nicht mehr infrage. Kurz nach der ersten Hochrechnung, als noch unklar war, ob die Partei den Einzug in den Landtag schafft, hatte sich Spitzenkandidat Peter Schabel noch gesprächsbereit gezeigt:
"Wir stehen für Gespräche mit allen Parteien zur Verfügung und wir favorisieren den überparteilichen Ministerpräsidenten in einem Parlament mit wechselnden Mehrheiten." Am späten Abend wird klar: Das BSW schafft den Sprung ins Parlament nicht.
"Wir sind froh, dass wir diese Aufholjagd in diesen schwierigen Zeiten geschafft haben", sagt SPD-Spitzenkandidatin Schwesig. Ob sie Ministerpräsidentin bleiben wolle: "Ja!"
20.09.2026 | 3:59 minTrotz Aufholjagd landet die SPD nur auf Platz 2
Auf der Wahlparty der SPD in der Orangerie des Schlosses herrscht betretenes Schweigen, als um 18 Uhr die Prognose auf den TV-Monitoren auftaucht. Zu sehr hatten die Sozialdemokraten gehofft, dass sie ihren politischen Hauptgegner, die AfD, überflügeln könnten.
Die Aufholjagd, die sie seit Anfang des Jahres und besonders in den letzten beiden Monaten hingelegt hatten, war bemerkenswert. Am Ende hat es aber dann doch nicht ganz gereicht.
Erst als Manuela Schwesig auf der Wahlparty erscheint, brandet Applaus auf. Schwesig hat ihren Wahlkampf konsequent durchgezogen und ihren Amtsbonus als Ministerpräsidentin voll ausgeschöpft. Ihre Partei trat geschlossen auf.
Besonders in den letzten beiden Wochen nahm sie mit ihrer "Die Frau gegen Blau"-Kampagne die AfD gezielt ins Visier. In beiden TV-Duellen attackierte sie ihren Herausforderer Leif-Erik Holm direkt.
Eine große Mehrheit in Mecklenburg-Vorpommern wünsche sich eine "demokratische, stabile Regierung", sagt SPD-Ministerpräsidentin und Spitzenkandidatin Manuela Schwesig.
20.09.2026 | 0:31 minSchwesig beansprucht Regierungsauftrag
"Ja, es ist schon bitter, wenn man eigentlich über 35 Prozent einfährt, es nicht mehr reicht, stärkste Kraft zu werden", sagt Manuela Schwesig. Einen Regierungsauftrag sieht sie aber dennoch.
Die Mehrheit der Wähler habe die AfD nicht gewählt. Und so wolle sie mit den anderen Parteien sprechen, außer der AfD, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Schließlich hätten Umfragen gezeigt:
Über 60 Prozent der Menschen wollen, dass ich meine Arbeit als Ministerpräsidentin fortsetzen soll.
Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern
"Dieser Zuspitzungswahlkampf war ein Fehler", sagt Simone Oldenburg, die Spitzenkandidatin der Linken. Mit Schwesigs SPD saß sie in den letzten fünf Jahren in einer Koalition am Kabinettstisch. Jetzt hat Oldenburgs Partei rund ein Drittel an Stimmen eingebüßt.
Merz nennt das CDU-Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ein „Desaster“, hält am Reformkurs fest. Koalitionspartner SPD sieht Korrekturbedarf. Die Opposition fordert Konsequenzen.
20.09.2026 | 2:17 minKommt jetzt Rot-Rot-Grün?
Eine mögliche Koalition könnte wohl nur mit SPD, Linken und den Grünen geschmiedet werden, die den Wiedereinzug in den Landtag knapp geschafft haben.
So sieht es Claudia Müller, Spitzenkandidatin der Grünen: "Rot-Rot-Grün, das muss jetzt das Ziel sein, um dann in den nächsten fünf Jahren auch wieder Wählerinnen und Wähler der AfD für die demokratische Mitte zurückzugewinnen."
Und die FDP? Die Partei, die sich in den letzten Jahren zerstritten hatte und zuletzt sogar ihren Fraktionsstatus im Landtag verlor, landete bei einem Prozent.
Bernd Mosebach ist Leiter des ZDF-Landesstudios Mecklenburg-Vorpommern






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