Experte Keupp: Russlands "Weg in die Selbstzerstörung"

Interview

Militärökonom zu Putin und Trump:Experte Keupp: Russlands "Weg in die Selbstzerstörung"

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Während die USA mehr und mehr Macht demonstrieren, verliert Russland an Augenhöhe. Militärökonom Marcus Keupp über Putins Machtanspruch und Russlands Schwachstellen.

Dr. Marcus M. Keupp

Der Verlust Russlands sei eher geostrategischer Struktur und weniger wirtschaftlich, sagt Militärökonom Dr. Marcus M. Keupp. Russland habe keine Handlungsspielräume.

15.01.2026 | 45:08 min

Mit seinen Drohungen zu einer Übernahme Grönlands und dem militärischen Vorgehen in Venezuela stellt US-Präsident Donald Trump zentrale Regeln der bisherigen Weltordnung offen infrage. Nationale Macht- und Sicherheitsinteressen rücken wieder in den Vordergrund.

Wie Russland bei diesem neuen geopolitischen Kräftemessen abschneidet, erklärt Militärökonom Marcus M. Keupp im Gespräch mit ZDFheute live.

Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Keupp zu ...

… Russlands militärischer Leistungsfähigkeit

Russland ist nach Einschätzung von Keupp im Krieg gegen die Ukraine strategisch überfordert. "Wenn man sich den Frontverlauf anschaut, sieht man minimale Geländegewinne bei extrem hohen Verlusten", so der Experte. Trotz großer materieller Überlegenheit habe Moskau den Donbass nicht vollständig erobert.

Die realen Fakten sowohl zu den innerrussischen Verhältnissen als auch den russischen militärischen Leistungsfähigkeiten entsprechen nicht den Wahrnehmungen, die so mancher Beobachter, der sich dann äußert, wirklich hat.

Militärökonom Marcus M. Keupp

Dass der Krieg inzwischen länger dauert als der deutsch-sowjetische Krieg im Zweiten Weltkrieg, zeige die strukturelle Schwäche des Landes, "denn in diesem Tempo gehen Russland die Reserven aus, lange bevor auch nur der gesamte Donbass eingenommen ist".

Keupp kritisiert, Russland opfere "Menschen, Rüstungsmaterial und finanzielle Ressourcen" ohne entsprechenden strategischen Gewinn. Dieser Zustand bezeichnet Keupp als "einen Weg in die Selbstzerstörung".

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… strategischen Schwachstelle Russlands im globalen Machtgefüge

Ein zentraler Punkt ist laut Keupp die wirtschaftliche Basis des Kremls. "Nichts tut Russland so weh wie ein niedriger Ölpreis", sagt Keupp. Russland sei stark abhängig von Einnahmen aus Öl und Energie, und sinkende Weltpreise würden das Budget sowie die Kriegsfinanzierung massiv belasten. Die Tatsache, dass die Sorte Urals mit einem Discount verkauft werde, weil Russland Sanktionen umgehen müsse, sei besonders problematisch. "Dann bleiben nur noch Inflation oder Kürzungen in der Sozialpolitik."

Der russische Großmachtanspruch ist ideologisch konstruiert, aber er entspricht nicht den realen Fähigkeiten des Landes.

Militärökonom Marcus M. Keupp

Die Kombination aus militärischer Stagnation im Krieg, interner ökonomischer Schwäche und dem Druck internationaler Akteure, wie den USA, stelle Moskau vor fundamentale Herausforderungen.

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… Trumps Vorgehen in Venezuela und Grönland

Für Keupp sind Trumps internationale Aktionen Ausdruck einer neuen, stark auf Machtprojektion ausgerichteten US-Politik. Dadurch würden sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Die US-Angriffe auf Venezuela und die Festnahme des dortigen Präsidenten Nicolás Maduro könnten "weitreichende globale Implikationen" haben.

Zu den Ambitionen von Trump rund um Grönland betont Keupp, schon die qualitativ-strategische Bedeutung dieser Region sei enorm gestiegen: Die Arktis gelte als Schlüssel für neue Schifffahrtsrouten, Rohstoffe und Frühwarn-Systeme für ballistische Raketen, weshalb Grönland aus Nato-Sicht eine zentrale Rolle für die Sicherheit Nordamerikas spiele. 

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Während Trump wiederholt betont habe, die USA müssten Grönland "so oder so" sichern, um russische oder chinesische Kontrolle zu verhindern, sei Russland aktuell vor allem diplomatisch aktiv und habe westliche Behauptungen über eine angebliche Bedrohung mehrfach zurückgewiesen. Moskaus derzeitige Möglichkeiten sind laut Keupp begrenzt.

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Militärökonom Marcus M. Keupp

In diesen Spannungen sieht Keupp kein direktes militärisches Risiko Russlands, wohl aber einen Test für das internationale System: "'Wenn wir Grönland nicht einnehmen, werden es Russland oder China tun - und das werde ich nicht zulassen'", zitiert er Trump als Beispiel für eine Politik, die auf Abschreckung setze, ohne reale Grundlage.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 15.01.2026 um 19:50 Uhr.

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