Merz in Peking: Kanzler trifft auf selbstbewusstes China

Staatsbesuch in Peking:Kanzler Merz trifft auf selbstbewusstes China

Elisabeth Schmidt, Korrespondentin ZDF-Studio Peking

von Elisabeth Schmidt

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Seltene Erden, E-Autos, Green Tech: China dominiert Märkte weltweit und strotzt vor Selbstbewusstsein. Warum Kanzler Merz dennoch nicht als Bittsteller auftreten muss.

Bundeskanzler Merz besucht China

Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Mittwoch zu einem Besuch in China angekommen. Ziel der zweitägigen Reise ist der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

25.02.2026 | 0:21 min

Chinas staatlich kontrollierte Medien haben aufmerksam notiert, dass Deutschlands Kanzler erst nach Indien gereist ist, bevor er zum Antrittsbesuch nach Peking kommt. Das Sprachrohr der Kommunistischen Partei, die "Global Times", tat dies allerdings als "gelegentlichen politischen Lärm über 'De-Risking'" ab - also Deutschlands Absicht, sich unabhängiger machen zu wollen von der Volksrepublik.

Seitdem US-Präsident Donald Trump die Welt mit Zöllen überziehe, so das Narrativ von Pekings Propaganda, würden die Europäer Xi Jinping Tür und Tor einrennen - allein 2026 bereits die Staatenlenker Islands, Finnlands und Großbritanniens. China präsentiert sich dieser Tage als der stabile, verlässliche internationale Partner.

ZDF-Moderatorin Valerie Haller im Interview bei Volle Kanne

Bundeskanzler Friedrich Merz unternimmt seine erste China-Reise. Was ist von dem Antrittsbesuch zu erwarten? Valerie Haller, Moderatorin des ZDF-Wirtschaftsmagazins „WISO“, dazu im Gespräch.

25.02.2026 | 4:50 min

Chinas neues Selbstbewusstsein

Das Kräfteverhältnis zwischen Deutschland und der Volksrepublik hat sich längst umgedreht. Als die deutschen Autobauer nach China kamen und ab den 1980er Jahren Pflicht-Joint-Ventures eingehen mussten, studierten die chinesischen Partner deutsche Ingenieurskunst, kopierten sie sogar.

Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz reist nach China. Das Land ist ein schwieriger Partner, unter anderem wegen seiner engen Beziehungen zu Russland.

24.02.2026 | 6:40 min

Chinas E-Autobauer dominieren den größten Automarkt der Welt. Doch die Konsum-Flaute und Wirtschaftskrise in der Volksrepublik machen auch ihnen zu schaffen. BYD etwa, der 2025 mehr Fahrzeuge verkaufte als Tesla, ist mit einem massiven Einbruch ins neue Jahr gestartet: Die Autoverkäufe von BYD-E-Autos und Hybriden brachen im Januar um 30 Prozent ein.

Für die deutschen Autobauer Volkswagen, BMW und Mercedes, die in China hauptsächlich für den chinesischen Markt produzieren, wird dieses Jahr zum Schicksalsjahr. Dabei ist die Ausgangslage schlecht: Allein Mercedes-Benz, dessen Pekinger Fabrik Kanzler Merz am Donnerstag besuchen wird, hatte 2025 einen Rückgang von 19 Prozent bei den Autoverkäufen in China zu verzeichnen. Für Mercedes machte das China-Geschäft bislang 30 Prozent der weltweiten Fahrzeugverkäufe aus.


Heute kooperieren Volkswagen, BMW und Mercedes freiwillig mit chinesischen Firmen bei Software und Batteriefertigung, da die Chinesen in diesen Bereichen weiter fortgeschritten sind. Deutschland droht, vom Innovationsland China abgehängt zu werden.

So ist Chinas Wirtschaft gewachsen

ZDFheute Infografik

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Peking setzt auf Softpower

So wird Pekings Propaganda mit Sicherheit auch den geplanten Besuch des Kanzlers bei dem chinesischen Robotik-Unternehmen Unitree am Donnerstag in Hangzhou ausschlachten. Die humanoiden Roboter der Firma waren vergangene Woche in Sozialen Medien weltweit viral gegangen, nachdem sie in Chinas Neujahrsgala mit Kung-Fu-Einlagen über die Bildschirme wirbelten.

Ein chinesischer Junge kämpft gemeinsam mit einem Roboter.

Auf der Neujahrsgala kämpften junge Chinesen beim Kung Fu gegen humanoide Roboter.

16.02.2026 | 0:51 min

Peking nutzt die Softpower der Sozialen Netzwerke, um sich als Hightech-Nation zu präsentieren. Immerhin kamen 2022 bereits 1,65 Millionen Patente - fast die Hälfte aller international angemeldeten Patente - aus China. 1980 waren es lediglich 44.

Diana Zimmermann aus Peking

Der Fokus der China-Reise von Bundeskanzler Merz liegt auf dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Beide Seiten betonen die Verlässlichkeit der Partnerschaft, so Diana Zimmermann.

25.02.2026 | 1:15 min

Marktdominanz als Handelsschwert

Die Volksrepublik verarbeitet 90 Prozent der Seltenen Erden weltweit und hat mit dieser Marktdominanz ein Druckmittel aufgebaut. Pekings Exportkontrollen auf Seltene Erden zwangen nicht nur Trump, seine Strafzölle gegen Peking zu überdenken, auch Deutschland bekommt Pekings Beschränkungen empfindlich zu spüren. Unternehmen würden in naher Zukunft mit Problemen rechnen, sagt Mikko Huotari, Direktor des Mercator-Instituts für China-Studien:

Es gibt bestimmte deutsche Unternehmen, die darauf hinweisen, dass sie in sechs, acht, neun Monaten massive Probleme mit bestimmten Schlüsselkomponenten haben werden. Grundsätzlich ist dieses Problem also noch überhaupt nicht gelöst.

Mikko Huotari, Direktor des Mercator-Instituts für China-Studien

Symbolbild: Containerschiff fährt auf dem Huangpu, Shanghai, China

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China summierte sich 2025 auf mehr als 250 Milliarden Euro. Damit zog die Volksrepublik an den USA vorbei, die 2024 auf Rang eins lagen.

20.02.2026 | 0:22 min

Trumps Handelskrieg: China braucht europäischen Absatzmarkt

Doch zur Wahrheit gehört auch: Seit Trumps Handelskrieg ist China mehr denn je auf den europäischen Absatzmarkt angewiesen. Der Konsum im eigenen Land lahmt, Chinas im Überschuss produzierte Ware wird deshalb verstärkt exportiert.

Ich würde sagen, dass auch China vom deutschen Markt und vom EU-Markt abhängig ist. Diese Abhängigkeit ist also gegenseitig.

Xu Qinduo, politischer Analyst Staatssender CGTN

Peking wird Merz auf eine weitere Öffnung des europäischen Binnenmarktes drängen. Dies kann der Kanzler nutzen.

SGS Bethmann

Bundeskanzler Friedrich Merz reist zum Antrittsbesuch nach China. Was erwarten deutsche Unternehmen von den Gesprächen? ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

24.02.2026 | 1:11 min

Kein Durchbruch bei Ukraine-Krieg und Taiwan erwartbar

Selbst wenn Friedrich Merz vor seinem Abflug nach Peking ankündigte, Xi Jinping auf ein Einwirken auf dessen "lieben Freund" Wladimir Putin zu drängen, ist beim Thema Ukraine-Krieg kein Durchbruch zu erwarten. Die Lieferung von Dual-Use-Gütern an Russland streitet Peking - trotz Expertenberichten - weiter kategorisch ab.

Wir schüren niemals die Flammen, versuchen niemals, aus der Situation Profit zu schlagen, und akzeptieren niemals Schuldzuweisungen.

Mao Ning, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums

Doch bei der UN-Resolution am vergangenen Dienstag mit Namen "Supporting Lasting Peace in Ukraine", also "Unterstützung eines dauerhaften Friedens in der Ukraine", enthielt sich China bei der Abstimmung.

Valerie Haller präsentiert die Folge zu Chinas Export-Flut im Studio von "WISO - Wirtschaft erklärt".

China hat sich zum Hightech-Land entwickelt. Es stellt viele Produkte her, die Deutschland einst zum Exportweltmeister gemacht haben. Wie gefährlich ist Chinas Export-Flut für uns?

24.02.2026 | 8:46 min

Auch beim Reizthema Taiwan und der Ein-China-Politik, von der Merz sagte, deren "genaue Ausgestaltung bestimmen wir allerdings auch selbst", muss sich der Kanzler auf massiven Gegenwind gefasst machen. "Ich sehe eine Veränderung in Chinas Taiwan-Politik, die viel selbstbewusster ist", sagt Mikko Huotari vom Mercator-Institut.

Die chinesische Seite wird die Beziehungen [mit Deutschland] davon abhängig machen, dass sich die deutsche China-Politik und Taiwan-Politik ändern. Darauf müssen wir uns einstellen.

Mikko Huotari, Direktor des Mercator-Instituts für China-Studien

Peking sieht dem Kanzler-Besuch gelassen entgegen. Dass Friedrich Merz davor warnt, dass China Abhängigkeiten ausnutzt, aber dennoch mit der größten Wirtschaftsdelegation seit Jahren in die Volksrepublik gereist ist, ist Wasser auf die Mühlen von Chinas neuem Selbstbewusstsein.

Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking.

Über dieses Thema berichteten unter anderem Berlin direkt am 22.02.2026 ab 19:10 Uhr, die heute-Sendung am 24.02.2026 ab 17:00 Uhr und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 25.02.2026 ab 05:30 Uhr.

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