Was kann Merz in Peking erreichen?:Kanzler in China: Beim Freund des Feindes
von Diana Zimmermann
Kanzler Merz reist nach China, das Russlands Krieg gegen die Ukraine mit am Leben hält. Was kann Merz erreichen? Und welchen Hebel hat er bei der Wirtschaftspolitik in der Hand?
Bundeskanzler Friedrich Merz reist nach China. Das Land ist ein schwieriger Partner, unter anderem wegen seiner engen Beziehungen zu Russland.
24.02.2026 | 6:40 minWenn Kanzler Friedrich Merz am Mittwoch zu seinem ersten Besuch bei Xi Jinping im Staatlichen Gästehaus in Peking eintrifft, wird er so gut vorbereitet sein, wie wohl noch auf keiner seiner Auslandsreisen. Expertentreffen, Briefings, Gespräche mit dem britischen Premier Keir Starmer und Kanadas Regierungschef Mark Carney, die kürzlich in Peking waren, Koordinierung mit Brüssel.
Nichts soll dem Zufall überlassen werden bei den Gesprächen mit dem Präsidenten Chinas. Die Herausforderungen sind groß, die Lage ist komplex. China ist noch vor den USA der wichtigste Handelspartner Deutschlands, allerdings exportierte es 2025 doppelt so viel, wie es aus Deutschland abnahm.
China hat sich zum Hightech-Land entwickelt. Es stellt viele Produkte her, die Deutschland einst zum Exportweltmeister gemacht haben. Wie gefährlich ist Chinas Export-Flut für uns?
24.02.2026 | 8:46 minChina hält Russlands Krieg am Leben
Hinzu kommt eine hochgefährliche Abhängigkeit von verschiedenen Rohstoffen und Produkten, die die Bundesrepublik momentan nur aus China beziehen kann. Und: Peking hält den russischen Krieg gegen die Ukraine am Leben, Xi Jinping ist Wladimir Putins wichtigster Verbündeter.
Nur drei Männer könnten den Krieg beenden, sagte der Kanzler schon häufiger, und das seien Putin, Trump und Xi Jinping. Der aber hat das gar nicht vor. China profitiert vom billigen russischen Öl, das nun statt nach Europa gen Osten fließt, es nimmt russische Güter ab und 80 bis 90 Prozent der kritischen Komponenten, die Russland braucht, kommen aus oder über China.
Darunter sind Chips und andere Bestandteile für Drohnen und Waffen, Manganerze für die Herstellung von Panzern und selbstfahrende Schaufellader, die an Schützengräben eingesetzt werden können, wie das polnische Center for Eastern Studies berichtet. Auch wirtschaftlich hat sich China von einem Absatzmarkt zu einer Bedrohung entwickelt. Deutsche Unternehmen kämpfen im In- und Ausland mit chinesischer Konkurrenz.
Deutschlands Handelsvolumen mit China betrug 2025 insgesamt 251,8 Milliarden Euro. Damit hat die Volksrepublik die USA wieder als wichtigsten deutschen Handelspartner überholt.
20.02.2026 | 0:22 minDie Auswirkungen des "China-Schocks"
Der China-Schock, also die Deindustrialisierung auf dem Heimatmarkt durch billigere chinesische Produkte, habe schon in den USA Donald Trump an die Macht gebracht, in Großbritannien zum Brexit geführt - und treffe nun mit voller Wucht auf Deutschland, so Andrew Small, Direktor des Asien-Programms am European Council on Foreign Relations in Berlin:
Wenn der China-Schock sich auf bestimmten Regionen und Industrien konzentriert, unterstützt das die Entfremdung vom politischen System und den Aufstieg rechtsextremer Parteien.
Andrew Small, European Council on Foreign Relations
Der neue Fünfjahresplan, der im März vom nationalen Volkskongress verabschiedet werden wird, sieht keine Änderung an Chinas Wirtschaftspolitik vor. China setzt weiter auf den Export seiner Überproduktion nach Europa, ein wesentlicher Treiber seines Wirtschaftswachstums, das mit offiziell fünf Prozent auch nicht mehr ist, was es lange Zeit war.
China nutzt seine Rohstoffe und industriellen Verarbeitungsmöglichkeiten zunehmend strategisch. Machen sich deutsche Unternehmen unabhängiger davon? Bislang ist das die Ausnahme.
17.12.2025 | 2:50 minWelchen Hebel Merz hat
Das ist also einer der wenigen Hebel, die Merz und die Europäer in der Hand haben: der Zugang zum europäischen Markt. Merz wird fordern, dass Peking Subventionen für die eigene Wirtschaft und den Export nach Europa reduziert. Und er wird Xi vermutlich auch darauf vorbereiten, dass die Europäische Kommission Maßnahmen plant, um ihre Kernindustrien zu schützen.
Wie China darauf reagieren könnte, hat man im vergangenen Sommer erlebt, als deutsche Autobauer zeitweise ihre Produktion runterfahren mussten, weil China keine Halbleiter mehr lieferte.
Den Export von Seltenen Erden reguliert Peking inzwischen rigoros. Für militärische Zwecke (ein Tarnkappenbomber enthält 400 Kilogramm Seltene Erden) darf gar nicht mehr exportiert werden. Die geplante Aufrüstung Europas steht auf dem Spiel.
Chinesische Firmen dringen immer stärker in den deutschen Markt vor – auch in unerwartete Branchen. Der Kaffee-Discounter Cotti Coffee plant allein in diesem Jahr 100 Neueröffnungen.
23.02.2026 | 2:11 min"Re-Risking" statt "De-Risking"?
Wie passt es da zusammen, dass der Kanzler mit einer rekordverdächtig großen Wirtschaftsdelegation anreist, die vor allem signalisiert: "Wir wollen noch mehr Geschäfte mit Euch machen?"
Welcher Eindruck dadurch entsteht? Dass Deutschland seine China-Strategie ändert. Einst stand De-Risking auf der Tagesordnung, also das Bestreben, die Risiken im Verhältnis zu China zu reduzieren, indem man weniger in China investiert, dafür aber mehr in andere Länder. Nun scheint die Strategie "Re-Risking" zu sein.
Experte rechnet kaum mit Wirtschaftsdeals
"Es sieht nicht gut aus", sagt Small, zumal er mit wichtigen Wirtschaftsdeals nicht rechnet. Vielmehr passt die deutsche Delegation China ins Konzept. Die Staatsführung will ihrer Bevölkerung zeigen: seht her, alle wenden sich von den USA ab und uns zu. Denn wir sind verlässliche Partner. Small widerspricht:
Die Wahrheit ist, dass China momentan eine Bedrohung für unsere Industrien und für unsere Sicherheit darstellt.
Andrew Small, European Council on Foreign Relations
Das hat auch der Kanzler aus seinen Vorbereitungen mitgenommen. Zwei Stunden Zeit, Abendessen inklusive, hat er in Peking, um mit Xi Jinping darüber zu sprechen.
Russland könne den Krieg gegen die Ukraine aus eigener Kraft nicht führen, sagt Politikwissenschaftler Maximilian Terhalle. Die Rolle Chinas in dem Krieg sei strategisch entscheidend.
14.02.2026 | 12:48 minDiana Zimmermann leitet das ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
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