Verstehen, wie Trump die USA verändert:"Chickeletta" oder von der Leyen legt ein Ei
von Ulf Röller, Brüssel
Von der Leyens Huhn sorgt für Gesprächsstoff - das hat auch mit Trumps Politik zu tun. Diese Woche geht es um die Midterms, steigende Preise und (keine) Regeln für KI.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump beim G7-Treffen in Évian im Juni 2026.
Quelle: dpaGuten Morgen aus Brüssel,
als ich hier meine Arbeit als Korrespondent begann, verstand ich erstmal kein Wort. Die EU-Elite hat so etwas wie eine Geheimsprache. Jedes Programm, jede Institution, jeder Fördertopf wird abgekürzt: der MFR, die GASP oder der AStV, und noch vieles mehr. Wer nicht weiß, was das ist, gehört nicht dazu. Viel Spaß beim Herausfinden.
Die eigene Sprache lässt Brüsseler Beamte wie von einem anderen Planeten wirken und diese Abgehobenheit beschäftigt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ganze Kommunikations-Geschwader arbeiten daran, die EU nahbarer zu machen. Das jüngste Ergebnis ist "Chickeletta". Darüber spricht die Stadt.
ZDFheute USA-Update:Dein Newsletter zum Trump-Effekt
Verstehen, was in den USA passiert: Alles Wichtige zu den Midterms, Trumps Politik und den Folgen für Europa und die Welt – eingeordnet von unseren Korrespondenten. Jetzt abonnieren!Auf ihrem Instagram-Account hat von der Leyen sogar aus New York über "Chickeletta" berichtet. Es ist wohl eines ihrer Hühner, das Nachwuchs bekommen hat. "Egg-cellent News", strahlt die Kommissionspräsidentin in die Kamera. Harmlose Politik-PR? Vielleicht, aber doch auch ein wenig ärgerlich, denn sie gibt nur selten Interviews.
Journalismus hat es schwer in diesen Tagen. US-Präsident Donald Trump ist die diabolische Seite der "Chickeletta"-Strategie. Die direkte Ansprache über soziale Medien, Politik als Show - dem Affen Zucker geben. Aber immer noch besser dies mit Hühnern zu tun, als mit Wut und Hass. Also aufpassen, damit Trump "Chickeletta" nicht schlachtet.
Was in Washington passiert, betrifft auch Europa: Wenn ein Konflikt die Energiepreise treibt, ist das auch an deutschen Tankstellen zu spüren (aber nicht nur dort). Oder wenn die US-Regierung Regeln für Künstliche Intelligenz beschließt (oder eben keine). Aber der Reihe nach.
Ich bin Ulf Röller und leite das ZDF-Studio in Brüssel. Zusammen mit dem Team vom auslandsjournal schaue ich auch hier darauf, wie amerikanische Politik in Europa ankommt. In unserem Newsletter ordnen wir einmal pro Woche die wichtigsten Entwicklungen ein: mit Recherchen, Hintergründen und Beiträgen, die euch helfen, die Woche zu verstehen.
USA-News der Woche
Bild der Woche
Silicon Valley zu Gast: Trump lädt die Tech-Spitzen zum KI-Lunch.
Quelle: ddpAnfang der Woche versammelte Trump die Köpfe der amerikanischen Tech-Branche im Weißen Haus. Beim Mittagessen ging es um eine Frage, die inzwischen weit über das Silicon Valley hinausreicht: Wer setzt der KI Grenzen?
Ein langsameres Entwicklungstempo hatten die einen gefordert, verbindliche Regeln die anderen. Ausgerechnet Trump setzt nun auf Moral.
Morally binding
Donald Trump, Präsident USA
...also moralisch verpflichtend, nennt er das Abkommen, das die Tech-Chefs nach einem Mittagessen im Weißen Haus präsentieren: interne Kontrollen, externe Prüfungen, Aufsicht auf Vorstandsebene - und keine Strafen bei einem Verstoß.
Dabei hatten die Techkonzerne OpenAI und Anthropic erst Tage zuvor vor dem UN-Sicherheitsrat internationale Regeln gefordert. Auch gemeinsame Standards mit China standen vor Trumps Treffen mit Xi im Raum. Auf ein gemeinsames Drosseln des KI-Wettlaufs konnten sich die Staatschefs allerdings nicht einigen. Nun also ein Appell an das Gewissen der größten US-Konzerne. Irgendwann könnten daraus Gesetze entstehen, heißt es in dem Papier. In Europa wiederum gibt es diese Gesetze schon - nur fehlen hier die großen KI-Unternehmen.
Grafik der Woche
Während in Washington über KI diskutiert wird, beschäftigt viele Menschen in den USA etwas Unmittelbares: steigende Energiepreise und hohe Lebenshaltungskosten. Wie in Europa ist auch in den USA Tanken deutlich teurer geworden. Anfang März kostete eine Gallone Diesel noch rund 3,90 Dollar, Anfang September waren es knapp sechs Dollar – umgerechnet etwa 1,40 Euro pro Liter.
Die steigenden Lebenshaltungskosten sind für die Demokraten inzwischen das zentrale Thema im Wahlkampf vor den Midterms. Sie machen dafür unter anderem den Iran-Krieg und Zölle verantwortlich und wollen Großkonzerne und Spitzenverdiener stärker in die Pflicht nehmen.
Die Republikaner setzen dagegen auf Ausgabenkürzungen und Steuerentlastungen. Trump versucht derweil, mit einem Wahlversprechen zu punkten: Jedem erwachsenen US-Amerikaner stellt er 5.000 US-Dollar in Aussicht, vorausgesetzt, die Republikaner behalten die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses.
Doch Trumps Top-Wahlkampfthema ist: Er selbst. Der US-Präsident sieht sich als Zugpferd und ruft die Wähler dazu auf, sich vorzustellen, er selbst stünde auf dem Stimmzettel.
Die Midterms erklärt
Donald Trump steht bei den Midterms 2026 in den USA nicht zur Wahl. Doch es geht um die Mehrheit der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus - und damit auch um seine Macht.
09.09.2026 | 1:26 minTrumps Einfluss bei Brasilien-Wahl
Vor einer wegweisenden Wahl steht auch Brasilien am Sonntag. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl richten sich die Blicke auf Flávio Bolsonaro, den Sohn von Trump-Freund und Ex-Präsident Jair Bolsonaro.
Er tritt neben weiteren Kandidaten gegen Amtsinhaber Lula da Silva an. Warum dieser mit Donald Trump bis auf das fortgeschrittene Alter von exakt 80 Jahren nur wenig gemein hat und welchen Effekt der US-Präsident auf den Wahlkampf von Südamerikas größtem Land hat:
30.09.2026 | 6:14 min
Unser Podcast diese Woche
Europa will bis 2030 verteidigungsfähig sein. Doch Russlands hybride Angriffe laufen längst. Wie reagieren Deutschland, EU und NATO auf die wachsende Bedrohung?
29.09.2026 | 59:09 minEi, AI, ei, schon wieder ganz schön viel los. Nächste Woche Samstag melden wir uns an dieser Stelle mit einem neuen USA-Update.
Viele Grüße
Ulf Röller und die auslandsjournal-Redaktion