Wo die US-Midterms gewonnen werden:Der Kampf um die "Battlegrounds" spitzt sich zu
von Tina Andrecht
Manche Wahlbezirke oder Bundesstaaten sind besonders umkämpft. Dort entscheiden oft wenige Stimmen über den Ausgang der Wahl und die Machtverhältnisse im Kongress.
Einige wenige Duelle entscheiden bei den US-Midterms über die politische Machtverteilung in Amerika. An diesen Kandidaten hängen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress.
18.09.2026 | 1:17 minDer Begriff "Battleground States" ist vor allem von den US-Präsidentschaftswahlen bekannt. Gemeint sind Bundesstaaten, in denen sowohl Demokraten als auch Republikaner realistische Siegchancen haben: Keine Partei hat einen sicheren Vorsprung.
Die Battlegrounds im Fokus der Beobachter
Für die Midterms spielt der Begriff "Battlegrounds" ebenfalls eine wichtige Rolle, und zwar für beide Kammern des Kongresses.
Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus geht der Blick auf einzelne Wahlkreise, auch Distrikte genannt. Die besonders umkämpften Distrikte werden "Battleground Districts" genannt. Bei den Senatswahlen steht das Abstimmungsverhalten in den einzelnen Bundesstaaten im Fokus, in den "Senate Battlegrounds".
Wo es bei der Senatswahl besonders knapp wird
Bei den Midterms 2026 müssen die Republikaner 22 Senatssitze verteidigen, die Demokraten 13. Um die Mehrheit im Senat zu "erobern", müssten die Demokraten alle Sitze halten und 4 Sitze mehr gewinnen als sie aktuell haben.
Bei den Midterms 2026 werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Welche Bedeutung hat die Wahl für US-Präsident Donald Trump?
04.09.2026 | 1:10 minDie Zustimmungswerte für Donald Trump sind niedrig, zwei Drittel der Wähler sind mit seiner Arbeit unzufrieden, Umfragen zeigen die Frustration mit dem Präsidenten. Das lässt die Demokraten auf Erfolge hoffen. Für eine Mehrheit im Senat müssten sie allerdings auch in bisher tiefroten Territorien der Republikaner Erfolge verbuchen.
Der Blick auf die engsten Rennen, die "Senate Battlegrounds", zeigt, wie die Chancen für Demokraten und Republikaner stehen.
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Die 12 umkämpftesten Staaten bei der Senatswahl
Republikaner
Senator Dan Sullivan muss seinen Sitz gegen die Demokratin Mary Peltola verteidigen. Peltola ist in Alaska sehr bekannt und hat den Bundesstaat als erste indigene Frau im Repräsentantenhaus vertreten. Die Vorwahlen in Alaska sind parteiübergreifend, Peltola hatte das beste Ergebnis. Zum Nachteil für die Republikaner könnte eine ungewöhnliche Konstellation auf dem Wahlzettel werden: Es treten zwei Dan Sullivans für die Republikaner an. Der Amtsinhaber Dan S. Sullivan, von Trump unterstützt - und der ebenfalls republikanische Dan J. Sullivan. Republikaner befürchten, dass Wähler die beiden gleichnamigen Kandidaten auf dem Wahlzettel verwechseln könnten.
In Florida findet eine außerordentliche Senatswahl statt. Gewählt wird der Nachfolger für den Senatssitz von Marco Rubio. Interimsweise wurde der Sitz von der Republikanerin Ashley Moody besetzt. Sie geht als Favoritin ins Rennen: Moody ist gut vernetzt und ist treu auf Trumps Linie. Herausforderin ist Angie Nixon: Sie war die Überraschungssiegerin bei den Vorwahlen der Demokraten. Ihr Fokus: der Kampf gegen steigende Lebenshaltungskosten, die Wohnungskrise in Florida und die Unterstützung von einkommensschwächeren Wählergruppen. Damit schafft sie es, Wähler zu mobilisieren.
Da die Amtsinhaberin nicht zur Wiederwahl steht, müssen die Republikaner einen offenen Sitz ohne Amtsbonus verteidigen. Ashley Hinson tritt gegen den Demokraten und Paralympics-Goldmedaillengewinner Josh Turek an. Dass Iowa überhaupt als "Battleground" gilt, ist bemerkenswert: Seit 2008 haben die Demokraten dort keine Senatswahl mehr gewonnen. Die angespannte wirtschaftliche Lage bei Landwirten, steigende Energiekosten und Trumps sinkende Zustimmungswerte lassen die Demokraten auf eine Chance hoffen. Das Rennen gilt als sogenanntes "Toss Up", also sehr eng.
Susan Collins will ihren Sitz für die Republikaner verteidigen. Sie ist seit 1997 im Amt und hat einen gemäßigten, unabhängigen Politikstil, mit dem sie auch teils unentschlossene Wähler und moderate Demokraten überzeugen kann. 2026 tritt der Demokrat Troy Jackson gegen sie an, das Rennen ist laut Umfragen knapp. Zwar tendiert Maine auf Bundesebene eher zu den Demokraten, Collins verfügt aber über eine ungewöhnlich starke persönliche Wählerbasis.
Nachdem der republikanische Senator Steve Daines überraschend auf eine erneute Kandidatur verzichtet hat, findet in Montana ein offene Senatswahl statt. Auf dem Stimmzettel stehen der Republikaner Kurt Alme, die Demokratin Alani Bankhead, der Unabhängige Seth Bodnar und der Libertäre Kyle Austin. Die Kandidatur des prominenten Bodnars erschwert Prognosen, weil sich die nicht-republikanischen Stimmen aufteilen. Der Republikaner Alme gilt in dem traditionell republikanisch geprägten Bundesstaat als Favorit.
Obwohl Nebraska als klar republikanisch geprägter Bundesstaat gilt, zählt die Senatswahl zu den aufmerksam beobachteten Rennen der Midterms. Der republikanische Amtsinhaber Pete Ricketts wird von dem populären Unabhängigen Dan Osborn herausgefordert, der gezielt unzufriedene Republikaner und Arbeiter anspricht. Die Demokraten halten sich bewusst zurück und haben keinen eigenen Kandidaten auf dem Stimmzettel, unterstützen aber die Kandidatur Osborns.
Die Demokraten sehen in North Carolina eine ihrer besten Chancen, den Republikanern einen Senatssitz abzunehmen. Senator Thom Tillis tritt nicht erneut an. Für die Demokraten kandidiert mit Roy Cooper ein starker Kandidat: Cooper ist ehemaliger Gouverneur von North Carolina und hat eine außergewöhnlich erfolgreiche Wahlbilanz: Er hat sämtliche landesweite Wahlen gewonnen, für die er kandidierte. Für die Republikaner geht Michael Whatley ins Rennen. Er gilt als Vertrauter von Trump, und steht nun vor der Herausforderung, Trumps Anhänger zu mobilisieren, ohne andere zu verschrecken. North Carolina gilt für die Demokraten als "Must-win".
Der Republikaner Jon Husted hat seinen Senatssitz vom jetzigen Vizepräsidenten Vance nur temporär bis zum nächsten möglichen Wahltermin übernommen. Nun muss Jon Husted diesen Sitz gegen einen starken demokratischen Herausforderer verteidigen: Der frühere Senator Sherrod Brown will in den US-Senat zurückkehren. Ohio hat sich in den vergangenen Jahren stark in Richtung Republikaner bewegt, doch der Demokrat Brown besitzt als langjähriger Senator eine starke persönliche Verankerung. In einigen Umfragen liegt Brown bereits vor dem Amtsinhaber. Für die Demokraten ist das die Chance, einen republikanischen Sitz zu gewinnen.
Texas ist eine Überraschung bei den "Battlegrounds". Der republikanische Amtsinhaber John Cornyn hat die parteiinterne Vorwahl gegen den von Trump unterstützten Kandidaten Ken Paxton verloren - der Sitz ist somit faktisch offen. Paxton trifft bei den Midterms auf den Demokraten James Talarico, der in seiner Partei als aufsteigender Star gilt. Er spricht auch religiöse und moderat-konservative Wähler an. Die Demokraten hoffen, dass Talarico auch für moderate Republikaner wählbar ist. Texas ist ein tiefrepublikanischer Staat und hat seit mehr als 30 Jahren keinen demokratischen Senator gewählt. Das Rennen gilt mittlerweile in einigen Bewertungen als "Toss-Up".
Demokraten
Der Demokrat Jon Ossoff will seinen Sitz gegen den Republikaner Mike Collins verteidigen. Georgia gehört zu den wichtigsten Swing States der USA. Die letzten Präsidentschafts- und Senatswahlen waren extrem eng; 2024 ging Georgia knapp an Präsident Trump. Dennoch liegt Ossoff in vielen aktuellen Umfragen vor Collins. Die Republikaner setzen darauf, dass Trumps starke Wählerbasis in Georgia ihrem Kandidaten im November zusätzlichen Rückenwind verschafft.
Da die langjährige demokratische Amtsinhaberin Jeanne Shaheen in den Ruhestand geht, müssen die Demokraten einen offenen Senatssitz verteidigen. Ihr Kandidat ist der Kongressabgeordnete Chris Pappas, der gegen den früheren US-Senator John Sununu antritt. Der Name Sununu ist in New Hampshire fast so etwas wie ein politisches Markenzeichen: Sowohl sein Vater John H. Sununu als auch sein Bruder Chris Sununu waren Gouverneure des Bundesstaats. Der Demokrat Pappas gilt als moderat und bodenständig. New Hampshire zählt traditionell zu den politisch umkämpften Bundesstaaten und Beobachter sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorher.
Die Demokraten müssen den Sitz von Senator Gary Peters verteidigen. Er tritt nicht mehr an. Ihr Kandidat Abdul El-Sayed ist Muslim und der Gaza-Konflikt ist ein mobilisierendes Thema für seinen Wahlkampf. Wegen seiner progressiven Positionen ist offen, ob er auch unabhängige Wähler und gemäßigte Demokraten überzeugen kann. Der republikanische Kandidat Mike Rogers setzt im Wahlkampf auf genau solche Wähler. Ein enges "Toss-Up-Rennen" wird vorausgesagt.
Die Battlegrounds für die Wahl zum Repräsentantenhaus
Für das Repräsentantenhaus sind nicht die Staaten, sondern die einzelnen Wahlkreise, genannt "Districts", relevant. Wer die Mehrheit in einem Distrikt gewinnt, hat damit ein Mandat mehr im Repräsentantenhaus. Und das kann entscheidend sein für die Mehrheit. Die umkämpften Distrikte werden "Battleground Districts" genannt und verteilen sich auf das ganze Land. Von Analyseinstituten und Medien wird ständig neu bewertet, wo es besonders knapp werden könnte.
Welche Distrikte bei der Wahl zum Repräsentantenhaus besonders umkämpft sind, zeigt eine Übersicht von "Ballotpedia".
Die Battlegrounds verstehen - wichtige Begriffe
Offener Senatssitz
Ein "Open Seat" ist ein zur Wahl stehender Sitz im US-Senat, bei dem der bisherige Amtsinhaber (Incumbent) nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Das bedeutet: Bei der anstehenden Wahl verteidigt kein amtierender Senator seinen Platz. Einen sogenannten "Amtsbonus" hat somit keine der Parteien. Offene Senatssitze bieten der gegnerischen Partei die größte Chance, einen Sitz zu erobern und die Mehrheitsverhältnisse im Senat zu verschieben.
Amtsbonus
Amtsinhaber, die sich zur Wiederwahl stellen, haben oft einen wichtigen Vorteil: Sie besitzen meist eine höhere Bekanntheit, ein eingespieltes Kampagnenteam und leichteren Zugang zu Wahlkampfspenden. Fällt dieser Vorteil weg, gelten offene Sitze bei der Senatswahl oft als hart umkämpft und unvorhersehbar.
Race Ratings
Race Ratings werden in den USA von unabhängigen Wahlbeobachtern, Medien oder Analyseinstituten erstellt. Sie bewerten, wie wahrscheinlich ein Sieg der Demokraten oder Republikaner in einem bestimmten Wahlkreis oder Bundesstaat ist.
Medien nutzen diese Bewertungen intensiv, um den Fokus auf die entscheidenden Rennen der Midterms zu legen. Wichtige Kategorien sind: Solid (praktisch sicher), Likely (wahrscheinlich) Lean (leichter Vorteil), Toss-Up (völlig offen).
Trump droht, bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress zu verlieren. Deshalb versucht er, mit allen Mitteln Zweifel an den Regeln zu säen. Vor allem die Briefwahl hat er im Fokus.
16.09.2026 | 10:55 minToss-Up
Toss-Up ist die Bezeichnung für ein völlig offenes Wahlrennen. Beide großen Parteien haben realistische Gewinnchancen. Solche Rennen entscheiden oft über die Mehrheit im Kongress. Sie erhalten daher größte mediale Aufmerksamkeit.
Swing States
Die sogenannten Swing States sind die "klassischen" Battleground States der Präsidentschaftswahlen. Die Wahlergebnisse "schwingen" oder pendeln immer wieder zwischen Demokraten und Republikanern. Auch bei den Midterms sind diese Staaten deswegen mehr als andere im Fokus von Wahlkampf, Umfragen und Medien.
In sechs zentralen Swing States der Präsidentschaftswahl 2024 finden Gouverneurswahlen statt, teilweise auch Senatswahlen. Anders als bei den Präsidentschaftswahlen zählt hier allerdings der "Kandidatenfaktor" oft mehr als die Parteilinie. Auch lokale Themen können ausschlaggebend sein. Das macht die Senats- und Gouverneurswahlen weniger berechenbar mit Blick auf Parteitreue und der Wahlkampf wird besonders intensiv geführt.
Darum sind die Swing-States für die Midterms wichtig
Arizona war bei den letzten Wahlen häufig republikanisch geprägt, ist nun aber politisch umkämpft. Neben den Wahlen zum US-Repräsentantenhaus findet parallel auch die Gouverneurswahl statt. Die demokratische Amtsinhaberin Katie Hobbs möchte ihr Amt gegen den republikanischen Konkurrenten Andy Biggs verteidigen.
Neben den Wahlen zum US-Repräsentantenhaus wird auch ein US-Senatssitz neu gewählt. Somit wird der Wahlausgang in Georgia die Mehrheitsverhältnisse im Kongress mitbestimmen. Auch die Gouverneurswahl steht an. Beide Wahlen gelten als Battleground, also als Wahl mit offenem Ausgang.
In Michigan prägen Autoindustrie und wirtschaftliche Fragen die Politik. Der Bundesstaat zählt zur sogenannten "Blue Wall" und gilt als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen Mittelschicht. Neben den Kongresswahlen steht auch die Gouverneurswahl an, wo sich knappes Rennen abzeichnet. Dazu wird ein Senatssitz gewählt, der für die Republikaner besonders interessant ist: Der jetzige demokratische Amtsinhaber tritt nicht wieder an, der Wahlausgang gilt als offen.
Nevada ist ein Swing State mit einigen sehr umkämpften Wahlkreisen. Der Staat wächst schnell und hat viele Latino-Wähler, Zugezogene aus anderen Bundesstaaten und einen hohen Anteil unabhängiger Wähler. Das macht das Abstimmungsverhalten schwer berechenbar und Wahlen werden häufig knapp entschieden. In Nevada findet am 3. November auch die Gouverneurswahl statt, die Umfragen sind knapp und die Republikaner haben Sorge, das Gouverneursamt zu verlieren.
Pennsylvania verbindet große Städte mit ländlichen Regionen und spiegelt viele gesellschaftliche Konflikte der USA wider. Wahlen werden dort oft äußerst knapp entschieden. In Pennsylvania gibt es mehrere umkämpfte Distrikte für das Repräsentantenhaus. Außerdem findet in Pennsylvania die Gouverneurswahl statt. Bei den Präsidentschaftswahlen gilt Pennsylvania oft als der entscheidende Bundesstaat. Entsprechend hoch ist auch die Aufmerksamkeit bei den Midterms.
Wisconsin gehört ebenfalls zur sogenannten "Blue Wall". Die politischen Lager sind dort ähnlich stark. Schon geringe Veränderungen bei der Wahlbeteiligung können den Ausschlag geben und die Einteilung der Wahlkreise ist ein besonderer Streitpunkt. In Wisconsin findet am 3. November auch die Gouverneurswahl statt.
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