Verlorenes Wimbledon-Finale:Zverev will nicht mehr ewiger Dritter sein
von Jannik Schneider
Alexander Zverev verliert sein erstes Wimbledon-Finale gegen Jannik Sinner - aber er fordert den Weltranglistenersten wie nie zuvor. Der Abstand zur Nummer Eins schwindet.
Alexander Zverev umarmt Jannik Sinner nach seiner Niederlage in Wimbledon.
Quelle: AFPFehlender Mut und mangelnde Variation waren Deutschlands bestem Tennisspieler am Sonntag in seinem ersten Wimbledon-Finale nicht vorzuwerfen. Alexander Zverev spielte durchweg, um zu gewinnen, und nicht, um nicht zu verlieren. Jene passive Attitüde, die ihm vor dem French-Open-Sieg das eigene Tennisleben oft genug erschwert hatte.
Sinner erwischte Zverev auf dem falschen Fuß
Ein krachender Winner mit seiner immens verbesserten Vorhand brachten Zverev gegen Titelverteidiger Jannik Sinner den Gewinn des ersten Satzes.
Nach dem lang ersehnten ersten Grand-Slam-Erfolg in Frankreich spricht Alexander Zverev über Emotionen, die entscheidenden Phasen des French-Open-Finales und eine sporthistorische Einordnung.
07.06.2026 | 1:27 minDas Momentum im bis dahin engen Match schwappte beim Stand von 1:1-Sätzen, 3:3 und 40:30: Sinner setzte einen Weltklasse-Stopp und erwischte seinen Gegner damit im wahrsten Sinne des Wortes auf dem falschen Fuß. Zverev rutschte weg, verlor den Punkt und hielt sich schmerzverzerrt das Knie. Sinner gewann sein Aufschlagspiel und breakte Zverev im darauffolgenden Spiel erstmals.
Am Ende hieß es nach fast vier Stunden hartem Kampf 6:7 (7:9), 7:6 (7:2), 6:3 und 6:4 für Sinner, der damit seinen Wimbledon-Titel erfolgreich verteidigt hatte.
Überlebenswichtige Entwicklungsschritte
Für Zverev war es die zehnte Niederlage in Serie gegen den nicht nur in der Weltrangliste besten Tennisspieler der Welt. Das Zverev-Lager darf sich dennoch Hoffnung machen, ist die Art und Weise der Niederlage doch auf sportlich überlebenswichtige Entwicklungsschritte zurückzuführen.
Vor der Analyse musste die neue Nummer zwei der Weltrangliste bei der Pressekonferenz knapp 90 Minuten nach Matchende zunächst über sein Knie und mögliche Einschränkungen sprechen. Er habe dieses wieder überstreckt, ähnlich wie bei einem Ausrutscher gegen Taylor Fritz auf dem Heiligen Rasen 2024.
"Ich hatte anschließend ein wenig Schwierigkeiten, mich beim Aufschlag abzustoßen. Deshalb hat meine Aufschlaggeschwindigkeit nachgelassen. Aber alles andere lief gut", resümierte Zverev.
Ich habe mich von der Grundlinie aus gut bewegt und dort gut gespielt. Aber beim Aufschlag hatte ich etwas mehr Schwierigkeiten
Alexander Zverev
Alexander Zverev lebt mit Typ-1-Diabetes. Welche Herausforderungen kommen auf Spitzensportler mit dieser Stoffwechselerkrankung zu?
12.07.2026 | 0:50 minÜberragende Aufschlagquote
Ein einfacher Vorhandfehler zum Start des zweiten Tiebreaks, der zu glatt für Sinner lief, und zwei knappe Breaks: Viel mehr hatte sich Zverev in diesem engen Finale nicht vorzuwerfen. Erstmals im Jahr 2026 gewann er gegen Sinner einen Satz und vermochte, den nun fünfmaligen Grand-Slam-Sieger voll zu fordern.
Anderthalb Sätze erhob Zverev mit einer überragenden ersten Aufschlagquote von zwischenzeitlich 80 Prozent, einer brandgefährlichen Vorhand, die auch auf höchstem Niveau nicht mehr länger als Schwachstelle bezeichnet werden darf, sowie einer positiven Körpersprache berechtigte Titelansprüche.
Die Vorhand eine Paradeschlag
Dann schien es, als würde Zverevs Energielevel um ein paar winzige Prozentpunkte fallen. Er steuerte mit drei Energiegeln und einer Spritze ob seiner Diabetes-Erkrankung dagegen. Zum Ausgangslevel fand Zverev, der Sinner als verdienten Sieger titulierte, nicht mehr.
Was von diesem Finale bleibt, ist, dass die Vorhand höchsten Ansprüchen, also Sinners und nach dessen Comeback auch Carlos Alcaraz', genügen kann - zumindest zu besonderen Anlässen.
Sinner verteidigt Wimbledon-Titel gegen Zverev
Jannik Sinner hat seinen Titel nach großem Kampf gegen Alexander Zverev verteidigt. Der Hamburger unterlag dem Italiener 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6.
Quelle: APZverev sieht sich auf dem richtigen Weg
Zverev erklärte, nach dem ersten Grand-Slam-Sieg in Paris und seinem ersten Wimbledon-Finale seien er und sein Team auf dem richtigen Weg. Zverev hegte die Hoffnung, auch in naher Zukunft Herausforderer von Sinner und Alcaraz zu sein.
"Ich habe sie dieses Jahr zwar nicht geschlagen, aber ich habe sie bis an ihre Grenzen gebracht, würde ich sagen. Alcaraz in Australien, Jannik vielleicht hier", sagte Zverev. In den vergangenen Jahren sei er irgendwie immer der Dritte gewesen.
Wenn ich also näher an sie herankomme, wenn ich natürlich mit ihnen um die großen Turniere kämpfen und sie gewinnen kann, an ihrer Seite, wäre das großartig. Dafür werde ich weiter hart trainieren.
Alexander Zverev
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