Erstes Major als Grand-Slam-Sieger:Zverev-Durchbruch auch in Wimbledon?
von Jannik Schneider
Bei der 139. Auflage des Wimbledon-Turniers startet Alexander Zverev erstmals als Grand-Slam-Sieger. Gelingt dem 29-Jährigen auch auf dem ungeliebten Rasen der Durchbruch?
Alexander Zverev bereitet sich in der Londoner Hitze auf den Rasenklassiker vor.
Quelle: dpaEin Journalist nutzte bei der Pressekonferenz mit Alexander Zverev vor seinem Wimbledon-Auftakt eines der bekanntesten Sprichwörter Londons, um ein mögliches Szenario für Zverev zu erfragen. "In London sagt man, man wartet ewig auf einen Bus - und dann kommen gleich zwei auf einmal", sagte der Reporter und fragte den Deutschen: "Nach ihrem French-Open-Titel: Ist das jetzt die Chance, direkt den nächsten großen Erfolg nachzulegen und auch in Wimbledon weit zu kommen?"
Zverev hatte vor drei Wochen bei den French Open im 41 Grand-Slam-Anlauf endlich seinen ersten Majortitel gewonnen. Die Tennis-Blase stellt sich nun die Frage: Bringt das dem Weltranglisten-Dritten einen derartigen Push, dass nun direkt der nächste Titel folgen kann?
Die Tennisprofis freuen sich auf die All England Championships in Wimbledon. Kann Alexander Zverev seine Form bestätigen - und was wird aus dem Comeback des Jahres?
28.06.2026 | 0:45 minWimbledon bislang nicht Zverevs bestes Pflaster
Zverev selbst nutzte an der Church Road seine in den vergangenen Jahren hinzugewonnenen Diplomatie-Künste für eine Antwort. Die halfen dem 29-Jährigen zuletzt bereits unter großem medialen Druck in Paris, die Ruhe zu bewahren, als sich Jannik Sinner und Novak Djokovic frühzeitig aus dem Turnier verabschiedeten und er zum Top-Favoriten auf den Titel avancierte.
In London nun sagte Zverev: "Schauen wir mal, ich weiß es nicht. Ich hoffe natürlich, dass sich dieses Sprichwort für mich bewahrheitet. Aber Wimbledon war schon immer das Grand-Slam-Turnier, bei dem ich die größten Schwierigkeiten hatte."
Auftaktsieg gegen Belgier Blockx
Der Auftakt ist Zverev jedenfalls schon mal geglückt. Gegen den Belgier Alexander Blockx setzte er sich 6:4, 6:7 (8:10), 7:6 (7:5), 7:6 (7:0) durch und übersprang die erste Hürde auf dem ungeliebten "heiligen Rasen" - doch für den zweiten Grand-Slam-Sieg in Folge wird er sich noch deutlich steigern müssen.
"Aus irgendeinem Grund habe ich auf diesem wunderschönen Platz zu kämpfen", sagte Zverev mit einem Lächeln im Gesicht. Nach dem kniffligen Auftakt trifft er nun in der nächsten Runde auf den Franzosen Valentin Royer, Nummer 75 der Weltrangliste.
Sinner verteidigt Wimbledon-Titel gegen Zverev
Jannik Sinner hat seinen Titel nach großem Kampf gegen Alexander Zverev verteidigt. Der Hamburger unterlag dem Italiener 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6.
Quelle: APBei neun Teilnahmen erreichte Zverev bislang dreimal das Achtelfinale. Vergangenes Jahr ereilte den Deutschen das Aus in Runde eins. Anschließend gab er eine denkwürdige Pressekonferenz und offenbarte mentale Probleme. 12 Monate später könnte das Narrativ konträrer nicht sein.
Gute Voraussetzungen für Spiel auf Rasen
"Persönlich habe ich dieses Jahr ein anderes Gefühl. Ich finde, ich habe mich gut vorbereitet. Ich habe das Gefühl, dass ich im Moment gutes Tennis spiele. Jetzt werde ich alles dafür tun, das auch auf dem Platz und im Match zu zeigen", so Zverev. Sportlich könnte ihm, der sich trotz der Londoner Hitze in kräftezerrenden Einheiten auf den Rasenklassiker vorbereitete, sein weiterentwickeltes Spiel zugute kommen.
Nach dem lang ersehnten ersten Grand-Slam-Erfolg spricht Alexander Zverev über Emotionen, die entscheidenden Phasen des French-Open-Finales und eine sporthistorische Einordnung.
07.06.2026 | 1:27 minIm Vergleich zum Vorjahr steht Zverev bis zu einem Meter näher an der Grundlinie, gestaltet seine Vorhand offensiver. Zudem ist Zverevs Netzspiel und der Übergang von Grundlinie zur T-Linie erheblich besser geworden. Gepaart mit dem gestiegenen Selbstvertrauen sind das hervorragende Voraussetzungen für ein Rasenturnier.
Mögliches Sinner-Duell erst im Finale
Beim Vorbereitungsturnier in Halle schied Zverev erst im Halbfinale gegen Taylor Fritz (USA) aus. Zverev gab danach an, Probleme mit seinem Diabetes-Messgerät zu haben und klagte über Unwohlsein. In London gab die Nummer zwei der Setzliste Entwarnung. Bis auf die übliche Rasen- und Pollenallergie gehe es ihm gut.
Gegen den US-Amerikaner Fritz musste Zverev jedenfalls Duell-Niederlage Nummer sieben in Serie hinnehmen. Eine ähnlich schlechte Bilanz hat der Deutsche lediglich gegen Sinner mit zehn Niederlagen. Während Zverev auf den Titelverteidiger erst im Finale treffen kann, würde Fritz Zverev bereits in der Runde der letzten acht vor eine große Herausforderung stellen.