Leichtathletik EM - Hochsprung:Mit Mut ins Finale: Honsel will sich belohnen
von Johannes Fischer
Christina Honsel steht im Hochsprung-Finale der EM in Birmingham. Nach einer schwierigen Saison will die Olympia-Sechste am Samstag mehr als nur dabei sein.
Christina Honsel möchte im Hochsprung-Finale in Birmingham voll angreifen.
Quelle: Eibner-PressefotoEin kurzer Blick zur Latte, dann hob Christina Honsel den Daumen und strahlte. 1,91 Meter waren geschafft - wenn auch nicht ganz ohne Wackler. Die Latte zitterte, blieb aber liegen. Für Honsel war es der erste Wettkampf seit mehr als einem Monat und gleich der Sprung ins EM-Finale.
Am Samstagabend (21:07 Uhr, live im ZDF) wartet die nächste Herausforderung, und Honsel geht mit einem guten Gefühl ins Finale. "Die Quali hat mir nochmal gezeigt, dass ich mich auf meinen Sprung verlassen kann und dass ich gut drauf bin", sagt die 29-Jährige im Gespräch mit ZDFheute. Nach den vergangenen Monaten ist das mehr als eine beiläufige Feststellung.
Die Höhepunkte des Tages kompakt zusammengefasst. Unter anderem mit allen Entscheidungen im Gehen, Weitsprung-Qualifikation und den Sprintstaffeln.
15.08.2026 | 10:15 minDie Belohnung für eine schwierige Saison
Verletzungsprobleme hatten sie zurückgeworfen, die Deutschen Meisterschaften ließ sie aus. Statt in Wattenscheid um den Titel zu kämpfen, konzentrierte sie sich darauf, rechtzeitig für Birmingham fit zu werden. Dass sie nun tatsächlich im EM-Finale steht, war deshalb keineswegs selbstverständlich. "Für mich ist das Finale auch ein Stück weit die Belohnung für eine schwierige Saison", sagt Honsel. "Ich hatte einige Rückschläge."
Genießen will sie den Abend trotzdem - allerdings nicht nur. "Gleichzeitig bin ich natürlich nicht hier, um einfach nur dabei zu sein", sagt sie.
Das Feld dafür ist ungewöhnlich groß. 15 Springerinnen stehen im Finale, alle haben in der Qualifikation die 1,91 Meter geschafft. Honsel ist damit eine von vielen - aber keineswegs chancenlos. Gerade hinter der großen Favoritin ist die Ausgangslage offen.
Vor einem Jahr sorgte die ZDF-frontal-Dokumentation "Gold, Silber, Machtmissbrauch" deutschlandweit für Schlagzeilen. Was hat sich seitdem getan?
11.08.2026 | 3:07 minHinter Mahutschich ist vieles offen
An Jaroslawa Mahutschich führt dabei kaum ein Weg vorbei. Die Ukrainerin ist Weltrekordlerin, Titelverteidigerin und will in Birmingham ihren dritten EM-Titel in Folge gewinnen. In der Qualifikation musste auch sie nicht lange arbeiten: 1,88 und 1,91 Meter meisterte sie jeweils im ersten Versuch. Alles deutet darauf hin, dass Mahutschich auch im Finale die Maßstäbe setzen wird.
Dahinter wird es interessant. Honsel gehört zu den Springerinnen, die bei einem guten Wettkampf weit nach vorne kommen können. Bei den Olympischen Spielen in Paris wurde sie Sechste, bei der WM 2025 in Tokio Siebte. Vor zwei Jahren in Rom war sie bei der EM allerdings nur Elfte geworden.
Seitdem hat sie sich enorm weiterentwickelt. Im vergangenen Sommer übersprang Honsel erstmals die Schallmauer, die für Hochspringerinnen immer noch etwas Besonderes ist. 2,00 Meter sind bis heute ihre persönliche Bestleistung, in diesem Jahr steht sie allerdings erst bei 1,94 Meter.
Das Vertrauen ist zurück
Vor allem aber verlief ihre Saison alles andere als geradlinig. Verletzungsprobleme bremsten sie immer wieder aus, Wettkämpfe fielen aus. Umso wichtiger war der Auftritt in der Qualifikation.
Denn Honsel bekam dort genau das zurück, was in den vergangenen Monaten nicht selbstverständlich war: Vertrauen in den eigenen Sprung. "Die Quali gestern hat mir nochmal gezeigt, dass ich mich auf meinen Sprung verlassen kann", sagt sie.
Als Smilla Kolbe vor dem Mikrofon fragt, ob sie noch was sagen darf, folgt etwas, das sich mittlerweile rasant verbreitet hat. Es ist der Appell einer Sportlerin für mehr Fairness und Respekt.
14.08.2026 | 2:34 minDieses Vertrauen wird sie im Finale brauchen. Denn dort wird die Latte schnell höher liegen, die Fehlversuche werden wichtiger. Honsel will nicht abwarten, was passiert.
Ich möchte mutig springen, alles riskieren und schauen, was morgen möglich ist.
Christina Honsel
Wie hoch kann es gehen?
Das klingt nicht nach einer Athletin, die sich mit dem Finaleinzug zufriedengibt. Gleichzeitig weiß Honsel, was sie in Birmingham bereits erreicht hat. Nach einer schwierigen Saison steht sie wieder auf der großen Bühne - und kann ohne Druck springen.
"Jetzt heißt es vor allem, den Kopf freizubekommen, fokussiert zu bleiben und den Wettkampf zu genießen", sagt sie. "Ich freue mich einfach riesig auf den Wettkampf." Die Vorfreude ist also da, das Vertrauen ebenfalls. Jetzt muss Honsel nur noch zeigen, wie hoch sie tatsächlich springen kann.
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