Williams' Wimbledon-Comeback: Werbegag oder Wimbledon-Wunder?

Aufregung in der Tennis-Welt:Williams-Comeback: Werbegag oder Wimbledon-Wunder?

von Jannik Schneider

|

Die 44 Jahre alte Serena Williams ist nach vier Jahren auf die Grand-Slam-Bühne zurückgekehrt. In Wimbledon wird über das Comeback kontrovers diskutiert.

Serena Williams

Die Tennisprofis freuen sich auf die All England Championships in Wimbledon. Kann Alexander Zverev seine Form bestätigen - und was wird aus dem Comeback des Jahres?

28.06.2026 | 0:45 min

Das Comeback war nicht von Erfolg gekrönt. Zwar ließ Serena Williams am Dienstagabend auf dem Centre Court immer wieder der ihre alte Klasse aufblitzen, kämpfte verbissen, musste sich aber gegen die 24 Jahre jüngere Australierin Maya Joint nach 2:22 Stunden 3:6, 7:6 (8:6), 3:6 geschlagen geben.

Alle Blicke auf Serena Williams

Zwei Tage zuvor: Die Plätze im "Media Theatre", dem größten Pressekonferenz-Saal in Wimbledon, waren am Sonntagnachmittag fast alle besetzt für den Star, die Marke, die mutmaßlich beste Spielerin aller Zeiten. Serena Williams bringt eine nochmal größere Portion Aufmerksamkeit zum ohnehin prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt an der berühmten Church Road im Südwesten Londons.

Dass die 23-malige Grand-Slam-Siegerin vier Jahre nach ihrem Karriereende im für Spitzensport biblischen Alter von nun 44 Jahren tatsächlich nochmal auf die große Bühne im Einzel zurückkehrt nach zarten Doppel-Versuchen der vergangenen drei Wochen, wird groß diskutiert.

Rätselraten um das Motiv

Ist die Grande Dame fit genug und wettbewerbsfähig? Warum setzt sie sich diesem Druck ausgerechnet auf der größten Einzel-Bühne der Welt aus? Geht es nur darum, den unbändigen, vielleicht sogar realitätsfernen Ehrgeiz, der große Sportlerinnen und Sportler meist vereint, zu stillen? Oder nutzt sie die Bühne nur, um für ihre Interessen zu werben?

Nach allem, was so zu hören, zu lesen und zu sehen ist, ist es ein Cocktail aus all diesen Fragestellungen. Medienwirksam hatte sie während der French Open ihr Comeback fürs Doppel angekündigt, schlug daraufhin im Londoner Queen's Club und bei den Berlin Open auf. Auf der Insel gewann sie mit der aufstrebenden Victoria Mboko ein Match, bevor sich das Nachwuchstalent im Einzel verletzte.

Deal mit Pharma-Unternehmen?

Die Aufmerksamkeit war dennoch riesig. Die Übertragung ihres Comebacks wurde vom Unternehmen Ro gesponsort. Ro vertreibt das GLP-1-Medikament Zepbound, das vom Pharma-Riesen Eli Lilly hergestellt wird. Die Wirkstoffe von Zepbound sollen die Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung anregen, verlangsamen die Verdauung und reduzieren Appetit sowie Hungergefühl.

Serena Williams in Asturien geehrt

Tennisprofi Serena Williams wird der Prinzessin-von-Asturien-Preis verliehen – für ihre sportlichen Erfolge und ihren Einsatz für Gleichberechtigung. Zur Begrüßung gibt es eine Dudelsack-Einlage.

24.10.2025 | 0:51 min

Williams hat damit nach eigenen Angaben nach ihrer zweiten Schwangerschaft 14 Kilo abgenommen und das Medikament bei ihren zahlreichen Millionen Followern in den sozialen Medien beworben. Ihr Ehemann ist Investor bei Ro. Die Wirkstoffklasse, schrieb die New York Times, werde von den Anti-Doping-Behörden seit 2024 genau beobachtet.

Kurzfristige Entscheidung

In Berlin verlor Williams das erste Doppel an der Seite von Karolína Muchová. Daraus Schlüsse für ein mögliches Einzel-Comeback zu ziehen, fiel allen Beobachtern und Williams selbst schwer, wie sie am Sonntag in Wimbledon deutlich machte. Erst am Sonntag, dem 21. Juni, also einen Tag vor der Auslosung der Qualifikation, wurde sie als letzte Wildcard für das Hauptfeld der Frauen bekanntgegeben.

Serena Williams kündigt Tennis-Comeback an

Sensation: Vier Jahre nach ihrem Karriereende kehrt Serena Williams zurück. Die 44-Jährige spielt ab nächster Woche bei einem Turnier in London und vielleicht in Berlin.

02.06.2026 | 0:32 min

"Ich hatte bis Montag Zeit, mich zu entscheiden. Ich glaube, es war dann Sonntag. Bis dahin war ich mir einfach nicht sicher. Ehrlich gesagt bin ich mir selbst jetzt noch nicht ganz sicher - aber wir werden sehen", sagte Williams. "Es kommt nicht jeden Tag vor, dass Wimbledon eine Wildcard für jemanden freihält", sagte sie.

"Ich könnte wahrscheinlich nur eine Handvoll Menschen nennen, denen das passiert. Ich hatte das Glück, eine von ihnen zu sein", meinte Williams und fuhr fort:

Da habe ich mir gedacht: Diese Gelegenheit muss ich einfach nutzen. Wer weiß, ob ich jemals wieder hier spielen werde? Vielleicht ist das meine letzte Chance.

Serena Williams über ihre Wimbledon-Wildcard

Reicht es noch für die Weltspitze?

Dass sie diese womöglich letzte Chance sportlich nicht ernst nimmt, können ihr Beobachter der abgelaufenen Trainingswoche im Aorangi Park nicht vorwerfen. Als Williams am Dienstag Punkte gegen Maria Sakkari, eine in der Weltklasse erprobte Spielerin, trainierte, wirkte sie laut dem englischen Guardian noch etwas eingerostet: Ihre Grundschläge seien fehleranfällig und ihre Beinarbeit träge, schrieb das Medium von der Trainingseinheit.

Am Donnerstag, zwei Tage später, habe sie jedoch in einem mehr als einstündigen Trainingsduell mit der Weltranglisten-13. Marta Kostyuk eindrucksvoll mitgehalten und ihre Schlagqualität rasch auf das nötige Level adaptiert.

Keine schnellen Beine mehr

Es darf selbstredend nicht überraschen, dass Williams mit 44 Jahren Problematiken mit der Beinarbeit, vor allem aus den Ecken zurück zur Grundlinie, zeigt. Ebenso wenig ist es eine Sensation, dass ihr Aufschlag immer noch eine echte Waffe ist.

Sport
:Großes Tennis - Made in East Germany

Tennis ist in der DDR ein Sport ohne Zukunft: nicht erwünscht. Wer trotzdem von Wimbledon träumt, kämpft mit Mut und Schmuggelware gegen Schikane und Staat.
Großes Tennis - Made in East Germany
Über dieses Thema berichtete ZDFsportstudio in dem Beitrag "Bereit für den 'heiligen Rasen'" am 28.06.2026 um 06:43 Uhr.
Thema

Sport-Nachrichten