Millionen-Prämien bei Grand-Slams:Tennis bleibt einsamer Preisgeld-Spitzenreiter
von Petra Philippsen
Alexander Zverev gewinnt die French Open und kassiert Millionen, doch einen großen Teil kassiert die Steuer. Warum Tennis trotzdem die lukrativste Einzelsportart bleibt.
Alexander Zverev mit dem Coupe des Mousquetaires. Für seinen Sieg in Paris erhält der Tennis-Profi 2,8 Millionen Euro.
Quelle: action pressGut 14 Kilogramm wiegt der silberne Coupe des Mousquetaires. Doch so schwer die ikonische Siegertrophäe der French Open auch ist, Alexander Zverev wollte sie am Sonntag am liebsten nie wieder aus der Hand geben.
Der 29 Jahre alte Hamburger schleppte den Coupe nach seinem großen Coup in Roland Garros noch eine ganze Weile auf der Anlage im Pariser Südwesten mit sich herum. Posierte für jede Menge Fotos, dann aber musste sich Zverev doch von der Trophäe trennen.
Tennis: Hohes Preisgeld, hohe Steuern
Der Original-Coupe bleibt in Paris, mit nach Hause nehmen dürfen die Sieger nur eine sehr viel kleinere Replik. Was Zverev aber bleibt, ist der gewaltige Preisgeld-Scheck über 2,8 Millionen Euro. Allerdings nicht ganz, auch hier wird der neue Champion ein paar Abstriche machen müssen.
Denn Preisgelder im Profi-Sport müssen nach den Regeln des jeweiligen Landes, in dem sie gewonnen wurden, versteuert werden. In Frankreich mit bis zu 45 Prozent. Das gilt für alle, auch für diejenigen, die in der ersten Qualifikationsrunde ausgeschieden sind. Preisgeld ist Preisgeld.
Nach dem lang ersehnten ersten Grand-Slam-Erfolg spricht Alexander Zverev über Emotionen, die entscheidenden Phasen des French-Open-Finales und eine sporthistorische Einordnung.
07.06.2026 | 1:27 minEine zeitlang hatte England die schärfsten Steuergesetze, sodass Superstar Rafael Nadal zwischen 2012 und 2014 lieber einen Vertrag mit dem Rasen-Turnier im westfälischen Halle schloss als mit dem Londoner Queen’s Club. Nadal sparte damals eine kolportierte Summe von einer Million Euro an Steuern.
Tennis liegt bei den Preisgeldern noch vor Golf
Trotz der Abzüge sind Tennis-Profis im Vergleich zu anderen Einzelsportarten beim Verdienst eindeutig der Krösus. Besonders bei den vier Grand-Slam-Turnieren können die Besten ordentlich Kasse machen. Jährlich wird das Preisgeld dort gesteigert, Grenzen gibt es bisher nicht. Bei den Australian Open im vergangenen Januar erhöhte man um 11,5 Prozent, so dass die beiden Sieger jeweils 2,4 Millionen Euro bekamen.
Nur in Wimbledon und bei den US Open gibt es noch mehr zu verdienen - vier Millionen Euro in London und sogar 4,3 Millionen Euro in New York. Zum Vergleich: Im Golf gewann Rory McIlroy beim US Masters dieses Mal eine Rekordsumme von etwa 3,9 Millionen Euro. Das war eine Ausnahme. Übrige Sportarten fallen dagegen weit ab.
Vor den French Open drohte Streik
Im Reitsport lässt sich schon mal ein Preisgeld von 1,2 Millionen Euro bei einem Turnier verdienen, für den Tour-de-France-Sieg bei den Männern winken um die 500.000 Euro. Eine ähnliche Summe erhält auch der Weltmeister im Dart-Sport.
Viel schlechter schneiden beispielsweise Tischtennis-Profis ab. Die Grand-Smash-Turniere haben den sportlichen Stellenwert von Grand Slams im Tennis, der Sieger gewinnt aber lediglich 87.000 Euro. Tennis scheint also mehr als lukrativ, dennoch drohten viele Profis zu Beginn der French Open mit einem Streik.
Nicht die Top 50 waren per se unzufrieden, vielmehr die Spieler viel weiter hinten in der Rangliste. Jene, die täglich kämpfen müssen, um die mindestens 100.000 Euro zu verdienen, die nötig sind, um als Tennis-Profi mit Reisekosten, Trainergehalt und anderen Ausgaben eine Saison lang auf der Tour existieren zu können.
Viele machen Verluste, andere sanieren sich nur, wenn sie Glück haben und die Qualifikation bei einem Grand Slam überstehen. 87.000 Euro gab es in Paris für Runde eins - damit steht für einen Durchschnitts-Profi am Rande der Top 100 die Finanzierung für ein Jahr. Wie Maja Chwalinska, die in Paris als Qualifikantin sensationell ins Finale stürmte - sie hat erstmal ausgesorgt.
Zverev am Ziel: Erster Grand-Slam-Titel in Paris
Alexander Zverev gewinnt das Finale der French Open und damit den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Der 29-Jährige siegte gegen Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1.
Quelle: AFPFrench Open machen Riesen-Gewinn
Zverev hat in seiner Karriere schon 65 Millionen Euro Preisgeld brutto gewonnen, hinzu kommen hoch dotierte Sponsorenverträge. Er musste nicht streiken. Doch auch er sieht wie andere Topspieler, dass die Grand Slams riesige Gewinne mit ihnen als Hauptakteure einfahren.
Die French Open machten im Vorjahr einen Umsatz von knapp 400 Millionen Euro, eine Steigerung von satten 14 Prozent. Das Preisgeld erhöhte das Turnier jedoch nur um fünf Prozent. Der Frust mancher Spieler ist nachvollziehbar. Doch richtig ernst machten sie in Paris nicht. Ein gemeinsames Sprachrohr fehlt und der stärkere Rückhalt der Topstars. Und so dürfte es im Tennis weiterhin den Besten am besten gehen.
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