Erster Grand-Slam-Titel in Paris?:Alexander Zverev ist bereit für sein Happy End
von Petra Philippsen
Jahrelang lief Tennis-Profi Alexander Zverev seinem großen Traum vom Grand-Slam-Sieg erfolglos hinterher. Bei den French Open könnte sich für ihn der Kreis doch noch schließen.
Noch ein Sieg bis zur Erfüllung des großen Traums: Tennis-Star Alexander Zverev spielt bei den French Open am Sonntag um den Titel.
Quelle: AFPEigentlich weiß Alexander Zverev, wie sich so eine Grand-Slam-Trophäe anfühlt. Denn eine hat er in seiner Karriere schon gewonnen: 2014 bei den Australian Open, im Junioren-Wettbewerb. Damals war Zverev 16 Jahre alt und viele hatten ihm bereits seit Kindertagen eine große Tennis-Karriere prophezeit.
Dass es dann aber nochmal zwölf lange Jahre dauern würde, bis Zverev endlich die Erwachsenen-Version eines solchen Pokals in Händen halten könnte, hätte er selbst wohl auch nicht gedacht. Drei Endspiele bei Grand-Slam-Turnieren hat der 29-Jährige bisher erreicht, aber alle verloren. Im Endspiel der French Open am Sonntag gegen den Italiener Flavio Cobolli ist seine Chance auf den ersehnten Titel so groß wie nie. Und vielleicht ist es seine letzte.
Ordentliche Leistung reicht Zverev gegen Mensik
Überzeugend, fokussiert und bedingungslos hatte sich Zverev durch seine sechs Spiele auf der roten Asche von Roland Garros in Paris gekämpft und seine Kritiker so restlos zum Schweigen gebracht. Gegen den erschöpften Tschechen Jakub Mensik reichte eine ordentliche Leistung im Halbfinale, um zum zweiten Mal bei den French Open im Endspiel zu stehen.
Ich habe es geschafft, habe gewonnen, ich bin glücklich. Ich hoffe, ich spiele am Sonntag ein weiteres großartiges Match.
Alexander Zverev
Drei Grand-Slam-Finals - immer war etwas
Ein Sieg fehlt noch, dann hätte der Unvollendete doch seinen Frieden gefunden. Stets hing Zverev dieser Makel an, der fehlende Grand-Slam-Sieg, weil er ihn selbst für sich als das wichtigste Ziel ausgegeben hatte. Er selbst war sich mit seiner Karriere nicht genug, obwohl er zweifacher Weltmeister, Olympiasieger und Gewinner mehrerer Masters-Titel ist.
Zverev lief dem großen Titel erfolglos hinterher, denn immer war etwas. 2020 bei den US Open fehlten ihm zwei Punkte zum Titel, aber die Nerven spielten nicht mit. Vor zwei Jahren bei den French Open brach Zverev gegen Carlos Alcaraz im vierten Satz körperlich ein. Und im vergangenen Jahr bei den Australian Open war er im Finale gegen Jannik Sinner chancenlos.
Zverev erfindet sein Spiel neu
Oft haderte Zverev über die Jahre mit den Stimmen von außen, die ihn wegen seiner zu ausrechenbaren und oft zu passiven Spielweise kritisierten. Und doch hatte er sie zum Beginn dieser Saison endlich gehört - oder vielmehr erhört.
Zverev stellte sein Spiel um, agiert aggressiver, sucht jetzt stetig die Position dicht an der Grundlinie anstatt viele Meter dahinter, um mehr Druck auszuüben. Auch bei seinen Aufschlägen, seiner größten Waffe, geht er noch mehr Risiko.
Gegen Mensik hatte Zverevs zweiter Aufschlag im Schnitt ein Tempo von wahnwitzigen 180 km/h. Boris Becker schwärmte danach als TV-Experte: "So etwas habe ich noch nie gesehen, damit hat er heute gewonnen."
Zverev ist bereit für den Titel
Dieses Mal scheint für Zverev endlich alles zu passen. Er ist fit, sein Spiel ist auf dem besten Level und der Druck scheint an ihm abzuperlen. Ohne Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, ohne Novak Djokovic oder andere Topspieler wurde Zverev in Paris plötzlich der große Favorit. Und erstmals scheint er aus dieser Rolle eine Stärke zu machen.
Zverev am Ziel: Erster Grand-Slam-Titel in Paris
Alexander Zverev gewinnt das Finale der French Open und damit den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Der 29-Jährige siegte gegen Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1.
Quelle: AFPAm Sonntag könnte sich der Kreis für Zverev endlich schließen. Wie er an diesem Punkt doch noch angekommen ist, wollte er nach dem Halbfinale noch nicht beantworten. "Fragt mich das am Sonntag bitte nochmal", sagte er. Es dürfte der wichtigste Tag seiner Tennis-Karriere werden.