Designierter Bundestrainer :Was Jürgen Klopp beim DFB leisten könnte - und was nicht
von Christoph Ruf
Die Probleme im deutschen Fußball liegen zu tief, als dass sie ein Trainer kurzfristig lösen könnte. Für alles andere wäre Jürgen Klopp wohl der richtige Mann am richtigen Ort.
Jürgen Klopp wird voraussichtlich am Freitag bei einer Pressekonferenz des DFB als neuer Bundestrainer vorgestellt.
Quelle: dpaDass es hierzulande 82 Millionen Bundestrainer gibt, ist bekannt. Neu ist, dass so viele von ihnen so schlecht auf die Nationalelf zu sprechen sind, dass die Erwartungshaltung an den künftigen Bundestrainer gelegentlich ins Kraut schießt.
Dabei liegen die Probleme des deutschen Fußballs zu tief, als dass sie irgendein Trainer kurzfristig beheben könnte. Das weiß nicht zuletzt Jürgen Klopp, der betont, man müsse "eine Erwartungshaltung kreieren, mit der die Spieler umgehen können".
Der Deutsche Fußballbund hat am Freitag um 11 Uhr zu einer Pressekonferenz am DFB-Campus in Frankfurt am Main eingeladen. Ein konkreter Anlass ist in der Einladung nicht genannt. Es wird aber erwartet, dass dann der neue Bundestrainer vorgestellt wird. Das ZDF überträgt die Pressekonferenz live.
Neue Ansprache, neue Energie durch Klopp
Immerhin: Wenn es gelingt, erfolgreich um Geduld zu werben, trauen viele Beobachter Klopp durchaus zu, erfolgreich an den Dingen zu feilen, die sich durch eine andere Ansprache, eine andere Aura und andere Schwerpunkte bei der Personalauswahl lösen lassen.
Dabei weist die Nationalelf seit Jahren die offensive Grundausrichtung auf, die Klopps Teams seit jeher auszeichnet. Der Mann, der das Bonmot "Heavy-Metal-Fußball" prägte, könnte dieser eingeübten Spielanlage den nötigen Schwung verleihen.
Seit Wochen ist es ein offenes Geheimnis, dass Jürgen Klopp der Nachfolger von Julian Nagelsmann wird. Doch die offizielle Verkündung des neuen Fußball-Bundestrainers lässt noch auf sich warten.
23.07.2026 | 1:47 minZudem wird Klopp vom Anlauf- bis zum Zweikampfverhalten einiges ändern wollen, um wieder den Druck ins Offensivspiel zu bringen, das man bei der Fußball-WM so oft vermisst hat.
Es braucht eine neue Hierarchie im DFB-Team
Viele Kritiker monierten zudem das Fehlen einer klaren Hierarchie im Team. Seit Mainzer Zeiten, in denen Manuel Friedrich und Marco Rose sein verlängerter Arm waren, ist Klopp dafür bekannt, Spieler mit Charisma und Ausstrahlung stark zu reden und bedingungslos zu stützen.
Seine Mannschaften hatten auch deshalb stets eine klare Struktur, mit Führungsspielern, denen Klopp blind vertrauen konnte. Ehemalige Spieler berichten übereinstimmend, Klopp verfüge über ein Charisma, das dafür sorge, dass er kurz nach Betreten eines Raumes die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich gezogen habe.
Nach dem desaströsen Ausscheiden bei der WM gibt es ein Personalbeben beim DFB. Chris Kramer und Per Mertesacker analysieren die Situation.
03.07.2026 | 11:02 minAuch das dürfte hilfreich sein beim Versuch, eine nach der herben öffentlichen Kritik verunsicherte Mannschaft vom neuen Weg zu überzeugen.
Grundsätzliche Probleme im deutschen Fußball
Mit Wundern wird allerdings auch künftig nicht zu rechnen sein. Zu grundsätzlich scheinen vielen Experten die Probleme des deutschen Fußballs, als dass sie ein Trainer alleine lösen könnte.
Zu lange wurde Individualität geringgeschätzt. Hoch im Kurs stand hierzulande der technisch versierte Teamplayer, der lieber den Nebenmann bedient als selbst ins Risiko zu gehen.
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12.09.2024 | 12:56 minMehr Individualität in Nachwuchsausbildung gefordert
Dieser Ansatz galt bei der WM 2006 als hochinnovativ und war mit dem WM-Titelgewinn 2014 auch erfolgreich. Nun mehren sich die Stimmen, die fordern, schon im Nachwuchsbereich müsse wieder mehr auf Individualität gesetzt werden. Auch Klopp scheint das so zu sehen.
Nicht erst seit der WM wird zudem moniert, dass dem deutschen Spiel ein echter Neuner fehlt. Selbst Deniz Undav und Nick Woltemade erfüllen das Profil nur mit Abstrichen. Doch sie dürften auch unter Klopp nicht zu den Stammspielern gehören.
Kicker-Chefredakteur Tobias Goldbrunner sagt: "Wenn sich Klopp darauf fokussiert, die Spieler zu einer Einheit zu formen, kann es funktionieren." Der Weg zurück an die Weltspitze sei aber weit.
21.07.2026 | 3:08 min"Typen" wachsen nicht auf Bäumen - Neuner auch nicht
Allerdings wird der künftige Bundestrainer damit umgehen müssen, dass weit und breit kein klassischer Strafraumstürmer mit deutschem Pass in Sicht ist, der 15 Saisontreffer garantieren würde. Dieser Spielertyp wurde kaum noch ausgebildet.
Und auch einer der Punkte, die in der WM-Nachlese am meisten moniert wurden, wird bestenfalls in vielen Jahren behoben werden können. "Charaktere" oder "Typen", deren Fehlen viele entscheidend fanden, lassen sich nicht herbeizaubern.
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Doch wenn es dem neuen Trainer gelingt, aus den Spielern die Energien herauszukitzeln, die bei der WM zu oft ungenutzt blieben, könnte sich zumindest ein Aufwärtstrend einstellen. Klopp, der in Mainz, Dortmund und Liverpool regelrecht verehrt wurde, hat dafür nicht die schlechtesten Voraussetzungen.
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