Tour de France Femmes: Mont Ventoux als Höhepunkt bei den Frauen

Tour de France Femmes:Mont Ventoux - Höhepunkt einer spektakulären Frauen-Tour

von Stephan Klemm

|

Die bisher sehr abwechslungsreiche und spannende Tour de France der Frauen erlebt am Freitag ihren wohl größten Höhepunkt: Die Bergankunft auf dem Mont Ventoux.

Gipfel des Mont Ventoux

Gipfel des Mont Ventoux

Quelle: Zoonar | Werner Richner

Diese Rundfahrt, diese Tour de France der Frauen, bietet so viele Facetten auf einmal, wie sie im prestigeträchtigen Männerrennen in der Ära Tadej Pogacar nicht mehr zu sehen sind. Es wird von Anfang an mit hohem Tempo am Anschlag gefahren. Die vielen Fans am Straßenrand würdigen das mit lauten Beifallsbekundungen. Das Tages- und Gesamtklassement erlebt einen munteren Wechsel.

Vermeintlich locker zu bewältigende Teilstücke wie das hügelige Beaujolais oder das Département Ardèche entwickeln sich zu einer faszinierenden Ausscheidungsfahrt der Favoritinnen - zu denen die von den französischen Fans verehrte Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévôt nicht mehr gehört. Weil sie überraschend früh Schwächen zeigte und einen großen Zeitrückstand anhäufte.

Demi Vollering bejubelt ihren Etappensieg auf der 5. Etappe der Tour de France Femmes

Demi Vollering hat die 5. Etappe der Tour de France Femmes gewonnen. Auch Deutschlands Antonia Niedermaier feierte einen großen Erfolg.

05.08.2026 | 0:41 min

Radsport in seiner Urform

Die begeisterten Fans erleben Radsport in seiner famosen Urform: Eine Sportlerin, ausgesetzt in der Landschaft, kämpft auf ihrer Maschine gegen die Elemente und die in diesem Fall tatsächlich vorhandenen Gegnerinnen. Ausgeglichen wirkt diese Rundfahrt, es gibt viele verschiedene Siegerinnen und in sechs Tagen schon drei verschiedene Trägerinnen des Gelben Trikots.

Radprofi Marlen Reusser bei der Tour de France

Die Radsportfans lieben die Tour de France der Frauen.

Quelle: dpa | Jean-Christophe Bott

Reusser gegen Vollering - Duell um den Gesamtsieg

Gerade ist es im Besitz der Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser aus der Schweiz. Sie führt mit zwölf Sekunden Vorsprung vor Demi Vollering aus den Niederlanden. Ein spektakuläres Rennen ist die Tour also bereits jetzt, doch erst an diesem Freitag erlebt sie vor dem Finale am Sonntag ihren vermeintlich größten Höhepunkt: Die Königsetappe, die oben auf dem Mont Ventoux endet.

Marlen Reusser im gelben Trikot der Tour de France Femmes

Die Schweizerin Marlen Reusser hat die vierte Etappe der Tour de France Femmes gewonnen. Damit schlüpft sie auch ins Gelbe Trikot.

04.08.2026 | 0:31 min

Vollering, die im Frühjahr die Flandern-Rundfahrt, den Flèche Wallonne sowie Lüttich-Bastogne-Lüttich gewann und Anfang Juni auch noch den Giro d’Italia, ist nun neben der erstaunlich starken Reusser die Topfavoritin des Rennens. Die abgehängte Titelverteidigerin Ferrand-Prévôt betont, sich nun auf einen Etappensieg konzentrieren zu wollen. Vor allem die Strecke auf den Ventoux hat es ihr angetan. Es wäre ein prestigeträchtiger Erfolg auf einem der mythischsten Tour-Berge. 1.602 Höhenmeter verstecken sich auf knapp 22 Kilometern Anstieg hinauf die Kuppe.

Tragisches Unglück am Mont Ventoux

Berühmt geworden ist der Tour-Berg durch ein Unglück am 13. Juli 1967. Damals verlor der Brite Tom Simpson kurz vor der Passhöhe sein Leben. Er hatte in der Hitze des Tages seine Dehydrierung mit Alkohol beheben wollen und war zudem vollgepumpt mit Amphetaminen, die seine Müdigkeit und Erschöpfung verschleierten. Es war eine tödliche Mischung.

Sigrid Ytterhus Haugset

Die Norwegerin Sigrid Haugset hat als Solistin die 3. Etappe der Tour de France Femmes gewonnen und das Gelbe Trikot übernommen. Antonia Niedermaier hält mit den Favoritinnen mit.

03.08.2026 | 1:14 min

Der Ventoux - zwischen Inspiration und "Gott des Bösen"

Vorjahres-Gesamtsiegerin Ferrand-Prévôt hat die Tücken des Ventoux in Erkundungsfahrten erkundet. "Es wird ein schöner Kampf", findet sie. Vollering sagt: "Der Ventoux inspiriert mich sehr." Die Deutsche Antonia Niedermaier, Fünfte des Gesamtklassements und Trägerin des Weißen Trikots des besten Jungprofis, kennt den Berg "nur vom Analyse-Tool, dafür aber in- und auswendig".

Der französische Philosoph Roland Barthes wiederum stellte den Ventoux in seinem Essay: "Die Tour de France als Epos" Mitte der 1950er Jahre als angsteinflößendes, überirdisches Hindernis für Radsportler dar. Der Ventoux sei "ein Gott des Bösen, dem man Opfer bringen muss." Sein "absolutes Klima" mache "ihn zum Terrain der Verdammnis, zu einem Ort der Prüfung des Helden, gleichsam zu einer oberen Hölle".

Am Freitag wird die Ventoux-Saga fortgesetzt, diesmal stellen sich die Frauen der Herausforderung im "Terrain der Verdammnis". Klar ist: Die erste Ventoux-Siegerin erhält einen Ehrenplatz in den Annalen der Tour de France. Sie hat dem "Gott des Bösen" getrotzt.

Whatsapp Logo
Quelle: Reuters

Sie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.


Über das Thema berichtete das ZDF am 05.08.2026 ab 19 Uhr.
Thema

Sport-Nachrichten